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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0109
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Die urnenfelderzeitl. Besiedlung der ehern. Rheininsel vonSäckingen und ihrer Umgebung

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wohl immer denselben Zweck zu erfüllen gehabt hat.31) Die andere Gerätform ist auf zwei
Seiten durch Abschläge künstlich eingebuchtet, meist klein und gilt als Netzsenker (Taf. 36, 4;
Taf. 45,1. 2). Gegen diese Theorie spricht vorläufig nichts.
Zum Schluß soll noch auf zwei Silexklingenreste hingewiesen werden, die sich durch ihre Re-
tuschierung als vom Menschen benutztes Werkzeug ausweisen, aber wohl eher auf neolithische
als auf urnenfelderzeitliche Herkunft schließen lassen (Taf. 41, 4; Taf. 44, 4).
Einordnung und Datierung
Da die vorliegenden, spärlichen Bronzen — vor allem die seit der frühen Bronzezeit in
unveränderter Form weiterlaufenden Rollenkopfnadeln — für eine Datierung nicht
geeignet sind, müssen wir unter den Keramikresten nach feinchronologischen Anhalts-
punkten suchen. Die seit dem Jahr 1940 und vereinzelt schon früher gemachten Funde
und Beobachtungen haben die Zugehörigkeit der Siedlung in die ältere und (den Anfang
der) jüngere(n) Urnenfelderzeit erwiesen.32) Deshalb dürfen wir voraussetzen, daß clie
vorliegenden Funde gleichfalls beiden Zeitabschnitten einzuordnen sind.
Die wichtigste, hier vorhandene Leitform für die ältere Urnenfelderstufe sind die Schul-
terbecherreste. Obwohl sich der Schulterbechertypus wie auch die Kammstrichtechnik
bis an den Beginn der jüngeren Urnenfelderzeit halten33), glauben wir doch, das Schul-
terfragment mit dem einen erhaltenen Riefenhalbbuckel (Taf. 34, 7) und die drei ande-
ren Stücke mit Kammstrichverzierung (Taf. 34, 2. 9; Taf. 40, 7) nach Hallstatt A ein-
ordnen zu können. Besonders die Exemplare (Taf. 34, 2; Taf. 40, 7), deren Profile bis
einschließlich Schulter gesichert sind, zeigen den Stil des klassischen älterurnenfelderzeit-
lichen Schulterbechers.
Sonst ist noch das Randstück einer Schale mit geknickter Wandung vorhanden (Taf. 33,
4), das in die ältere Urnenfelderstufe verweist. Es darf jedoch nicht übersehen werden,
daß solche Schalen in unveränderter Form gleichfalls noch über Hallstatt A hinabreichen
können.34) Die geborgenen Scherben und Bruchstücke der innenverzierten35), konischen
31) z. B. G. Bersu, Wittnauer Horn (1945) Taf. 35 Abb. 125, 3. — Zürich-Alpenquai; Pfahlbau-
berichte 10 (1924) Taf. 7, 6. — Eine zusammenfassende Arbeit über die „Rillensteine“ aus dem
sächsischen Gebiet brachte H. Kaufmann heraus; vgl. H. Kaufmann, Steingeräte mit Schäf-
tungsrille aus Sachsen, Arbeits- u. Forschungsber. z. sächsisch. Bodendenkmalpflege 6, 1957, 211;
213 Abb. 2; 218 Abb. 8; 219 Abb. 10. 11; 225 Abb. 15; 226 Abb. 17; 240 Abb. 31; 244 Abb. 36;
245 Abb. 37; 246 Abb. 38; 250 Abb. 43; 251 Abb. 44; 252 Abb. 45; 253 Abb. 46; für die Aus-
deutung besonders ab S. 277. H. Kaufmann wendet sich hier gegen die u. a. häufig verwendete
Bezeichnung „Schleudersteine“ und versucht, andere Deutungsmöglichkeiten kritisch zu be-
leuchten. So z. B. — mit Einschränkungen — die Verwendung als Bolas, oder die Benutzung
als Arbeitsgerät beim Schmelzvorgang. Allerdings muß darauf aufmerksam gemacht werden,
daß solche Rillensteine von H. Kaufmann außer als Einzel- und Siedlungsfunde auch in Grä-
bern nachgewiesen wurden.
32) E. Wagner, Fundstätten und Funde 1 (1908) 126 Abb. 80, a—d. — Bad. Fundber. 16, 1940, 16;
ebda. 17, 1941—1947, 286; ebda. 18, 1948—1950, 240; ebda. 19, 1951, 153; ebda. 20, 1956, 209.
33) V. Gessner, Ornamentik (o.J.) 9.
34) Vgl. z. B. die jüngerurnenfelderzeitliche Schale mit geknickter Wandung von Wörth (Ger-
mersheim), Walddistrikt „Oberholler“, Katasterblatt Hügel 12; Histor. Museum d. Pfalz,
Speyer.
33) W. Kimmig, Die Urnenfelderkultur in Baden, Röm.-Germ. Forschungen 14 (1940) 34. —
E. Vogt, Die spätbronzezeitliche Keramik der Schweiz und ihre Chronologie, Denkschriften
d. Schweizer. Naturforsch. Gesellsch. 66 (1930) 67.
 
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