Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 4.1990

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R. KACZMAREK, J. WITKOWSKI

im Presbyterium uberein, dessen Altarblatt mit der Darstellung des Martyrertods
des hl. Bartholomaus von Michael Willmann von dem Monographisten dieses
Kiinstlers in d ;c Zeit um 1685 gesetzt wird 37.

Das Grabmal des Ftirsten Heinrich und des Hochmeisters Konrad war nur ein
Element einer der von Abtissin v. Wiirben-Pawłowska eingeleiteten Barockisierung
der Kirche, in deren Rahrnen der Ostteil der Kirche, d. h. das Presbyterium und die
beiden an es stoBenden Kapellen, gewissermaBen in ein dreifaches Mausoleum der
bedeutendsten in Trebnitz ruhenden Persónlichkeiten yerwandelt wurde. Dieses
Programm realisierte die Abtissin schrittweise. In der Hedwigskapelle errichtete sie
fiir die Patronin und Mitstifterin des Klosters ein prachtiges Grabmal, im nachsten
Abschnitt entstand die Tumba fiir den Gatten der Heiligen und Stifter des Klosters,
Heinrich I., sowie den Hochmeister Konrad von Feuchtwangen. Den AbschluBdes
begonnenen Werks bildete die Tafel im Boden der Johanneskapelle mit der Biiste der
hl. Hedwig und einer Irischrift, die deren erste Ruhestatte bezeichriete. Die ideelle
und kiinstlerische Einheit der Konzeption wurde durch die Verwendung ein und
desselben Materials, des Dębniker Marinors, unterstrichen.

Die Trebnitzer Anlage ist ein Beispiel fiir die Ehrung des Andenkens an die Stifter
und WohltaterunddamitderGeschichtedes Klosters und des Landes bei den Zister-
ziensern. Dieser, notabene nicht fiir die Zisterzienser und nicht nur fiir Schlesieri
typische eigentiimliche Historismus, kam iri der 2. Halfte des 17. Jh. auf und dauerte
das ganze 18. Jh. an. In diesem Zusammenhang wird die Errichtung eines neuen
Grabmals des schlesischen Fiirsten und Stifters des Klosters verstandlich, nicht aber
dessen Vereinigung mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens, der, obwohl in
Trebnitz bestattet, bisher noch kein eigenes Grabmal besa!3. Auf diese Weise wurde
Konrad von Feuchtwangen gleichartig wie der Fiirst Heinrich I. geehrt, dem jedoch
als Wohltaterdes Konvents derEhreriplatz vordem Hochaltar zustand. Um doch noch
einen Unterschied zu machen, verruckte man das Grabmał etwas nach Norden, so
daB sich die Platte mit dem Portrat Heinrichs I. genau dem Tabernakulum des Hochal-
tars gegenuber und auf der Kirchenachse befand. Von einer solchen Auffassung dieses
Ortsschon im 17. Jh. zeugt die Beschreibung von Henelius, der die Lage des Grab-
malsals,,antearamprincipem(...)utpote Fundatoris” 38 bezeichnet. DieUnkenntnis
der wahren Ursachen, warum diese beiden Manner miteinander bestattet wurden,
bewirkte, daB man dieses Problem uberging oder durch Legenden erklarte. Dabei
laBt sichfeststellen, daB die Abtissin v. Wiirben-Pawłowska, die zweifellos die Schóp-
ferin der Konzeption war, sich von der Verquickung historischer Ereignisse leiten
lieB, namlich der Verbindung des andauernden Kampfs mit dem das Christentum
bedrohenden Islam mit der Gesćhichte des Trebnitzer Klosters, das, dem prohabs-

37 E. Kloss, Michael Willmann. Leben und Werk eines deutschen Barockmalers, Breslau

1934, S. 103, 176.

38 Henelius, (s. Anm. 13).
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