Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 4.1990

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DAS GRABMAL HEINRICHS I.

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teil 49. Seine Vorganger im B schofsamt, die ósterreichischen Erzherzóge Karl
(1603 - 1624) und Leopold Wilhelm (1656 - 1662) waren gleichzeitig Hochmeister
des Deutschen Ordens 50, ebenso wie auch Friedrichs Nachfolger, der Bischof Franz
Ludwig, der diese Wiirde von 1694 bis zu seinem Tode im Jahre 1732 begleitete 51.
Dariiber hinaus war der Ordenshochmeister Johann Caspar von Ampringen 1682 -
- 1684 ka !serlicher Amtshauptmann in Schlesien 52.

Die Errichtung einer Grabtumba fiir einen vor mehreren Jahrhunderten ver-
storbenen Wohltater des Klosters gegen Ende des 17. Jh. ist ein Ausdruck des Histo-
rismus in der Kunst, „einer Kunst im Dienste einer Weltordnung, einer Staatsidee,
einer Weltanschauung, die aus der Geschichte programmatisch ihre Denkmodelle
und Formenmodelle beziehen” 53. Ein so aufgefaflter Historismus bestand in der
Pflege des Andenkens an die Fundatoren und Wohltater, was meist im Schutz oder
der Anpassung ihrer alten Giabmaler an die neuen Innenraume bzw. im Anfertigen
neuer Grabdenkmaler, die in der Regel sich auf die Vergangenheit beriefen, zum
Ausdruck kam. Solche Erscheinungen kennen wir sowohl aus Schlesien, als auch aus
Bóhmen und Polen, wobei diese nur bei den alten, hier seit Jahrhunderten ansassigen
Orden, den Benediktinern, Zisterziensern und Pramonstratensern, anzutreflen sind.
Die bóhmischen und schlesischen Klóster dieser Orden (in Schlesien hauptsachlich
die Zisterzienser) lebten in einer spezifischen, mit dem Wechsel des Herrscherhauses
in Verbindung stehenden politischen Situation (wobei die Protoplasten der vor-
hergehenden Dynastie sich oftmals um die einzelnen Konvente verdient gemacht
hatten), was haufig zusatzliche Motivationen zur Ehrung des Andenkens der Wohl-
tater schuf 54. Trebnitz war innerhalb der schlesischen Ordensprovinz, zu der es
gehórte, aufgrund der polnischen Herkunft der meisten Nonnen eine Ausnahme und
unterhielt rege Kontakte mit den polnischen Zisterzienserkonventen, besonders mit
Oliwa und Peplin 5S. Diese beiden Klóster jedoch waren wiederum im 17. Jh. Zentren

49 Vgl. W. Dersch, Kardinal Friedrich von Hessen, in: Schlesische Lebensbilder, Bd. 3,
Breslau 1928.

50 Ebda., S. 72; J. Jungnitz, Die Grabstatten der Breslauer Bischofe, Breslau 1895, S. 27,
29.

51 Vgl. J. Voigt, Geschichte des Deutschen Ritter Ordens in seinen zwdlf Balleien in Deutsch-
land, Bd. 2, Berlin 1859, S. 444 - 447.

52 D. Gomolcke, Des kurzgefasten Inbegrijfs der vornehmsten Merkwurdigkeiten...,
Breslau, Th. II, Breslau 1735, S. 16.

53 W. Goetz, Historismus. Ein Versuch zur Definition des Begriffes, Zeitschrift des Deutschen
Vereins fiłr Kunstwissenschaft 24, 1970, S. 321.

54 Vgl. J. Neumann, Von der Besonderheit des bohmischen Barocks, in: Actes du XXII'
Congres International d’Histoire de l’Art, Budapest 1969, Bd. 2, Budapest 1972, S. 241; J. Wra-
bec, W centrum Europy Środkowej czy słowiańskiego światal O roli niektórych pojęć w badaniach
nad śląskim barokiem (Im Zentrum Mitteleuropas oder der slawischen Welt? Zur Rolle einiger
Begriffe in den Forschungen zum schlesischen Barock), Biuletyn Historii Sztuki 42, 1980, S. 251.

55 Vgl. M. Walter, Z dziejówpołskości klasztoru cystersek w Trzebnicy w latach 1589 - 1741
(Aus der Geschichte des polnischen Charakters des Zisterzienserinnenklosters in Trebnitz in den

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