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A. Dauber

zeigte, 4,8 m unter die Sohle der Baugrube hinunterreichte, war nur in der Form einer
Ausräumung von oben her möglich, was bei der geringen Weite des Brunnenschachtes
von 1,45 m mit zunehmender Tiefe wachsende Schwierigkeiten machte; auch mußte
es in Kauf genommen werden, daß ein Profil der Brunnenfüllung nur durch nachträg-
liche Konstruktion zu gewinnen war. Schichtwechsel innerhalb der Füllung ließen sich
so nicht zentimetergenau festlegen. Von den eingeschlossenen Steinen konnten daher
nur die größeren nach Lage und Tiefe eingemessen werden.
Die Brunnenfüllung (Taf. 7, C) bestand im wesentlichen aus zwei materialver-
schiedenen Teilen, die in 4,2 m Tiefe durch eine absichtlich hergerichtete Platten-
zwischenlage getrennt waren. Der Oberteil der Brunnenfüllung bestand aus Oberflächen-
material, einem Gemenge von Lößlehm und Gehängeschutt von im ganzen heller Farbe,
das stark mit Steinen durchsetzt war. In ihm fand sich in 2,75 m Tiefe ein auf kleinem
Raum zusammengedrängtes Skelett, während in 4,00 m Tiefe, diesmal auf der den
Unterteil der Füllung abschließenden Plattenlage in wirren Haufen zusammengedrängt,
die Reste von acht weiteren Skeletten gefunden wurden. Die übliche Art der Gesamt-
freilegung der Skelette war der Enge des Arbeitsraumes wegen nicht möglich, die Teile
mußten also einzeln herausgenommen werden. Über ihre Zusammengehörigkeit zu
ganzen Skeletten kann aus dem Fundbild selbst keine Entscheidung getroffen werden.
Die Herrichtung einer Plattenzwischenlage, die den unteren Teil der Brunnenfüllung
abschließt, macht es ebenso wie der Materialunterschied über und unter dieser Zwischen-
lage wahrscheinlich, daß die Zufüllung des Brunnens nicht in einem Zuge vonstatten
ging und die Herrichtung der Plattenlage in dem halbzugefüllten Brunnen erst in
späterer Zeit und mit der Absicht vorgenommen wurde, einen Boden für die zu
beseitigenden Leichen zu schaffen. In derselben Zeit wird dann auch der Oberteil
vollends aufgefüllt worden sein. Das Fehlen datierender Beifunde bei den Skeletten
läßt der Deutung des Befundes einen weiten Spielraum, doch dürfte der Gedanke an
eine etwa mittelalterliche Notmaßnahme (vielleicht Beseitigung von Pestleichen) eher
den geschichtlichen Möglichkeiten gerecht werden als die Vorstellung, daß die beim
Alamannensturm hingemordeten Römer oder gar die Opfer eines Massenmordes hier
ihr Grab gefunden hätten.
Die Brunnenfüllung unterhalb der Plattenlage machte einen älteren Eindruck. Sie
war zwar etwas lockerer, doch rührte das von der nach unten zunehmenden Feuchtig-
keit her, vor allem aber war sie dunkler und — von eingeschlossenen Grobsteinen
abgesehen — feiner im Korn als die Füllung im Oberteil. Auch fanden sich jetzt ver-
einzelt beigemengt römische Scherben und Ziegelsplitter. In einer Tiefe von 6,30 m
zeigte sich erstmals Holz. Ein vierkantiger Balken mit Zapfen am Oberende und einer
Nut auf der Längsseite steckte schräg in der Brunnenfüllung. Er wurde geborgen und
hatte eine Länge von 1,6 m; auf zwei Seiten war er stark angebrannt. Von dieser Tiefe
ab wurde die Füllung sehr feucht und weich und in 6,5 m Tiefe erschien, den Mantel
des Brunnens ringsum verkleidend, ein Ring von aufrechtstehenden römischen Leisten-
ziegeln. Seine Bedeutung wurde erst klar, als in 6,8 m Tiefe die gemauerte Brunnen-
schale aufhörte und der Brunnen in einem nochmals 1 m tiefen in den anstehenden
Buntsandstein eingehauenen Becken endigte. Der Brunnen benutzte nicht, wie zunächst
 
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