Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0034
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
28

Rudolf Albert Maier

leicht eingesattelte Henkel (Taf. 18, 3) aus Grube 30 ähnelt dagegen wieder eher den
Spitzhenkeln der Noßwitzer und Britzer Trichterbechergruppe.* 134) Einen vereinzelten
Vergleich bietet das Camp de Chassey (Dep. Saöne-et-Loire).135) Doch gibt es auch in
der niederhessischen Wartberg-Gruppe entfernt verwandte Henkelbildungen.13“) Die
namengebende Höhensiedlung des Wartbergs hat neben diesen Henkeln z. B. früh-
bronzezeitliche Schalenränder mit T-förmig verdicktem Rand137) sowie in „Horgener“
Art verzierte und nach hügelgräberzeitlicher Manier waagrecht abgestrichene Gefäß-
ränder138) geliefert. Ähnliche „Horgener“ Ware ist in der eben herangezogenen märki-
schen Siedlung von Britz vertreten139), nur daß dort noch „Bischoffinger“ Randpro-
file140) und umgelegte Ränder wie Munzingen (Taf. 19, 5) hinzukommen.141) — Also auch
da bronzezeitliche Gruppen in spätneolithischer Tracht, wobei die ähnliche Element-
kombination über so weite Erstreckungen hinweg auffällt.
Zwei genau gleiche Knickwandstücke aus den Munzinger Gruben 16 (Taf. 13, 2) und
1/1939 brauchen nichts mit Aunjetitz zu tun zu haben. Deren Vorbilder mögen ebenso
gut in Cortaillod-Schalen, „Bischoffinger“ Kielvasen der Straßburger Gegend142), in
„Altheimer“ Knickwandgefäßen aus dem Nördlinger Ries143) o. a. zu suchen sein.
Die gewöhnliche Munzinger „Flasche“ wie (Taf. 13, 9; 22, 1. 5) ist eigentlich eine
Sonderform unserer Station. Vereinzelte Entsprechungen gibt es bezeichnenderweise
wieder im Straßburger Raum, aus den Gruben 5 (?) und 17 von Mundolsheim-Haus-
bergen.144) Ferner vom Michelsberg selbst.145 *) Weitgehende Ähnlichkeit zeigen auch
zwei in der Halskehlung mit paarigen Ösen besetzte Flaschen von Heilbronn-Neckar-
gartach148) und Jordansmühl in Schlesien.147) Angesichts des letzteren Vergleichs fragt
man sich, ob nicht piroforme Gefäße wie Jordansmühl148) und Lengyel eher etwas mit
den beiden Munzinger „Dosen“ zu tun haben könnten als die späteren Aunjetitzer
Dosen. — Zu den weitmündigen „Flaschen“ aus Grube 49 (Taf. 20, 1. 2; 21, 3) und
Komplex Wangart 1933 (Taf. 14, 5) gibt es eine offenbar recht große, mehr gebauchte
Parallele aus einer der beiden Steckborner Ufersiedlungen (Kt. Thurgau)149), aber auch

134) H. Seger, Schles. Vorz. NF. 7, 1916, 27 ff. u. Abb. 132; 137; 158 u. a.; C. Umbreit, Neue
Forsch, z. ostd. Steinzeit u. frühen Bronzezeit. Mannus-Büch. 56 (1937) 37 f. u. Taf. 6—10 u.a.
135) piggOtt, L’Anthropologie 57, 1953, 419 Abb. 3, 9.
136) Wohl auf die „Nordickä keramika“ zurückgehend: H. Müller-Karpe, Niederhess. Urgesch.
Sehr. z. Urgesch. 4 (1951) 33 u. Taf. 25, 2. 3; 26, 44.
137) a. a. O. Taf. 26, 32. 33.
138) a. a. O. 33 u. Taf. 26, 1—18.
13°) Umbreit, Neue Forschungen 43 ff. u. Taf. 15 a (vgl. auch 80 ff. u. Taf. 25; 27; 33; 34 u. a.).
140) a. a. O. Taf. 11 h. i; 18 k—n.
141) a. a. O. Taf. 17 a. c—e.
142) Henning, Denkmäler Taf. 1, 15. 17.
143) Dehn u. Sangmeister, Ries Taf. 10, 10. 22.
144) Henning, Denkmäler Taf. 1, 21 (Grube 17); ferner ein flauer profiliertes Stück, wahrschein-
lich aus Grube 5 (MA. Straßburg 17851, 5 b).
145) A. Bonnet, Veröff. Karlsruhe 2 (1899) Taf. 5, 20.
14B) Buttler, Donauländisch-westischer Kreis 96 f. u. Taf. 18, 6.
147) Seger, Schles. Vorz. NF. 7, 1916, 50 Abb. 202.
148) Ders., in: Ebert 6 Taf. 52 f.
149) Keller-Tarnuzzer u. Reinerth, Thurgau 57 Abb. 10, 21.
 
Annotationen