Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1982

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zugeschrieben. Bei der Vergleichung zeigt sich jedoch, dass die
Gemälde unmittelbare Beziehungen gerade mit den Tafeln aus
Hlohovec aufweisen und dies auf solche Art, dass sie derselben
Malerhand zugeschrieben werden können und wahrscheinlich
sogar auch einem gemeinsamen Altar. Andererseits führte aber
die Komparation zur Notwendigkeit die bisherige Identifikation
des Autors der Pressburger Tafeln mit dem Autor der Gemälde
aus der deutschen Privatsammlung zu überprüfen. Aufgrund
dessen scheint es, dass trotz bedeutender Ähnlichkeit zwischen den
Pressburger und Hlohovetzer Tafeln es richtiger erscheint zwei
verschiedene künstlerische Persönlichkeiten in Erwägung zu zie-
hen, als über die Entwicklung eines einzigen Malers zu sprechen.
Ihre Beziehungen zueinander sind jedoch enger, als ihre Bezie-
hungen zu anderen Werken der Wiener Malerei, wenn auch nicht
im Bezug auf ihre Stilauffassung (da kam es zu einer durch die
jüngere Zeit der Entstehung der Pressburger Tafeln verursachten
Verschiebung), so im Bezug zu den ,,Autoren-“ oder ,,Werk-
stattm^rkmale“. Dies führte uns zur Hypothese, dass der
Autor der Pressburger und der Autor der Hlohovetzer Tafeln
Mitarbeiter in derselben Werkstatt hätten sein können.
Obzwar die ursprüngliche Provenienz dieser Werke nicht
einwandfrei festgestellt ist, ist es auffallend, dass gerade Werke,,
die zwischeneinander bedeutende Beziehungen aufweisen, aus
demselben Gebiete stammen — aus der Westslowakei. Dies gilt
nicht nur für die Beziehung zwischen den Pressburger und Hloho-
vetzer Tafeln, aber bis zu einem gewissen Masse auch für ihr
Verhältnis zu den Tafeln aus dem Waagtal. Alle haben ihre

endgültige Quelle in der Kunst des Meisters der Darbringung, sie
gehören aber schon zur jüngeren Generation und nahmen auch
neuere Anregungen an. Dieser gegenseitige Zusammenhang
hinsichtlich des auffallend nahen geographischen Fundortes der
zur Frage stehenden Werke führte uns zur Hypothese, dass es sich
um eine Werkstatt handeln könnte, deren Mitglieder zwar in
Wien geschult wurden und mit dieser Wiener Schule in ständigem
Kontakt blieben, wahrscheinlich aber dauernder auf dem Gebiete
der Westslowakei arbeiteten. Die Werkstatt mag in den dreissiger
und vierzerger Jahren in der Westslowakei gewirkt haben, mögli-
cherweise direktim damaligen Pressburg. Die engen künstlerischen
Beziehungen dieser Stadt zum benachbarten Wien im Mittelalter,
sowie die dynastischen und politischen Beziehungen Siegmunds
Tochter Elisabeth zu Österreich (es ist nicht uninteressant, dass
eine der Pressburger Tafeln gerade die heilige Elisabeth darstellt,
genau so wie die Reliefs des Domes in Košice, die auch in unmit-
telbarer Beziehung zu Siegmund stehen), diese Möglichkeit un-
terstützen. Dies würde bedeuten, dass Werke, die jedoch auf unse-
rem Gebiet erhalten blieben, nicht als blosser Import, oder sogar
als Import späterer Epochen betrachtet werden können, dass sie
vielmehr ein Beweis direkter Tätigkeit aus Wien gekommener,
oder wenigstens dort geschulter Maler auf dem Gebiet der West-
slowakei sind. In anderen Worten würde es bedeuten, dass die
Westslowakei im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts nicht nur
ein Gebiet war, in das fremde Kunst importiert wurde, sondern
ein Gebiet, das direkt und aktiv am künstlerischen Schaffen des
die Grenzen des Staates überschreitenden Kulturkreises teilnahm.
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