Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1982

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Ladislaus-Saal auf der Burg beendet und das Renaissanceportal
zur Basilika des Heiligen Georgs angebaut, in Wien das Portal
der Salvator-Kapelle 1520—1525, in Augsburg die Fugger-Ka-
pelle bei der Kirche der Heiligen Anna 1509—1518 usw.).
Die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts war in der Slowakei für
die allseitige Entwicklung der Architektur nicht besonders
günstig. Nach dem Tod von Matthias, zur Zeit der Regierung der
schwachen Jagellonenherrscher und noch stärker nach der
Niederlage bei Mohács (1526) wurde Ungarn von inneren Zwis-
tigkeiten und auch äusseren Gefahren — von den Kämpfen der
Tronfolger, der ungarischen Prätendenten und der Habsburger
um die Krone, von den Bauern- und Bergwerkeraufständen und
seit den zwanziger Jahren, beginnend mit dem Aufschwung der
Reformation, auch von Religionskämplen erschüttert. Die
ernsteste äussere Gefahr — die sich steigernden Türkenangriffe,
erforderte die Konzentration auf Fortifikationsbautcn. Die
Habsburger, die nach der Schlacht bei Mohács auch zu unga-
rischen Königen wurden, boten für die Verteidigung des Landes
viel Bestreben auf. Ungarn bedeutete für sie ein wichtiges Vorfeld
der Verteidigung der Erbländer vor den Türken. Sie beriefen in
das Land immer mehr italienische Militäringenieure und Archi-
tekten, hauptsächlich aus der Lombardei. Im Jahre 1566 wurde
in Wien der Hofkriegsrat gegründet und Ungarn wurde in drei
Kapitanate aufgeteilt. Der Festungsgürtel in der Südslowakei
war ein Bestandteil der Verteidigung des restlichen Teiles von
Ungarn (das eigentliche, von Magyaren bewohnte Ungarn wurde
von den Türken grösstenteils besetzt) und stellte länger als 150
Jahre einen Schutzwall dar. Die militärische und politische
Bedeutung der Slowakei stieg an, Bratislava wurde für lange Zeit
zur Hauptstadt Ungarns, Trnava nach dem Fall von Esztergom
(Gran) zum Mittelpunkt des kirchlichen Lebens.
In diesem Zeitabschnitt spielte sich die Entwicklung der
Baukunst grösstenteils an den Befestigungsbauten ab. Schon im
15. Jahrhundert, doch besonders im 16. Jahrhundert wurde unter
dem Einfluss der raschen Entwicklung der Artillerie und der
weiteren Veränderungen in der Kriegsführung mit dem Umbau
älterer Burgen und mit der Befestigung der Städte begonnen.
Die Basteien wurden geändert, eckige und polygonale kamen
hinzu und wurden niedriger gebaut. Die Horizontalität als eines
der charakteristischen Merkmale der Renaissancebefestigungen
war hier durch Verteidigungsmomente bedingt.
Eine Reihe von Städten war schon seit dem 13. und 14. Jahr-
hundert befestigt, im 15. Jahrhundert wurden diese Befestigungen
um weitere Gürtel von Vorbauten und Palisaden verstärkt
(Bardejov, Bratislava, Košice, Levoča, Prešov, usw.) und weitere
Städte wurden befestigt (Banská Bystrica, Pukanec, Zvolen,
Filakovo, Komárno, Levice, Krupina, usw.). Im Rahmen des
Verteidigungssystemes wurde eine ganze Reihe von Wachtürmen
gegen die Türken erbaut (Krupina 1564).
Burgen wurden umgebaut und verstärkt und weitere Festungen
errichtet (z. B. Čabraď, Slovenská Eupča, Červený Kameň,
Krásna Horka, Trenčín, Šarišer Burg, FiTakovo, Bcckov, Zipser
Burg, Bratislavaer Burg, Oravaer Schloss, Nitra, Kežmarok,
Modrý Kameň, Topolčany usw.).
In der Disposition und in dem Befestigungssystem ist Červený
Kameň eine hervorragende Burg. Im Jahre 1535 kaufte die Burg
An ton Fugger von den Thurzos ab und liess sie zu einer gründ-

lichen Festung mit ausgedehnten Lagerräumen umbauen. Es
wurden hier mächtige runde Eckbasteien, moderne Kasematten-
systeme mit Verbindungsgängen und mit Entlüftung, die in
seinen theoretischen Arbeiten Albrecht Dürer empfohlen hatte,
angewandt.
Die bedeutendste städtebauliche Tat, auch vom Gesichtspunkt
der europäischen Entwicklung, war der Bau der Stadt Nové
Zámky (Neuhäusel). Die neue Festungsstadt mit dem Grundriss
eines regelmässigen Sechsecks, mit grossen Basteien und mit einem
regelmässigen schachbrettförmigen Strassennetz wurde in den
Jahren 1573—1581 nach dem Entwurf von Ottavio Baldigara
erbaut. Zusammen mit der Stadt Karlovac in Kroatien (1579)
ist das die erste bauliche Verwirklichung einer idealen Renaissan-
cestadt überhaupt. Im 17. Jahrhundert wurden in der Slowakei
mehrere weitere regelmässige Festungen (Vráble 1640—1663,
Guta 1664) erbaut. Eine Reihe von Kirchen und Klöstern wurde
auch befestigt. Nach dem Fall von Nové Zámky wurde eine
ähnliche regelmässige Festungsstadt, Leopoldov (1664—1667)
erbaut. Eine neue Festung wird in Komárno errichtet und die
Befestigung von Košice wird vervollkommnet. Die Entwicklung
seit dem 15. Jahrhundert bis zum Ende des 17. Jahrhunderts ging
bei uns von den älteren und neueren italienischen, über die
holländischen und deutschen bis zu den fortschrittlichen französi-
schen Befestigungssystemen.
An zahlreichen Burgbauten beginnen um die Hälfte des 16.
Jahrhunderts Attiken mit Bogen- und Kreuzbogenfries oder in
Schildform, Portale und Fenster im Übergangsstil sowie auch
typische Renaissancefenster zu erscheinen.
Wie weitgehend die Wehrmotive die ganze Renaissance-
architektur in der Slowakei beeinflussten, ist hauptsächlich an
den Attikamotiven sichtbar, die in dem ganzen zivilen Bauwesen
sowie auch an den Bauten der Glockentürme und Kirchtürme
angewendet wurden.2
Die allseitigste Entwicklung der Architektur spielte sich im
16. und 17. Jahrhundert hauptsächlich in unseren Städten ab.
Es entstanden zahlreiche urwüchsige Werke der reifen einhei-
mischen Renaissance — Bürgerhäuser, Rathäuser, vollkommene
Befestigungsanlagen und zum Ende des 16. und Anfang des 17.
Jahrhunderts auch die ersten charakteristischen Glockentürme
und Kirchtürme, gekrönt mit formreichen schildförmigen Attiken.
Annähernd bis zum Beginn des zweiten Drittels des 17. Jahr-
hunderts dauerte bei uns die erste Etappe der Entwicklung der
Renaissancearchitektur, die durch die sichtbare Tendenz zu lo-
gischen und übersichtlichen Dispositionen, zu klaren und leicht
verständlichen Proportionen der Baumassen und der Räume
gekennzeichet war.
In dem zweiten Zeitabschnitt, der bei uns bis zu dem letzten
Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts überdauerte, wurden die rationa-
len Tendenzen und die innere Logik der Renaissancearchitektur
der vorhergehenden Etappe zu Gunsten einer komplizierteren
und malerischen Skala der Wechselbeziehungen sichtbar lockerer,
ihre Formsprache und Ausschmückung bereichert sich und ver-
flechtet sich mit Barockformen und Barockprinzipien.
Die Renaissancearchitektur des bedeutendsten ostslowakischen
Gebietes stand eng mit der Renaissance von Südpolen mit dem
Mittelpunkt in Krakau in Verbindung. Obzwar das Patriziat des
grössten Teiles der im Mittelalter entstandenen Städte in der
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