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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0150
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Albrecht Dauber

geformte, b) Glas: 9 konisch-doppelkonische, seegriin; 3 scheibenförmige, rauchfarben;
3 tonnenförmige (darunter ein Paar), rauchfarben; 1 stäbchenförmig, flaschengrün;
20 bommelförmige und 18 zylindrische, kobaltblau; 1 Melonenperle, blaßgelb; 1 zylin-
drisch mit gewelltem Umriß, blaßgrün mit gelber Fadeneinlage (zickzack); 1 scheiben-
förmig, blaßblau mit weißer Fadeneinlage in doppelter Wellenlinie, c) Opake Glaspaste
(Fritte): alle schwarzbraun bis braunviolett: 6 polyedrisch, 6 tonnenförmig (dabei zwei
Paare), 4 scheibenförmig bis doppelkonisch, 4 walzenförmige mit Augen in Rot oder
Gelb, 40 ganz kleine runde, einzeln oder zu zweien, dreien oder vieren zusammen-
geschmolzen; 1 kleine kugelige Bronzeperle. — 20. Unter der Nigraschale (Nr. 13) als
Speisebeigabe Schulterblatt und Rippen eines kleinen Säugers (vgl. Anhang II).
Obwohl die vier Gräber zu verschiedener Zeit und in verhältnismäßig großem, gegen-
seitigem Abstand aufgefunden wurden und das Fundgebiet selbst Zeugnisse verschiede-
ner Siedlungsperioden geliefert hat (vgl. Anm. 3), ist an ihrer Zusammengehörigkeit
nicht zu zweifeln. Ebenso eindeutig verweist sie ihr Inventar in den Kreis der vor-
reihengräberzeitlichen Germanenfunde Südwestdeutschlands. Unter ihnen sind die Ger-
lachsheimer Gräber bis heute die reichsten.7)
Für ihre schärfere Datierung bietet die typenreiche Beigabenliste ausreichende Anhalts-
punkte. Die Einzeluntersuchung geht dabei vorteilhafterweise jeweils von den beiden
planmäßig gehobenen, daher im Inventar vollständigen und im Erhaltungszustand
besseren Gräbern 3 und 4 aus.
Die Fibeln: Aus den Gräbern 3 und 4 liegen zunächst drei Armbrustfibeln mit tremo-
lierstichverziertem Kamm vor (Taf. 50, 3 u. 51, 1. 2). Das Paar aus Grab 4 ist absolut
gleich. Von diesem Paar weicht die Fibel aus Grab 3 nur in einer winzigen Einzelheit,
der Facettierung am Fuß, ab. Sie stimmt im übrigen in allen Maßen mit dem Paar aus
Grab 4 so völlig überein, daß mit Sicherheit gesagt werden darf, daß alle drei Fibeln
aus derselben Werkstatt, wahrscheinlich aus derselben Form stammen. Der offenbar
nicht sehr häufige Typus begegnet wieder in Stockstadt am Main, Grab 2.8) In der
Datierung der Stockstadter Gräber ist man nach einigem Schwanken neuerdings von
verschiedener Seite her wieder zu der ursprünglich von Drexel vorgeschlagenen Datie-
rung in die Zeit um 300 zurückgekehrt.9) Auf eine Kammfibel aus Köln macht Kleemann
aufmerksam.10) Er belegt die Imitation und das Weiterwirken dieses provinzial-
römischen Fibeltyps an der unteren Oder im 4. Jhdt.
7) An Reichtum der Beigaben ist allenfalls vergleichbar das Grab Frankfurt-Praunheim (Ebel).
Das Mus. f. heim. Vor- und Frühgeschichte 1, 1937, 11 ff. — vgl. auch Schleiermacher, Ber.
RGK. 33, 1951, Taf. 6.
8) H. Schönberger, Die Körpergräber des 4. Jahrhunderts aus Stockstadt am Main. Bayr. Vor-
geschichtsbl. 20, 1954, 108 ff. mit der älteren Literatur.
9) F. Drexel, ORL. B III 33 (1910) 129: 4.Jhdt. — K. Stade, ORL. Strecke 6, 1933, 70: 2. Hälfte
4. Jhdt. — J. Werner, Ein frühalamannischer Grabfund von Böckingen, Württemberg, Ger-
mania 22, 1938, 114 ff.: um 300. — H. Schoppa, Ein völkerwanderungszeitliches Skelettgrab
aus Lorch (Rheingau), Nassauische Heimatblätter 41, 1951, 23 ff., bes. Anm. 7 u. Abb. 2:
letztes Drittel 4. Jhdt. — Schleiermacher, Ber. RGK. 33, 1951, 164: um 300. — H. Roth,
Skelettgräber des 4. Jahrhunderts n. Chr. aus Ilbenstadt (Wetterau), Saalburg-Jahrb. 11,
1952, 5 ff.: Anf. 4. Jhdt., aber vor 330.
10) Germania 31, 1953, 27 ff.
 
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