Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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WALTHER WREDE

Mauern wieder erstanden 1, wird man sogleich an den Ausbau
der Grenzfestungen gegangen sein, und damals muß Phyle sein
starkes Kastell erhalten haben. Sollte die Schuttschicht, in der
die Scherben des Greifenkraters (S. 212 Nr. 7) lagen, schon beim
Bau des Kastells angefüllt und ungestört geblieben sein, müßte
man freilich mit der Datierung bis unter 375 hinuntergehen.
Doch weist der Mauerstil höher hinauf, und die Scherben können
gut während der ersten Benutzungszeit der Festung in diesen
Winkel geraten sein.

Thrasybul also fand die Festung, wie wir sie jetzt kennen,
nicht vor 2. Sein Stützpunkt lag im Demos Phyle, ob gerade
auf der bewaldeten Kuppe der Kalamara (Mali-tyeri der Karte)
nordöstlich der Quelle, in deren Mauerresten ich nur Terrassie-
rungen mit antiken Siedelungsschichten sehen konnte, mag dahin-
gestellt bleiben 3. Im Kastell, das selbst völlig aus einem Guß
gebaut ist, fehlt es bis jetzt an jeglichen Spuren älterer Anlagen.
Wenn die von Plutarch 4 berichtete Anekdote, Phyle sei einst
von abtrünnig gewordenen Freunden des Peisistratos besetzt
worden, auf historische Geschehnisse zurückgeht, braucht sie
zum Kastellberg ebensowenig in Beziehung zu stehen wie die
Geschichte von Thrasybulos und seinen Siebzig.

Im IV. Jh. finden wir dann Phyle als Festung bezeugt. Die
Inschrift IG. II 5, 407 i wäre das älteste Zeugnis, wenn der Name
&vlrj richtig ergänzt ist. Das Psephisma bei Demosthenes
XVIII, 37 f. (p. 238), in dem als Grenzfestungen Eleusis, Phyle,
Aphidna, Rhamnus und Sunion aufgezählt werden, gilt zwar
allgemein als Interpolation, ist aber dann sicher unter Benutzung

1 Frickenhaus a. a. O. 43.

2 So schon Skias a. a. O.

3 Skias a. a. O. Aus Xen. Hell. II 4, 2: Qqaovßovlos .... <Pvk7jv ivqiov
xaralafvßavsi Io%vqov läßt sich nichts ersehen, denn imqIov hat schon bei
Thuk. die gleiche weite Bedeutung wie unser ‘Platz’. Denselben Aus-
druck übernimmt Diod. XIV 32,1. Die Quelle des Corn. Nepos Thrasyb. II
scheint das Unternehmen Thrasybuls schon mit dem späteren Kastell
verknüpft zu haben: castellum munitissimum (Vgl. Steph. Byz. s. v. "Aqfia:

yQOVQiov oyyQov). —

Die Feldbefestigung auf der Mallia Phyli ist nur noch als formloser
Rest eines Steinwalles kenntlich. Eine ähnliche Anlage befindet sich
nach Aussage der Leute gegeniiber auf dem Kassumbi.

4 Plut. Apophthegm. Pisistr. 1 (p. 189).
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