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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0200
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194

Robert Lais f

Die Merdinger Scherben zeigen hierin größte Mannigfaltigkeit. Es treten auf:
Einheitlich schwarz oder grau gefärbte Scherben, in mehr oder weniger stark reduzie-
rendem Feuer gebrannt, neben einheitlich ziegelroten, die lange genug einem oxydie-
renden Feuer ausgesetzt waren. Häufiger sind Scherben, deren Kern schwarz, deren
Wandungsteile aber braunrot, ziegelrot oder gelblichrot gebrannt sind. Hier hat das
oxydierende Feuer nicht lange genug gewirkt, um den Ton durch und durch rot zu
brennen. Es liegt in der Natur der Sache, daß vielfach auch die Innenwand des Gefäßes,
zu der die oxydierenden Gase weniger leicht Zutritt hatten, noch schwarz oder dunkel
und nur die Außenwand rot gebrannt ist. Je nach der Dauer der Einwirkung der ver-
schiedenartigen Flammengase sind die einzelnen Schichten verschieden dick.
Unter den mit Kalk gemagerten Scherben treten gelbe Brennfarben ziemlich häufig auf.
Wie wir wissen, entsteht diese Färbung vor allem dann, wenn genügend Kalkspat in
äußerst feiner Verteilung vorhanden ist. Wir möchten daher diese Färbung weniger auf
den Zusatz des im allgemeinen ziemlich grob zerkleinerten Kalkspats zurückführen, als
auf einen ursprünglichen Kalkgehalt des Tons.
Daß in manchen Fällen schwarze Gefäßfarben nicht zufällig, sondern absichtlich erzeugt
worden sind, ist deutlich erkennbar. Mehrere unserer Scherben zeigen in der Mitte
einen grauen Kern, an den sich beiderseits eine rötlich gefärbte Schicht anschließt. Die
eigentliche Wand besteht aus einer ganz dünnen, schwarz gefärbten Haut.
Hier ist also das Gefäß zunächst in einem schwach reduzierenden Feuer grau, dann im
oxydierenden Feuer rot gebrannt worden. Dieses hat aber nicht lange genug eingewirkt,
um auch den Kern rot zu brennen. Am Schluß wurde der Ofen mit schwelendem Brenn-
material beschickt und verschlossen und dadurch die Außenwand schwarz gefärbt.
In anderen sonst völlig übereinstimmenden Fällen ist die schwarze Haut auf die Außen-
seite des Gefäßes beschränkt. Vermutlich war dieses beim Brennen auf seine Mündung
gestellt worden, so daß die Schmauchung der Innenseite unterblieb. Ein derartiger
Scherben zeigt von außen nach innen folgende Farben: schwarz (0,1 mm stark), rötlich
braun (2,0 mm), schwarz (3,0 mm), rötlichbraun (0,1 mm). Hier hat das oxydierende
Feuer die Innenwand nur in 1/io mm Dicke rot färben können, und eine Einwirkung
des Schwelbrandes ist überhaupt unterblieben.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß diese auf die Erzielung hart gebrannter Ware von
dunklem Aussehen gerichtete Lenkung des Brennverfahrens keine Erfindung des Mittel-
alters ist. Die Töpfer der Spätlatenezeit haben nicht nur die Drehscheibentechnik bereits
geradezu großartig beherrscht, sie waren auch Meister in der Erzielung einer gleich-
mäßig dunkelgrauen bis schwarzen Brennfarbe der äußersten Schicht der Gefäßwände.
Auch diese Scherben zeigen den gleichen schichtweisen Aufbau, einen dunkelgrauen
Kern, beiderseits um ihn eine rötlichgraue Schicht, darüber jeweils eine schwarze Haut.
Etwa zwei Drittel aller Scherben sind schwarz, dunkelgrau, grau, dunkelbraun oder
graubraun gefärbt. Trübe Mischfarben mit einer Rotkomponente, rotbraun, rötlich-
schwarz und graurot kommen bei etwa einem Fünftel aller Scherben vor, ungefähr
gleichmäßig verteilt auf kalkgemagerte und quarzgemagerte Scherben. Ziegelrote Farbe
ist am seltensten, sie tritt bei quarzgemagerten drei- bis viermal so häufig auf wie bei
kalkgemagerten Scherben, im ganzen bei etwa einem Siebentel aller Scherben.
 
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