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Die Füllmasse eines römischen Hohlweges bei Mengen, Ldkrs. Freiburg

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in Anbetracht des fehlenden Pflanzenwuchses natürlich keine Fauna siedeln konnte, und
eingeschwemmte oder von den Böschungen herabgefallene Schalen durch den Verkehr der
Fußgänger und Wagen zermalmt wurden. Deutet man die Geländerinne als alten Ver-
teidigungsgraben, so bleiben diese beiden Tatsachen unerklärlich. In diesem Fall hätte
auf der Grabensohle eine reiche Fauna siedeln können, in der nicht nur die kleinen, son-
dern auch die größeren Arten hätten erhalten bleiben müssen, wie es in dem neolithischen
Verteidigungsgraben „auf dem Berg“ bei Munzingen tatsächlich der Fall war3. Über die
damalige Bewachsung der Grabenwände läßt sich infolge des ärmlichen Schneckenbestan-
des nichts aussagen.
3. Unterer dunkelbrauner lehmiger Teil der Grabenfüllung (Schicht 3)
Je eine Probe aus ihrem unteren und oberen Teil.
a) Der nicht abschlämmbare Rückstand der unteren Probe (15,5 g) besteht etwa zur
Hälfte aus ziemlich viel Kalkschrot, aus sandigen Wurzelröhrchen und kleinen Konkre-
tionen. Nach dem Auflösen in Salzsäure blieben 8 g eckiger Urgesteinssand zurück. Die
obere Probe hinterließ 12,6 g unabschlämmbaren Rückstand gleicher Zusammensetzung.
Jedoch war der Anteil des in Salzsäure unlöslichen Rückstandes an Urgesteinssand weit
geringer: er betrug nur 3,8 g.
Das Vorhandensein dieser dem Löß fremden Beimengungen läßt zunächst erkennen, daß
während der Zeit der Auffüllung dieser Hohlform an gewissen Stellen noch Lagen von
Urgestein der Verfrachtung zugänglich waren. Diese sind natürlich in den höher liegen-
den Teilen des alten Hohlweges, also nördlich des Quergrabens zu suchen, wo ständig
eher Abtragung als Auflagerung stattfand. Auch dieser Befund schließt die Annahme eines
Verteidigungsgrabens aus. Wenn ferner der Anteil des Urgesteinssandes nach oben hin
immer geringer wird und von Schicht 2 zu Schicht 3 sprunghaft abnimmt, so wird damit
bewiesen, daß nach der ersten Schotterung des Hohlweges, deren Spuren in Schicht 2 vor-
liegen, keine weitere mehr erfolgt ist. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß der Hohlweg
nicht allzulange benutzt worden ist. Denn seine Füllung hat nur auf der Sohle, sonst aber
an keiner Stelle, an der sie durch Grabungen angeschnitten worden war, Spuren von
Schichtung erkennen lassen; solche entstehen aber auf der Sohle aller Hohlwege im
benachbarten Tuniberg und Kaiserstuhl heute noch dadurch, daß jeder kräftige Regen
in den Räderspuren und anderen kleinen Vertiefungen, sandiges Material, Bruchstücke
von Lößkonkretionen, Kalkschrot, Trümmer anstehender oder künstlich eingebrachter
Gesteine, Schneckenschalen usw. zusammenschwemmt. Derartiges konnte aber bei diesem
Hohlweg nur unmittelbar auf der Sohle beobachtet werden. Die Auffüllung des Hohl-
weges ist demnach vorwiegend von den Seiten her, teilweise durch das Abbrechen und
Einrutschen der steilen Wände und durch allmähliches Abgleiten durchfeuchteter teigiger,
etwas verlehmter Lößmassen erfolgt, wie das auch an anderen Hohlformen in den Löß-
gebieten des Breisgaues festgestellt werden konnte3) und 4).

3) Lais, R.: Nachneolithische Ablagerungen „auf dem Berg“ bei Munzingen am Tuniberg (Breis-
gau). Beitr. z. natk. Forschung in Südwestdeutschland, 2, Karlsruhe 1937.
*) Lais, R.: Eine postglaziale Schichtenfolge von Oberrotweil a. K. Bad. Geol. Abhandl. 6, 1934.
 
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