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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0151
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Neue Funde der Völkerwanderungszeit aus Baden (Gerlachsheim, Ilvesheim, Zeutern)

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Aus Grab 2 stammt eine Bronzearmbrustfibel mit spitz ausgezogenem Fuß (Taf. 49, 8).
Sie gehört zu den Ableitungen der Fibeln m. u. F. (Almgren, Gruppe VI, Serie 2).11)
Matthes führt sie unter den Formen mit dreieckigem Fußabschluß.12) Den häufigeren
Formen mit bandförmigem Bügel13) stehen seltenere mit stabförmigem Bügel von halb-
rundem oder kantigem Querschnitt gegenüber, die sich offenbar vorzugsweise im süd-
westlichen Ausstrahlungsgebiet der Form finden.14) Matthes bildet eine der Gerlachs-
heimer Fibel besonders nahestehende aus Ulm ab.15) Winkelig geknickter Sehnenverlauf
mit achsenparallelem Mittelteil ist nach Matthes ein Kennzeichen des Typus, das auch
bei der Gerlachsheimer Fibel begegnet.16) Matthes verlegt die Serie etwa an die Wende
3. /4. Jhdt.17) In Pritzier liegt die Mehrzahl der hierher gehörenden Formen im Hori-
zont B des Gräberfeldes, der um die Wende des 3./4. Jhdts. und in der ersten Hälfte des
4. Jhdts. belegt ist.18 *)
Die Fibel Taf. 51, 3 aus Grab 4 gehört mit dem hohen Nadelhalter und dem dicken,
scharf abgeschnittenen Fuß zur Gruppe Almgren VII, Serie 2.18) Die nach Almgren elb-
germanische Form, die von Böhmen bis Holstein vertreten ist und auf den dänischen
Inseln und in Norwegen häufig vorkommt, ist bis jetzt in Südwestdeutschland kaum
aufgetreten, jedenfalls nicht in der Kombination mit halbrunder Kopfplatte. Nach
Almgren gehört sie dem 3. Jhdt. an, dessen Grenzen gegen das 4. Jhdt. sie nicht über-
schreitet.20) In Pritzier liegen fast alle hierher gehörenden Stücke in dem das 3. Jhdt.
umfassenden Horizont A.21) Auch mit der halbrunden Kopfplatte fügt sich die Fibel
unangefochten der anderweitig gesicherten Datierung der Gerlachsheimer Funde ein,
wenn diese als Beeinflussung der elbgermanischen Form von Seiten provinzialrömischer
Fibeltypen des 2./3. Jhdts. aufgefaßt wird.22)

u) O. Almgren, Studien über nordeuropäische Fibelformen2, Mannusbibl. 32, 1923, 85 ff. u,
Taf. 7.
12) W. Matthes, Die nördlichen Elbgermanen in spätrömischer Zeit, Mannusbibl. 48, 1931, 32 ff.
Liste 15, S. 91 ff. u. Taf. 18. Vgl. auch seine Serie 5b, ebenda S. 40 u. Taf. 22 u. 23.
1S) Matthes, a. a. O. — Eine mitteldeutsche Weiterbildung, die „Niemberger Fibel“, vgl.
W. Schulz, Die Skelettgräber der spätrömischen Zeit in Mitteldeutschland in: 25 Jahre Sied-
lungsarchäologie, Mannusbibl. 22, 1922, 95 ff.
14) Mit Einschränkung vergleichbar auch die Fibel aus Ilbenstadt, Grab 3. Vgl. H. Roth, Skelett-
gräber des 4. Jhdts. n. Chr. aus Ilbenstadt (Wetterau), Saalburg-Jahrb. 11, 1952, 5 ff. u.Taf. 36.
15) Matthes, Elbgermanen, 91 ff. u. Taf. 18 g.
le) Matthes, Elbgermanen 34.
17) Matthes, Elbgermanen 34 f.
18) E. Schuldt, Pritzier, ein Urnenfriedhof der späten römischen Kaiserzeit in Mecklenburg.
Schriften d. dt. Akad. d. Wiss. z. Berl. Sektion Vor- und Frühgeschichte 4 (1955) 53 ff. mit
Abb. 247—261 u. S. 14.
10) Almgren, Fibelformen, 93 f. Taf. IX, 194—196.
20) Almgren, Fibelformen, 97 f.
21) Schuldt, Pritzier, 47 f.
22) K. Raddatz weist (Saalburg-Jahrb. 13, 1954, 53 ff.) auf die halbrunde Kopfplatte als eine
seit dem 2. Jhdt. in den römischen Provinzen verbreitete Erscheinung hin, die sich an ver-
schiedene Fibeltypen heften kann, während F. Kuchenbuch (Saalburg-Jahrb. 13, 1954, 5 ff.,
besonders 19 ff.) mit Hinweis auf die Formen Almgren 77—80 die selbständige Entwicklung
auf germanischem Gebiet verteidigt. — Der Hinweis wird H. Schönberger verdankt.

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