Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 4.1990

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DAS GRABMAL HEINRICHS I.

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Hervorłiebung des Grabdenkmals des Deutschordensmeisters in Trebnitz untcr-
schatzen diirfen. Neben dem schon genannten 01iva waren hier noch zusatzlich das
Werk des aus dem 17. Jh. stammenden Historiographen Hartknoch 60, sowie die
schlieBlich diesen Traditionen entstammende Tatigkeit von Jakub Kazimierz Rubi-
nowski in Thorn [Toruń] der 1. Halfte des 18. Jh. zu nennen 61.

Die Sympathie, die die Zisterzienser den Kreuzfahrern entgegenbrachten, erklart
sich aus gemeinsamen, bis auf den hl. Bernhard von Clairvaux, den geistigen Fiihrer
des zweiten Kreuzzugs zuriickreichenden Traditionen, denn die Erinnerung an die
Rolle des Ordens in der Kreuzzugspropaganda wurde noch einige Jahrhunderte
spater wachgehalten 62.

Im schlesischen Zisterziensermillieu ist das Grabmal von Heinrich und Konrad
der friiheste Ausdruck des Weiterbestehens der Kreuzzugsidee, der nur das Leubuser
Willmanngemalde Der Kampf des hl. Jakob von Compostella mit den Mauren aus
dem Jahre 1662 voranging 63. Von der Richtigkeit dieser Interpretation des Gemaldes
zeugt seine monumentale Nachahmung im Deckengemalde der Kirche in Alt
Guhrau [Stara Góra] von ca. 1730, einer den Leubuser Zisterziensern gehorenden
Ortschaft. Der Willman nachahmende Autor, vermutlich war es Christian Phillipp
van Bentum, stellte hierbei die besiegten Mauren in tiirkischen Kostiimen dar 64.

„Die Tdee des Siegs des Wahren katholischen Glaubens” wurde auch im Fiir-
stensaal des Leubuser Klosters von ęa. 1734 - 1738 „durch die Taten der letzten drei
Habsburger Herrscher dargestellt, die als dessen-Werbreiter und Schutzer, als die
heldenhaften Vernichter der die Christenheit bedrohenden Tiirken glorifiziert wur-
den” 65. Dieser Gedanke wurde noęh universeller in den Gewólbemalereien der
Benediktinerkirche Wahlstatt ausgedriickt, die den untrennbar mit den heiligen
Kriegen in Zusammenhang stehenden Triumph des heiligen Kreuzes darstellen.
Aus diesem Grund tauchen hier auch neben konkreten historischen Gestalten, wie
z. B. Konstantin dem GroBen oder dem hl. Ludwig, auch Vertreter der Ritterorden

60 P. de Dusburg, (s. Anm. 4); M. Ch. Hartknoch, Alt- und Neues Preussen oder Preu-
ssischer Historien..., Frankfurt, Leipzig 1684.

61 Vgl. Kruszelnicki, (s. Anm. 56), S. 51 - 79.

62 So taucht beispielsweise auf einer Freskomalerei von J. W. Neunhertz in der Zisterzien-
serkircheLąd derhl. Bernhard von Zisterziensern und Kreuzfahrern umgeben auf (1731 - 1732).
In dieser Kirche befinden sich auch die Gemalde: Der hl. Bernhard ruft zum Kreuzzug auf (von
A. Swach um 1711), bzw. Kaiser Leopold I. und Johann III. Sobieski beten die Madonna an
(von F. L. Raedtke). In Paradyż wiederum befindet sich eine Darstellung der Schlacht bei Liegnitz
aus dem 17. Jh.

63 Die zweite, von der Werkstatt angefertigte Version, die 1697 entstand, war fiir die St.
Jakobskirche in Leubus bestimmt, Kloss, (s. Anm. 37), S. 166, 171.

64 Diese Feststellung erlaubt u. a. eine Miniatur mit der Darstellung des Klosters Melk
aus dem 17. Jh., auf der kaiserliche Soldaten, iiber denen der hl. Jakob schwebt, Tiirken ver-
folgen; vgl. A. Pigler, Barockthemen. Eine Auswahlvon Yerzeichnissen zur Ikonographie des 17.
und 18. Jahrhunderts, Bd. 1, Budapest 1974, S. 439.

65 K. Kalinowski, Lubiąż [Leubus], Wrocław 1970, S. 137.

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