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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0184
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178

Robert Lais f

I. Die Fundumstände
Im Bereich der Merdinger Siedlung machen die Scherben von Tongefäßen den weitaus
größten Teil aller Fundgegenstände aus. Es wurden im ganzen etwa 620 Scherben ge-
sammelt; größere Stücke sind außerordentlich spärlich, ein ganzes oder aus seinen
Bruchstücken zusammensetzbares Gefäß wurde überhaupt nicht gefunden. Der durch-
schnittliche Flächeninhalt eines Scherbens beträgt nur 13,7 ( = 3,7 X 3,7) cm2. Das Bild
der Ärmlichkeit, das uns hier entgegentritt, wird noch erheblich deutlicher, wenn wir
die Streuung der Scherben bestimmen. Das völlig ausgegrabene Gelände der geschlosse-
nen Siedlung im Süden und Westen nimmt eine Fläche von etwa 3500 m2 ein. Gleich-
mäßige Streuung vorausgesetzt, würde demnach auf je 5,7 m2 nur e i n Scherben
kommen.
Die Scherben lagen teils innerhalb der Hüttenböden, teils im nicht überbauten Gelände
zwischen den Hütten oder in den Brunnen und Gräbern. Da und dort, vor allem inner-
halb der Hüttengrundrisse, ist eine gewisse Häufung unverkennbar. Sie rührt daher,
daß hier, wie die gleichartige Dicke, der gleiche Brand und die gleiche Magerung der
Scherben beweisen, die Bruchstücke ein und desselben Gefäßes nahe beisammen geblieben
sind. Die gleiche Beobachtung konnte auch am Inhalt der beiden Gräber 1 und 9 ge-
macht werden. Grab 1 enthielt drei zusammengehörige, mit Quarz gemagerte, Grab 9
fünfzehn zusammengehörige, mit Kalkspat gemagerte Scherben. Daß in diesem Grab
keine andern Scherben gefunden wurden, könnte eher dafür sprechen, daß dem Toten
ein größeres Gefäßbruchstück mit ins Grab gegeben wurde, als daß diese Scherben
zufällig mit der Erde hineingeraten wären.
Die Gefäße sind, wie wir gesehen haben, im Boden außerordentlich stark zerstückelt
worden. Dies ist einmal mit ihrer teilweise geringen Bruchfestigkeit, zum andern mit
der geringmächtigen späteren Eindeckung zu erklären. Sie wurden in nur etwa 0,40 m
Tiefe unter der heutigen Oberfläche, also im Bereich einer kräftigen Bodenverwitterung,
gefunden. In der ersten Zeit, nachdem diese Siedlung abgegangen war, müssen die
Gefäßreste noch näher an der Oberfläche gelegen haben, also einer noch gründlicheren
Zerstörung ausgesetzt gewesen sein, als später. Immerhin mag die Tatsache, daß der
einbettende Boden noch einen gewissen Kalkgehalt hat und nicht sauer reagiert, ihre
Erhaltung günstig beeinflußt haben.
Die starke Zerstückelung der Scherben ließ eine typologische Auswertung nur in ge-
ringem Umfang zu. Mehr als 500 Scherben waren „unbrauchbar“.
Um so mehr standen sie den anders gerichteten Untersuchungen zur Verfügung, deren
Ergebnisse hier vorgelegt werden.

II. Die Gefäße und Gefäßbruchstücke

A. Statistische Untersuchung
Bei allen Scherben wurde der Flächeninhalt (mit Hilfe eines Planimeters) und die Dicke
bestimmt. Zeigte ein Scherben an verschiedenen Stellen verschiedene Dicke, so wurde
die mittlere Dicke genommen.
 
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