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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0092
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Edward Sangmeister, Josef Schneider

Inneren ein, wobei Südostspanien mehr als Portugal betroffen wird. Bei dieser Über-
tragung, die mit einer Übertragung von einer nachträglich eingesetzten funktionslosen
Platte aus anderem Material (Schiefer) auf eine konstruktionsgebundene Trägerplatte
beim Megalithgrab gekoppelt ist, vollzieht sich auch der Übergang vom rechteckig-
ovalen zum runden Türloch. Erst mit diesen runden Türlöchern in tragenden Bauteilen
rechteckig-oberirdischer Riesensteingräber Südostspaniens sind die Gräber des Hoch-
rheins wirklich vergleichbar.28)
Mögliche Stationen auf dem Wege sind die Pyrenäenkultur und die Gräber des Langue-
doc. So gesehen, brauchten wir die „ausgemeißelten Türen“ der „Grotten“ von Arles
oder der Marne-Grotten gar nicht. Aber beim Fehlen echter vergleichbarer Zwischen-
glieder auf dem weiten Wege möchten wir sie doch als Stütze heranziehen.
Einen guten Hinweis aber, daß wir mit der weit in den Südwesten gerichteten Ver-
gleichssuche nicht unnötig weit gegangen sind, gibt uns die Tatsache, daß dort der
nächste vergleichbare runde Verschlußstein eines „Seelenloches“ gefunden wurde.29)
Diese Quelle des runden „Seelenloches“ wird nun wohl auch für die Marnegräber gültig
sein, und wir werden in ihnen ein Zusammentreffen zweier Traditionslinien „aus-
gemeißelter Türen“ vermuten dürfen.
Freilich kann ein Einfluß der S. O. M.-Kultur und ihre Verknüpfung mit Horgen am
Hochrhein nicht geleugnet werden. Das muß aber nun nicht so verstanden werden, daß
der ganze Bestand an Kulturelementen im Kontaktgebiet auftritt, daß wir also Stein-
kisten wie im Marnegebiet nun auch am Hochrhein erwarten müßten.30) Wenn S.O.M.-
Kultur und Horgen in vielen Zügen übereinstimmen, so ist doch gerade die Grabform
der Steinkiste oder der „künstlichen Grotte“ ein nur für die S. O. M.-Kultur typisches
zusätzliches Merkmal, so wie die „Ufersiedlung“ für das schweizerische Horgen. Zudem
sind einzelne charakteristische Elemente des Komplexes „Horgen-S. O. M.“ viel weiter
verbreitet, als das Ausbreitungsgebiet beider Kulturgruppen reicht. Flachbodige „pots-
de-fleur“ gibt es im Südwesten Frankreichs31), ja auch in Gräbern und Grotten des
Languedoc, wo sie — zusammen mit Glockenbechern — das Chasseen ablösen. Selbst
bis Portugal sind sie zu verfolgen32), überall nicht nur durch ihre Form, sondern auch
durch ihre schlechte Machart und grobe Magerung zu erkennen.
Was wird nun durch die weitgespannten Verbindungen gewonnen? Bisher war die
chronologische Fixierung der Gräbergruppe nur bezogen auf westliche Gruppen, da der
aus den Gräbern erhaltene Fundstoff zu gering ist, als daß man mit ihm allein die
Datierung hätte vornehmen können. Dieser Bezug auf westliche Kulturgruppen macht
aber eine Überprüfung von deren inneren Zusammenhängen notwendig.
28) G. Leisner, Marburger Studien a. a. O. Taf. 58 links.
29) G. Leisner, Marburger Studien, 150 mit Anmerkung 4.
30) Eg. Gersbach a. a. O. 45.
31) J. Arnal, Revue Archeologique a. a. O. 129 ff., Abb. 7, 10, 12.
32) G. Leisner zeigte mir Zeichnungen eines Fundes von Flachbodengefäßen, die nur mit Horge-
ner oder S. O. M.-Formen vergleichbar sind.
Man vgl. auch F. Rüssel Cortez, Contributo para o estudo do neolitico de Portugal, 1952,
43 Abb. 11.
 
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