Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

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TROISCHER KREIS

die Einfügung der beiden die Waffen überreichenden Göt-
ter Vulcan und Minerva ihre bestimmte Beziehung auf
Peleus und Thetis; ob diese Figuren nach statuarischen
Typen copirt sind oder ebenfalls ursprünglich für eine
andere Scene, z. B. die Waffenübergabe an Achilleus, wo-
für der Untersatz des Schildes sprechen könnte, erfunden
sind, lässt sich nicht entscheiden. Die Folge dieser Ver-
bindung von nicht frei geschaffenen, sondern aus anderem
Zusammenhang entlehnten figürlichen Momenten ist der
in dieser Darstellung sehr fühlbare Mangel an Charakte-
ristik. Ein den gewählten Moment selbständig gestaltender
Künstler würde weder den Chiron noch die Musen ver-
gessen haben.

Die Darstellungen auf den Schmalseiten und am Deckel
sind mit Beziehung auf die Meeresgöttin Thetis gewählt
und sichern die Deutung Winckelmanns gegen die von
Wieseler u. A. erhobenen Bedenken.

L. Schmalseite Fig. ia: Amor mit einem Sonnenschirm
in der Hand auf einem gezäumten Delphin über das Meer
reitend. Rechts ein aufrecht stehendes Ruder, links eine
Balaustra.

R. Schmalseite Fig. ib: Neptun, im Typus an die

Götter auf den Kandelabervasen aus der Hadriansvilla,
namentlich den Zeus E. Q^Visconti Museo Pio-Clcmentino IV
tav. 2, erinnernd, nur mit einer über beide Arme geworfe-
nen Chlamys bekleidet, steht, die erhobene Rechte auf ein
Scepter (nicht Dreizack) gestützt, vor einem Meerdrachen,
der, aus einer Höhle herauskommend, den Kopf zu ihm
emporhebt. II. N 27

CCTaXks Bs KTjTS V7T IXVTOV

TtdvTQÖsv §/c Ksudjuav ovo ijyvoiyjas dva/cra.
Unten Meerwasser, rechts ein aufrecht stehendes Ruder.

Am Deckel in der Mitte der Vorderseite eine Oceanus-
maske mit FJossenbart, Krebsscheeren und Stierhörnern,
daneben zu beiden Seiten symmetrisch gruppirt rechts ein
Seepferd, links ein Seepanther, dann durch je einen Delphin
getrennt rechts ein Seedrache, links ein Seegreif. An den
Schmalseiten je ein Seegreif, durch die hier angebrachten
Klammerlöcher verletzt. In den Eckakroterien Delphine
mit erhobenen Schwänzen.

Nach Stil und Technik sowie der Haartracht der Iuno
und der Hören darf der Sarkophag etwa in den Beginn
der Antoninenzeit gesetzt werden.

II L E D A.

Tafel II

2) P. rechts unvollständig. Aix, Musee. Fig. 2.
L. 1,38. H. 0,57. Relieferhebung bis 0,03. „Das Relief hat
weniger Rundung und bietet mehr Fläche als die gewöhn-
lichen römischen Sarkophagreliefs. Charakter durchaus nicht
provinziell." Matz. Gezeichnet von Eichler 1874.

„A Aix scel'e dans Ic ?nur (Tune Cbapelle (cest la Cbapelle de la R'e-
surrection) de fEglise de S. Sauveur. II se ressent si fort des injures
du tems, que /es personnages n'y sont pas reconnaissables. Heureuse-
ment en ijpz quil etait en bien me'tlleur 'etat M. de Burle Conseiller et
Secr'etaire de la Chancellerie de Provence le fit dessiner par un peintre de
Troies nomm'e Charles Marteau" Martin 173p. „Place dans une des
cbapelles laterales de Saint Sauveur ä Aix, d'ou il fut enlev'e vers
1792 pour etre mis en d'epot a CHotel-de-ville de Marseille" Gibert.
„Dans la maison commune a Aix" Millin 1 807.

Alte Zeichnung: von Künstlcrhand des 17. Jahrh. in dem
Codex des Peiresc {Cod. Paris, lat. 6012 fol. 5)4)5 vgl. Matz
Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissenschaften und der
Georg-Augusts-Universität, Göttingen 1872 S. 94.

Abbild ungen: (Jacques Martin) Explication de divers monu-
mens singuliers qui ont rapport ä la religion des plus anciens peuples,
Paris 1730 />/. VIII (nach der MARTEAuschen Zeichnung).— Mil-

lin Atlas du voyage dans les d'epartemens du midi de la France II 1 807
pl. 37, 1. Danach ders. Galerie mytbologique pl. 144 nr. 512, Guig-
niaut Religion de Cantiquit'e pl. 216 nr. 736. — Esprit-Antoin Gibelin
Observations critiques sur quelques notes, explications, opinions, jugemens
emis dans fouvrage intitule Voyage dans les d'epartemens du midi de la
France adress'ees ä fauteur. Marseille 1809. fig. 2 („gegenwärtiger Zu-
stand, sehr genau" Matz), fig. 3 (Restauration).— A. de Laborde
Les manuincns de la France I 1816 pl. 82.

Litteratur: Martin a. a. O. p. 303; Millin Voyage p. 242,
Gal. myth. p. 522; Gibelin a. a. O.; Laborde a. a. O. p. 83; O. Jahn
Archäologische Beiträge 1847 S. 7; G. F. Waagen Archäologischer
Anzeiger 1856 S. 206*; H. Gibert Catalogue du Musee d'Aix 1862
p. 62 nr. 292; Stephani Compte-rendu 1863 S. 63, 1864 S. 104 A.;
Overbeck Griechische Kunstmythologic 1871 I 1 S. 496 f. Nr. 15.

An der linken Ecke Karyatide mit Kalathos auf dem
Haupt; ihre linke Hand fasst den Zipfel eines aus ihm herab-
fallenden Tuches. Die eigentliche Darstellung zerfiel ur-
sprünglich in eine grössere Mittelscene und zwei kleinere
Nebenscenen, von denen die rechte, die wir uns ebenfalls
durch eine Karyatide abgeschlossen zu denken haben, weg-
gebrochen ist.
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