Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 3.1986

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M. JOVANOVIC

Er sieht in der Entwicklung der deutschen Romantik zwei Wege — den
protestantischen als neuen Beginn und katholischen als Wiederaufbau
neuer Werte 3. Die leitenden Vertreter der protestantischen Linie, Philipp
Otto Runge und Kaspar David Friedrich waren eigentlich die leitenden
Meister der deutschen malerischen Romantik. Im Zyklus „Tageszeit”
(1,808) brachte Runge Bedeutungen der alten christlichen Hieroglyphik ein
und verwirklichte die besondere „Metaphysik der Natur” und der sym-
bolischen Regione4. Friedrichs „Kreuz im Gebirge” (1808), ebenso das
Programmbild der deutschen Romantik lösen das Problem des Todes
und Vergehens durch das Wiederentdecken der Gotik als altgermani-
scher Kunst5 und durch das pietistische Gefühl der Stimmung als Form
des protestantischen Widerstandes zur rationalistischen Lebensphiloso-
phie 6. Die Vertreter des katholischen Weges waren unter Schutz des
„Lucasbundes” und Overbecksprinzipien begründeten auf der Verwerfung
von Barock im Namen der Primitiven des Quatroeento mit der Tendenz,
die Einflußmacht der religiösen Kunst zu erneuern zum Zwecke der
Verbindung des Religiösen und Nationalen7. Es ist wichtig hervor-
zuheben, daß die Anfänge Schlegels systematischer Forschungen der mit-
telalterlichen deutschen Kunst dafür einen Beitrag geleistet haben 8. Die
dritte naturalistische Richtung der deutschen Romantik führte laut von
Einem zu waldmüllerischem Gefühl für die Natur9, welches bereits
bei Runge und Friedrich begonnen wurde.
Es ist anzunehmen, daß nicht unbegründet das Stellen der Frage ist,
ob ein orthodoxer Weg zur Romantik bestand, es versteht sich beson-
ders vom Standpunkt der kirchlichen Kunst und im Verhältnis zur Ent-
wicklung der Kunst der orthodoxen Serben im 19. Jahrhundert. Dabei ist
die Erinnerung unvermeidbar, daß in der Zeit der Europäisa-
tion der serbischen Kunst im 18. Jahrhundert, Serbien auf der politischen
Karte Europas nicht besteht. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts,
südlich von der Save und der Donau, rings um Belgrad herum entstand
das junge Fürstentum, jedoch wärend der ganzen Hälfte des Jahrhun-
derts befand sich der Mittelpunkt des serbischen kulturellen und künst-
lerischen Lebens in Österreich. Deswegen ist es klar, warum drei ent-
scheidenden Bezeichnungen der Entwicklung der serbischen Malerei im
Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Wien bzw. Wiener

3 H. Einem, op. cit., S. 70.
4 Ibidem, S. 81, 82, 88.
5 Ibidem, S. 93.
6 R. Bachleitner, op. cit., S. 36-^38.
7 H. Einem, op. cit., S. 102.
8 Ibidem, S. 105.
» Ibidem, S. 164.
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