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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0107
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Die urnenfelderzeitl. Besiedlung der ehern. Rheininsel vonSäckingen und ihrer Umgebung

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so stellt er im Gegensatz zu den „modernen“ Perlen eine Schmuckart dar, die eine lange Tradi-
tion aufweist und seit dem Paläolithikum in Gebrauch war.
Den Siedlungscharakter der Säckinger Funde unterstreichen bes. die im folgenden angeführten
Gegenstände. Da sind zunächst die Spinnwirtel, obwohl sie gelegentlich auch als Grabbeigaben
vorkommen können. Es liegen insgesamt vier Stück bzw. Reste davon vor. Nur einer ist fast
vollständig erhalten (Taf. 32, 17; Taf. 42, 11; Taf. 43, 2; Taf. 44, 5). In Form und Verzierung
entsprechen sie den geläufigen, von der Urnenfelderkultur bekannten Spinnwirteln: zweimal ist
eine Tupfenkante angebracht, einmal sind auf der Oberseite eines gestuften Spinnwirtelrestes
zwei Reihen fransenartiger Einstiche sichtbar; nur der vierte hat Hitzerisse.
Ferner sind zwei Webgewichte — und Reste von zwei weiteren (vgl. Katalog Nr. I, 8. 9) — vor-
handen. Ihre Form ist rund; im Längsschnitt allerdings ist das eine verhältnismäßig flach, das
andere konisch gebildet. Sie haben relativ kleine Befestigungslöcher, an denen noch die Schnur-
rillen vom Aufhängen zu sehen sind (Taf. 45, 5. 6).
Wahrscheinlich von einer Tonspule stammt der stark beschädigte Rest einer seitlichen Abschluß-
scheibe (Taf. 43, 3). Sie wäre nicht das einzige Bruchstück, das auf einen solchen Gegenstand
deuten würde. Unter den Säckinger Funden kam schon 1951 eine Tonspule zum Vorschein.25)
Wie es den Anschein hat, befinden sich die urnenfelderzeitlichen Tonspulen häufig unter Sied-
lungsinventar, kommen aber auch in Gräbern vor. So gibt es z. B. im Material der Pfahlbauten
verschiedentlich diese Gegenstände26), deren eigentliche Bedeutung bisher noch nicht bekannt ist.
Wahrscheinlich sind sie unter den Begriff „Symbolgut“ einzureihen.
Unklar ist die Funktion eines sehr sorgfältig gearbeiteten Ton-„Ringes“, der jedoch nicht gleich-
mäßig rund geformt ist. Er läßt innen an der einen Bruchstelle noch eine gerade verlaufende
Ausziehung erkennen (Taf. 37, 2) und ist mit sieben ungleichmäßig gearbeiteten Facetten ver-
sehen. Davon ist die eine leicht gewölbt, die andere schwach konkav gebildet.
In fast jeder Urnenfeldersiedlung finden sich Reste von Feuerböcken. Aus Säckingen stammen
Bruchstücke von mehreren Exemplaren, die wie üblich nur auf der Vorderseite verziert sind. Der
Erhaltungszustand ist wegen des durch Hitzeeinwirkung sehr mürben Tons meist schlecht. Die
Verzierung besteht aus glatten oder mit runden Stempeleindrücken versehenen Leisten (Taf. 36,
9. 10), ferner aus Reihen von eingedrückten, runden Vertiefungen und einzelnen tiefen Löchern
sowie breiter Riefung (Taf. 36, 12; Taf. 43, 6). Unter diesen Fragmenten befindet sich der Rest
eines Miniaturfeuerbocks, dessen Vorderseite mit zwei schwach eingeritzten Zickzacklinien ver-
sehen ist (Taf. 43, 8). Es läßt sich allerdings nicht entscheiden, ob es sich hierbei um eine Spielerei
oder um eine bestimmte Absicht handelt. Auffällig ist nur, daß zwischen den Funden vom Witt-
nauer Horn gleichfalls Bruchstücke von Miniaturfeuerböcken zutage kamen.27)
Unter den Knochenwerkzeugen sind außer einem Pfriem der geläufigen Art und zwei aus dem
Metapodium von Schaf oder Ziege gearbeiteten Geräten (Taf. 36, 1; Taf. 39, 4. 5) noch zwei Stoß-
harpunenspitzen vorhanden. Die eine ist geglättet und mit einer Rille unterhalb der Durch-
bohrung ausgestattet (Taf. 43, 4). Die andere zeigt dagegen die unebene Oberfläche der ehe-

25) Säckingen-Au (1951); vgl. Fundakten Staatl. Amt f. Ur- u. Frühgesch., Freiburg i. Br.
26) z. B. Überlinger See; Pfahlbauberichte 6 (1866) Taf. 8, 5. — Wollishofen (Zürich); Pfahlbau-
berichte 9 (1888) Taf. 9, 19; verziert an beiden Abschlußkanten mit schrägen Kerben. —
Zürich-Alpenquai; Pfahlbauberichte 10 (1924) Taf. 4, 40—42; Nr. 42 hat in der Mitte eine
Querdurchbohrung. — Ferner auch in Höhensiedlungen: z. B. Wittnauer Horn (Aargau);
G.Bersu, Wittnauer Horn (1945) Taf. 33 Abb. 122, 20. — Kestenberg II, Urschweiz 16, 1952, 93
Abb. 64, 4. — Kestenberg III 1953, Urschweiz 19, 1955, 18 Abb. 17, 3—5. 8—10.
27) G.Bersu, Wittnauer Horn (1945) Taf. 32 Abb. 120, 12; Taf. 38 Abb. 128a, 1. — Über Feuer-
böcke vgl. sonst: H. Seger, Kultsymbole aus schlesischen Gräbern der frühen Eisenzeit, Opus-
cula Archaeologica Oscari Montelio (1913) 215. — W. Kimmig, „Firstziegel“ und Feuerböcke
aus Baden, Praehist. Zeitschr. 25, 1934, 52. — D. Drost, Zur Gliederung und Herkunft der
metallenen Feuerböcke Mitteleuropas, Ethnograph.-Archäol. Forsch. 2, 1954, 100.
 
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