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Fundschau 1949—1951: Urnenfelderzeit

Funde: 1. Doppelkonische Urne mit gekantetem Rand, Unterteil leicht gerauht,
grauschwarz, erhaltene H. 30,4 cm, (Taf. 20, 7). — 2. Große Deckschüssel mit stufen-
artig geschweiftem Profil, schwarzgrau, erhaltene H. 13,2 cm (Taf. 20, 4). — 3. Flasche
mit breit ausladender Schulter und steilem, randlosem Hals. Auf Schulter vier Hori-
zontalriefen mit reicher Ritz-, Stich- und Kerbschnittzier, auf dem Hals drei mit schräg
stehenden Durchbohrungen versehene Rillenbänder, schwarzgrau, H. 19,2 cm (Taf. 20,
1). — 4. Vier konische Schälchen annähernd gleicher Form. Auf den horizontal abge-
strichenen Rändern, z. T. auch auf der Innenwandung, schmale Kerbschnittbänder,
schwarzgrau, H. zwischen 4,8 und 6 cm (Taf. 20, 2. 3. 5. 6). —
Grab 2 : Urne (Bombentopf) mit Leichenbrand und Bronzeresten. Ein Teil der
Beigefäße ineinander um die Urne gestellt. Muldenförmige Grabgrube flach unter dem
Boden. Einzelne Steine als Grabschutz.
Funde: 1. Großer Bombentopf von typischer guter Form. Innenrand und Außen-
wandung bis zum Umbruch graphitiert, gedellter Boden, außen mit Dreieckeinstichen,
H. 17 cm, Mündungsdm. 24 cm (Taf. 21, A 5). — 2. Kleiner Bombentopf fast gleicher
Form, im Randknick schräge Durchbohrung, schwarzbraun, H. 8,2 cm, Mündungsdm.
11 cm (Taf. 21, A4). — 3. Geschweifter kleiner Topf mit verschliffenem, weich aus-
biegenden Rand, außen im Randteil eingestochene Dreiecke, rotgefärbt, H. 11,5 cm
(Taf. 21, A 3). — 4. Geschweifte Schale mit schwach angedeutetem Rand und kleinem
gedellten Boden, schwarzbraun, H. 7,2 cm (Taf. 21, A 2). — 5. Kleines, geschweiftes
Schälchen mit einbiegendem Rand, rotbraun mit schwarz, H. 3,2 cm (Taf. 21, Al). —
6. Unterteil eines nicht bestimmbaren Gefäßes, gelbbraun. — 7. Kleine Bronzespirale
aus dreikantigem Material, erhaltene L. 2 cm (Taf. 21, A 6) (Do 51/1 — 51/7).
Grab 3 : Skelettgrab, s. unter „Hallstattzeit“.
Der neue Geisinger Friedhof ist für die Urgeschichte der Baar von großer Bedeutung,
zeigt er doch mit Sicherheit, daß er längere Zeit hindurch belegt worden ist. Grab 1 ist
ein guter Vertreter der rheinisch-schweizerischen Urnenfeldergruppe, nach heutigen
Vorstellungen wird es an das Ende der älteren Urnenfelder (Hallstatt A) oder in die
ältere Phase der jüngeren Urnenfelder (Hallstatt B) gehören (Hallstatt B 1 nach Gers-
bach). Da seine Keramik noch völlig die Tradition der älteren Urnenfelder fortsetzt,
sie sich andererseits scharf von der Gündlinger Phase absetzt, so wäre die Bezeichnung
Hallstatt A 2 vielleicht zweckmäßiger gewesen. An der sicher schon vorgeschrittenen
Zeitstellung ändert dies nichts. Die Flasche selbst (Taf. 20, 1) ist ein seltener Vertreter;
die Fadenlöcher an ihrem Hals sind typisch für westliche Ziertechnik. Mehr zur Alb
weist dagegen der reich vertretene echte Kerbschnitt, der sowohl auf der Flasche wie
auch auf den schlichten Schalen auftritt. Elemente der Ostgruppe sind gering, zu nennen
wären etwa die Kanneluren der Flaschenschulter, vielleicht auch die Form der Deck-
schüssel (Taf. 20, 4), die entfernt an Schüsseln mit geknickter Wand erinnert. Solche
Ostgruppeneinflüsse sind östlich des südlichen Schwarzwaldes nicht verwunderlich, da
hier die untermainisch-schwäbische Gruppe durch den Hegau bis in den Kanton Schaff-
hausen hinein vorstößt. In mehrfacher Hinsicht dem Geisinger Grab verwandt ist der
Grabfund von Reichenau (W. Kimmig, Urnenfelderkultur [1940] Taf. 34). —
 
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