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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 19.1951

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https://doi.org/10.11588/diglit.43771#0264
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Die mustergültige Vorlage von Kelheim hat uns bei aller Kürze wesentliche neue Erkenntnisse
gebracht. Allerdings muß hervorgehoben werden, daß Statistiken und Karten, wie sie hier mit
fast naturwissenschaftlichen Methoden geboten werden, nur bei weiträumig ausgegrabenen Grä-
berfeldern möglich sein werden. Nicht recht geglückt scheinen uns die Tafeln mit ihrer etwas
verwirrenden Fülle. Sparsinn in Ehren, doch sollte das Tafelbild nicht darunter leiden. Völlig
überzeugend ist jedoch der gegenüber dem Zinkätzverfahren wesentlich verbilligte Offsetdruck,
der gleichwohl alle Einzelheiten bringt. Auf alle Fälle wird man dem Verf. für seine saubere
Arbeit, dem Herausgeber und der Schriftleitung für ihren Mut zu neuen Wegen und dem Verlag
Michael Lassleben in Kallmünz für die gediegene Ausstattung des Heftes besonderen Dank
wissen. W. Kimmig
Hans Schönberger: Die Spätlatenezeit in der Wetterau. Saalburg-Jahrbuch 11, 1952,
S. 21 — 130, Taf. 1—35.
In den Arbeiten zur chronologischen Untergliederung der Latenezeit, aber auch bei der Erörterung
stammesgeschichtlicher Fragen in den beiden Jahrhunderten um Christi Geburt in Südwest- und
Westdeutschland hat das spätlatenezeitliche Gräberfeld von Bad Nauheim schon früh eine
bedeutende Rolle gespielt. Daß die Veröffentlichung dieses Gräberfeldes durch F. Quilling vom
Jahre 1903 unseren heutigen Ansprüchen nur noch bedingt genügen kann, ist zu bekannt, um näher
erörtert werden zu müssen. Um so verdienstvoller ist die vorliegende, aus einer zu Beginn des
letzten Krieges erarbeiteten Marburger Dissertation hervorgegangenen Arbeit, in der der Verf.
nicht nur die Funde des Nauheimer Gräberfeldes, sondern auch die seiner weiteren Umgebung —
räumlich und zeitlich gesehen — vorlegt und behandelt. Besonders wertvoll ist sie schon dadurch,
daß in ihr Funde aufgenommen und verarbeitet sind, die im Verlauf der Kriegs- und Nachkriegs-
wirren in Verlust geraten sind. Beabsichtigt ist zwar in erster Linie eine Materialvorlage des
spätlatenezeitlichen Fundstoffs der Wetterau, und dies in der Überzeugung, „daß man einer
Klärung der Besiedlungsverhältnisse in Südwestdeutschland zur Spätlatenezeit bis zum Ein-
dringen der Römer erst dann näher kommen wird, wenn einmal der entsprechende archäologische
Fundstoff landschafts- oder gruppenweise so vollständig wie möglich vorgelegt ist“; doch wird
dieses Programm in zweifacher Hinsicht ausgeweitet: einmal sind im Katalog sowohl die Sied-
lungsfunde der älteren Latenezeit als auch der Fundstoff der ersten Hälfte des 1. nachchristlichen
Jahrhunderts aus der Wetterau mit aufgenommen, und dann wird im Zuge einer eingehenden
Behandlung des Fundstoffs und im Anschluß daran der Versuch unternommen, auf Grund der
gewonnenen Ergebnisse wenigstens einige Hinweise auf die stammesgeschichtlichen Probleme
zu geben.
Die Arbeit gliedert sich in acht Kapitel: Grenzen des Arbeitsgebiets, Die Gräber, Die Siedlungen
im Flachland, Die Ringwälle, Die Funde, Chronologie, Ergebnis und Auswertung, Katalog. Sehr
nützlich erweist sich ein am Schluß angefügtes Verzeichnis der Fundorte im Katalog, da diese
nicht alphabetisch, sondern nach Kreisen geordnet sind, ferner der jeweilige Hinweis auf den
Katalog in den Tafellegenden, ein Verfahren, das leider viel zu selten zu finden ist. Neben zwölf
im Text und Katalog an entsprechender Stelle eingeschobenen Abbildungen, die wichtigere Funde
enthalten, sind Scherben und Metallgegenstände meist in Strichzeichnung auf 35 Tafeln abge-
bildet. Drei Karten verdeutlichen das im Text gegebene Bild. Hier bleibt allenfalls der Wunsch
nach einheitlich gezeichneten Grundkarten offen.
Die Ergebnisse der Arbeit Schönbergers bestehen vor allem in einer chronologischen Gliederung
des Fundstoffs und in einer neuen Beurteilung der Bevölkerungsgeschichte der Wetterau in den
beiden Jahrhunderten um Christi Geburt, vor allem in Auseinandersetzung mit H. Behaghel
(Die Eisenzeit im Raume des rechtsrheinischen Schiefergebirges, 1949). Ausgangspunkt ist die
Feststellung, daß eine Latene-Kultur in der Wetterau erst vom Beginn der Stufe Latene B an
existiert. Eine Stufe Latene C kann hier so wenig wie im benachbarten linksrheinischen Gebiet
ausgeschieden werden, eine Erscheinung, auf die dort schon K. Schumacher aufmerksam machte
und die W. Dehn und W. Kersten neuerdings bestätigt haben. Die gut ausgeprägte und einheit-
liche Gruppe der Latene B-Skelettgräber in der Wetterau scheint demgemäß eine erhebliche Dauer
gehabt zu haben, und Verf. datiert ihre jüngsten Niederschläge wohl mit Recht in den Ausgang
des 2. vorchristlichen Jahrhunderts (S. 65). Die hieran anschließende, auch noch die ersten drei bis
 
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