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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0195
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Die Technik der frühmittelalterlichen Keramik eines Dorfes bei Merdingen, Ldkrs. Freiburg i.Br.

189

dünne Teile des angesetzten Tons abgestoßen haben. Im allgemeinen ist die Vereinigung
der einzelnen Teile weit sorgfältiger vorgenommen worden als bei vielen urgeschicht-
lichen Gefäßen. Denn die Bruchstücke zeigen nur ganz selten geradlinige Begrenzungen,
die parallel zum Boden verlaufen. Offenbar hat auf der Scheibe eine sorgfältige Nach-
arbeit des ganzen Gefäßes stattgefunden.
Ein allerdings kleiner Teil der mit Quarz gemagerten feintonigen Gefäße macht den
Eindruck, als sei er in richtiger Drehscheibenarbeit, nicht unter Zuhilfenahme des Auf-
wülstens, hergestellt worden. Andere wieder, teils mit Quarz, teils mit Kalkspat gema-
gert, sind so roh und unregelmäßig geformt, daß sie reine Handarbeit verraten.
In der Merdinger Keramik sind also Gefäße vertreten, die von Hand gemacht
oder auf der Drehscheibe bei mangelhafter und bei meister-
licher Beherrschung der Scheibentechnik geformt sind. Auch diese
Unterschiede deuten auf Herkunft aus verschiedenen Werkstätten hin.
An 56 Bodenstücken ließ sich der Durchmesser hinreichend sicher bestimmen. Sie sind,
nach dem Magergut getrennt, in der folgenden Übersicht zusammengestellt, wobei auch
die Beobachtung eines Quellrands in eine gesonderte Rubrik eingetragen ist.

Durchmesser
in cm
Mit Kalkspat gemagert
Darunter
Mit Quarz gemagert
Anzahl
Darunter
mit Quellrand
Anzahl
mit Quellrand
8 u. 8,5
2
1
--

9


1

10


1

11
2
2
3

12
1

3

13
16
5
5
1
14
2

4

15
1

10
1
16
1



17
2
2
1

18




19


1

Summe
27
10
29
2

Betrachten wir die Gesamtzahl der Böden jeder Größenklasse, also die mit Kalkspat
und die mit Quarz gemagerten zusammen, so fällt die überaus große Einheitlichkeit
auf. Böden mit 13 bis 15 cm Durchmesser sind es allein 38, also über zwei Drittel der
Gesamtzahl. Der Böden von weniger als 10 cm und mehr als 15 cm sind es in den ein-
zelnen Gruppen nie mehr als 3. Da die Gefäße aus mindestens zwei, wahrscheinlich aber
mehreren verschiedenenWerkstätten stammen, kann diese Beschränkung nur mit einem
sehr einheitlichen Verwendungszweck der Gefäße erklärt werden.
Damit stellt sich die mittelalterliche Keramik von Merdingen in einen auffälligen
Gegensatz zu der aller früheren Zeiten, wo in den Siedlungen außer mittleren Gefäßen
auch große, ja manchmal riesige, und kleine bis winzige vorkommen.
 
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