Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 15
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URTHEIL DES PARIS Tafel V

kleiner, im Coburgensis übersehener Rest an der linken
Schulter erhalten hat; endlich zu oberst nur bis zur Hüfte
sichtbar Minerva nach rechts im Profil. Der Weg der drei
Göttinnen geht nach rechts, wo hoch oben, den Gesetzen
der Perspective gemäss etwas kleiner gebildet, lupit er thront,
mit der rechten im Schooss ruhenden Hand den Blitz, in der
abgebrochenen linken das bis auf zwei kleine Stücke ver-
lorene Scepter haltend (vgl. 13); ein Mantel ist um sein
rechtes Bein und um den linken Oberarm geschlungen;
rechts neben ihm sitzt sein Adler. Es ist wieder der Ty-
pus des capitolinischen Cultbildes, Avie er auch auf dem
schon erwähnten Musensarkophag Torrigiani erscheint.
Links neben Iupiter steht Mercur, mit Chlamys, Flü-
gelhut und geflügeltem Caduceus; er ist den Göttinnen
vorausgeeilt, um dem Vater Iupiter als Erster die Entschei-
dung des Paris zu melden und hat den Blick rückwärts
auf die heranschwebenden Göttinnen gerichtet.

Die übrigen Figuren stehen, mit einer Ausnahme, zu
dem dargestellten Mythus in keiner directen Beziehung, sie
dienen lediglich dazu, die Majestät und Allgewalt des Iupiter
über das ganze Reich der Natur und seinen Thronsitz hoch
über den Wolken bildlich zu veranschaulichen; es sind theils
Naturgottheiten und Naturpersonificationen, welche den
Raum unter seinen Füssen und die ganze rechte Seite ein-
nehmen, theils die Götter der Gestirne, die sich, ihrer
weiteren Entfernung entsprechend kleiner gebildet, in langer
Reihe über den oberen Theil dieser Sarkophaghälfte hinziehen.
Links von Iupiter sprengen auf feurigen Rossen die Dios-
curen mit weit im Winde nachflatternder Chlamys heran;
ihnen folgt auf seinem Viergespann Sol, das Haupt von dem
typischen Strahlenkranz umgeben, in der linken Hand die
Geissei, im Rücken die flatternde Chlamys; indem er sich
mit dem Körper etwas nach rückwärts wendet und das
Haupt dem Beschauer zukehrt, hebt er wie zum Zeichen
des Staunens, die Rechte. Der sein Haupt überwölbende

werden theils durch den Körper des Iupiter, theils durch
eine rechts folgende grösser gebildete weibliche Figur ver-
deckt, die nur bis zur Hüfte aus einer an dieser Stelle sich
hinziehenden Wolkenschicht hervorragt; der Körper ist
nach rechts vornüber gebeugt; die rechte Hand legt sie auf
die Wolken, wie auf den Rand eines Geländers; bekleidet
ist sie mit einem die rechte Brust freilassenden Chiton und
bogenförmig hinter den Schultern flatternden Mantel. Von
Duhn's Deutung dieser aus den Wolken gleichsam hervor-
lugenden Frauengestalt als Nox, an die auch schon Jahn
gedacht hatte, wird durch die Vergleichung der Nacht auf
der Traianssäuje (Fröhner La colonne Traiane pl. 181) gesichert.

Mit dieser Figur beginnt die zweite Kategorie göttlicher
Wesen, deren Mittelpunkt der, wie die Nox, nur bis zur
Brust aus einer Wolkenschicht hervorragende, zuerst von
O. Jahn richtig benannte Caelus bildet, ein bärtiger Mann
mit wirrem Haupt- und Barthaar und wildem Gesichts-
ausdruck, der mit beiden erhobenen Armen das mantel-
artig gebildete Himmelsgewölbe stützt, auf welches Iupiter
seine Füsse setzt; rechts neben ihm, gerade unter der Nox
war einst noch eine gleichfalls aus den
Wolken hervorragende Figur ange-
bracht, die aber jetzt fast vollständig
zerstört ist;, die von dem Zeichner
des Coburgensis gänzlich übersehenen
Reste sind in ihrem jetzigen Zustand
auf unserer Tafel und in noch etwas NACH SPENCE
besserer Erhaltung auf dem Stich bei Spenge wiedergegeben;
s. die nebenstehende Abbildung dieses Theils. Sie lassen
erkennen, dass die Figur in Vorderansicht dargestellt war und
den rechten Arm erhoben hatte. Nach Analogie der Phae-
thonsarkophage wird man in ihr einenWindgott vermuthen
dürfen. Den unteren Theil dieser Sarkophagseite nehmen
theils in sitzender, theils in liegender Stellung vier Naturgott-
heiten ein, und zwar in zwei einander zugewandten Gruppen,

Bogen ist keineswegs, wie der Zeichner des Coburgensis deren jede aus einer männlichen und einer weiblichen Gott-
angenommen hat, ein Mantel, der neben der Chlamys ein heit besteht. Mit Sicherheit lässt sich zunächst die rechte
sonderbarer Pleonasmus sein würde, sondern der das Eckfigur als Tellus bestimmen, wie es bereits von Zoega
Himmelthor andeutende Zodiacus, auf welchem noch jetzt geschehen ist. Bekleidet mit gegürtetem Chiton und Mantel
die Zeichen der Fische und des Widders theilweise erhalten sitzt sie in aufrechter Haltung ruhig da; den rechten Arm,
sind, während der Stich bei Spence auch noch das Zeichen der wohl ursprünglich ein Attribut hielt, streckt sie vor;
des Stieres aufweist. Treffend bemerkt Zoega: Sol esce sotto der linke gebrochene mag, wie es in der Ergänzung der
d'un arco grande epiatto, come la meta d^una clissc. Der Hori- Fall ist, auf dem Steinsitz aufgestützt gewesen sein. Zu
zont ist als ein niedriges Thor gedacht, das Sol mit seinem ihrem Fuss liegt ein Rind, ihr gewöhnliches Attribut; links
Wa gen durchfahren muss. Dem So] entsprechend erscheint neben ihr befand sich ihr zugekehrt ein an ihr rechtes Knie
rechts neben Iupiter, den Blick auf die drei Göttinnen gelehnter Amor, wie sie denn mit einem oder mehreren
richtend, die Luna mit der Mondsichel über der Stirn im Amoren, die öfter als Jahreszeiten charakterisirt sind, auf
ärmellosen Chiton und bogenförmig über dem Haupt sich den Endymion- und Phaethonsarkophagen, auf dem Mosaik
wölbenden Gewand; ihr linker Arm ist vorgestreckt und von Sentinum (Archäologische Zeitung XXXV 1877 Taf. 3)
hält die Zügel, von denen ein kleines Stück rechts neben u. ö. dargestellt wird. Erhalten sind von diesem Amor
der Schulter des Iupiter sichtbar wird, ihr Unterkörper, der jetzt nur noch unbedeutende Reste der Beine, während
Wagen, auf dem wir sie uns zu denken haben, und die Rosse der Coburgensis nicht nur die beiden ins Profil gesteh-
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