Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 3.1986

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M. JOVANOVIC

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len mittelalterlichen Kunst gebrochen — nebst der Forderung, daß die
Ikonen und Ensemble der Wandbilder oder Ikonosthasen die Can one der
orthodoxen Kirche beifriedigen, erwartete man, daß die Meister auch „fein
und der Natur nach” malen. Damals eingesetzte, wenn auch nur formelle
Bindungen mit der Entwicklung der europäischen Kunst, werden nie
mehr gebrochen.
Eie Erfahrungen der barocken und Rokokomalerei wurden von den
serbischen Ikonenmaler benützt, was bis zu den 30er Jahren des 19. Jahr-
hunderts dauern wird. Ebenso das verlängerte Dauern der Barockultur
wurde auch in Wien bemerkt2, so daß es, anscheinend, insofern natür-
licher ist, daß auch die serbische Maler — Bewohner der Ostprovinzen
des geräumigen Kaiserreichs, die Reisenden nach Italien oder die Schüler
der Wiener Akademie, die Vertreter des ausgebildeten Klerus und Bür-
gertums, lange im 18. Jahrhundert die angenommenen Werte des moder-
nen Bildes behalten.
In der 20er Jahren des 19. Jahrhunderts entstehen Änderungen. Die-
Mitarbeiter von Overbeck und seine Schüler befanden sich an den
Schlüsselpositionen des künstlerischen Lebens des mitteleuropäischen
Gebietes, darunter auch die Professoren der Wiener Akademie, Fürich
und Kupelvieser. Doch durch die Akademie durchlief eine ganze Gene-
ration von serbischen Künstlern. Vor der Möglichkeit der Wahl der mo-
dernen Unterlagen, aber auch unter dem Druck des unter dem Einfluß
der meisterhaften Biedermeiermaler abgeänderten Geschmackes und der
Forderungen des bürgerlichen Milieus, erlitt auch die serbische kirchli-
che Mslerei des vorigen Jahrhunderts einige Änderungen, welche als,
vielleicht etwas zu vereinfacht, nazarenisch bezeichnet werden. Aber
jedenfalls ist die formelle Seite dieser Malerei auf der weiteren Ver-
folgung der Kunst in Europa begründet.
Die Entwicklung der historischen Wissenschaft und die Forschung
der Antiquitäten kommt bei den Serben mit gewisser Verspätung vor.
Jedoch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts war entwickeltes histo-
risches Bewußtsein bereit, den echten Glauben, die Orthodoxie der na-
tionalen kirchlichen Kunst einer Überprüfung zu unterstellen. Die ro-
mantische Erneuerung der „serbisch-lbyzantinischen Stils” in der Archi-
tektur und die neuen Dränge des Profanen in der Ikonographie
brachten zur Polemik zwischen zwei Generationen von serbischen Kün-
stlern, wobei eine in Wien, die andere in München ausgebildet wurde,
sodaß eine anscheinende Entgegensetzung auch in den Positionen der
ästhetischen Schätzungen war. Es war aber klar, daß durch Schutz des
Heiligtums der dargestellten Inhalte und durch Einsetzen zur verstärk-

2 R. Bachleitner, Die Nazarener, München 1976, S. 79.
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