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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0174
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Kurt Gerhardt

Für die morphotypologische Analyse sind aber dennoch einige Formmerkmale verfüg-
bar: Die Oberansichtsbildung dürfte mäßig langoval mit Tendenz zum Pentagonoid
gewesen sein, nach dem Augenschein könnte das Längen-Breiten-Verhältnis (LBI) im
mesokranen Bereich liegen. In der Seitenansicht ist der Hirnschädel sehr hoch, vor allem
im langen postauricularen Abschnitt. Die Stirn — über der vorragenden Glabella-Super-
ciliarregion zurückgesetzt — ist wohlgewölbt, nur schwach geneigt, mittelhoch: der
Scheitel steigt also nach hinten an. Das hohe Hinterhaupt ist nur weitbogig und ziem-
lich steil gestellt abgewölbt, die Umrißpartie im Lambdabereich ist dabei flach. Die
Hinteransicht bildet eine hohe Bombenform.
Das starkknochige Gesicht ist im Kieferteil hoch, mittelbreit wirkend, das Kinndreieck
ist breit, die leicht verstärkten UK-Winkelpartien sind nur wenig nach außen betont,
bei Seitenansicht steigt der Basisrand des Unterkiefers ziemlich schräg an, zum fast senk-
rechten Ast ist der Winkel weit. Die relativ kleine knöcherne Nase (leider fehlen die
Nasenbeine) ist in der Apertura schmal (Leptorrhinie ist mit hoher Wahrscheinlichkeit
zu schätzen), die Nasenseitenwände sind senkrecht aus der Gesichtsebene gedreht, dabei
in vertikaler Richtung leicht gebläht. Wangengruben mäßig tief, Jochbein breit, derb
mit offenbar kurzem breitem Stirnfortsatz. Nach den Resten zu urteilen dürften die
Orbitae niedrig-breit mit ausgerundet-rechteckigem Umriß gewesen sein. Die Alveolar-
partie und die Zähne stehen im Profil steil über dem prominenten Kinn.
Zur Bestimmung der Körperhöhe stehen folgende Längenmaße zur Verfügung: Femur
größte Länge rechts 50,6, links 51,2; Tibia größte Länge rechts 43,2, mediale Länge 42,1;
Humerus größte Länge rechts 36,0, links 34,9, ganze Länge rechts 35,7, links 34,6; Radius
morph. Länge rechts 26,9. Nach Breitinger errechnet sich danach eine Körperhöhe zwi-
schen 177 und 179 cm. Das Individuum war also großwüchsig. Bemerkenswert ist der
Längenunterschied der beiden Oberarmknochen: der linke ist beachtlich kürzer als der
rechte. Es treffen sich hier also Merkmale der Teutonordiden und der Cromagnid-
Dalofäliden, so wie diese Typen in der Rassensystematik gekennzeichnet werden, doch
sollte hier nicht sogleich — der Systematik zuliebe — von einem Typenmischling ge-
redet werden, sondern es sollte an eine Variante auf der Basis der einen oder der anderen
der beiden Haupttypen gedacht werden (Gautypische Prägung etc.). Zur genaueren
individuellen Zuteilung fehlen indessen in diesem Bezüge noch ausreichende Unter-
suchungen: vorerst müssen Befunde zusammengetragen werden.
Grünfärbung:
Eine deutliche Grünfärbung befindet sich oben auf dem Caput femoris des rechten Ober-
schenkelbeins und daran anschließend am Oberrand der zugehörigen Gelenkpfanne
(Acetabulum).
3. Der Fund von Zeutern
Die Skelettreste wurden aus dem Kanalisationsgraben und der kleinen Erweiterung
nach Westen unkontrolliert entnommen, hingegen aus Schnitt I und dessen Erweiterung
nach Osten sachgemäß geborgen und in einer Lageskizze fixiert. Nach diesem Plan zeigt
sich eine allgemeine wirre Zerstreuung der Reste, im südlichen Teil des Schnitts I aller-
 
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