Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Fundschau 1949—1951: Latenezeit

171

der Nadelrast mehrere Kerbreihen. Auf dem Bügel kompliziertes Geschlinge im jünge-
ren Latenestil, vermutlich stark barbarisierte Palmetten. Die Bügelzier wird durch
einen Kerbsteg in zwei Hälften geteilt. L. 6,9 cm (Taf. 34, A).
Die schon durch ihre Verzierung ungewöhnliche Fibel läßt wohl mit großer Wahr-
scheinlichkeit auf einen Skelettgräberfriedhof der frühen Latenezeit im Stil derer des
Schweizer Mittellandes schließen. Nach Aussage des Grubenbesitzers sind schon früher
im Abraum Knochen- und Metallteile beobachtet worden, was Unsere Vermutung
bestätigen könnte. Der Fund ist umso bedeutungsvoller, als Flachgräber dieser Zeit im
südlichen Oberrheintal bisher äußerst selten aufgetreten sind. Der Fund von Hausen
schließt hier nun eine wichtige Lücke.
Mtbl. 115/8011 Hartheim. — Verbleib: MfU. Freiburg. (Unser, Kimmig)

Pfullendorf (Überlingen) „Ziegeläcker“.
Bei Ausschachtungsarbeiten entlang der Nordseite der Kanalstr. wurden durch Kreis-
pfleger Werth-Pfullendorf Scherbenfunde gemeldet, was eine kurze Untersuchung
durch das Landesamt zur Folge hatte. Hart an der Nordseite einer etwa 19 X 8,7 m
großen Baugrube konnte der deutlich erkennbare Grundriß einer Sechspfostenhütte
freigelegt werden (Taf. 34, B 4), die leicht verschobene rechteckige Form aufwies und
die mit ihrer Längsachse Westnordwest-fOstsüdost orientiert war. Ihre Maße betrugen
3,5 X 2,9 m. Je drei auf Achse stehende Pfostenlöcher von durchschnittlich 40 cm Dm.
und bis 90 cm Tiefe befanden sich jeweils an den Querwänden des Gebäudes, die Längs-
seiten blieben frei, eine Unterteilung des offenbar einräumigen Bauwerkes war nicht
zu erkennen. Weder für die Frage des Zugangs noch für den Oberbau konnten Belege
beigebracht werden.
Im Bereich der Baugruben, z. T. auch in der Auffüllung der Hütte selbst wurden einige
Scherben aufgelesen (Taf. 34, B 1—3), die sich allgemein als latenezeitlich bestimmen
lassen. Dabei scheint uns frühes Latene am wahrscheinlichsten. Eine 5 m südlich der
Hütte gefundene muldenartige Feuerstelle mit rotgebrannter Erde und durch die Hitze
geplatzten Rollsteinen blieb fundleer.
Latenezeitliche Bauwerke sind in unserem Bereich selten, weswegen der kleine Grundriß
Beachtung verdient. Ein ganz ähnliches Gebäude gleicher Zeitstellung ist aus Kottenheim
(Rheinprovinz) bekannt geworden, jedoch scheint unser Grundriß vor allem in früh-
mittelalterlicher Zeit in Übung gekommen zu sein, wo er häufig nachzuweisen ist (z. B.
Merdingen, Bad. Fundber. 18, 1948—1950, 152; W. U. Guyan in Jahrb. Schweiz. Ges.
f. Urgesch. 42, 1952, 174 ff.) (Üb 50/10).
Mtbl. 125/8021 Pfullendorf. — Verbleib: Heimatmuseum Überlingen.
(Gerbig, Kimmig)
Rot (Heidelberg) „Am Rösselsberg“.
2 km nordwestlich vom Ort fand der Berichterstatter 1950 am Westende des „Hühner-
wegei“ auf der Ackerfläche bei der kleinen Sandgrube einige Scherben von Latene-
Charakter. Vermutlich handelt es sich um die Fundstelle, wo Pfaff 1903 aus 12 Latene-
 
Annotationen