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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0289
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Fundschau 1954—1956: Mittelalter — Neuzeit

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Lobenfeld (Heidelberg) „Hohl“, 1,2 km SW. —
1955: Bei der Verbreiterung der Straße Lobenfeld—Mönchzell wurde beim Zurück-
schneiden der westlichen Straßenböschung eine große „Feuerstelle“ im Profil angeschnit-
ten, deren Meldung Studienrat Schottmüller verdankt wird. Mehrtägige Grabung führte
zur Feststellung eines mittelalterlichen Kalkofens, dessen Zusammenhang mit der Er-
bauung der Klosterkirche (Anf. 13. Jhdt.) naheliegt. Der Ofen bestand in einem recht-
eckigen Schacht, der mit senkrechten Wänden in einer Ausdehnung von 3,5 X 1,6 m in
den anstehenden Lößlehm eingestochen war. Die Wände waren noch 2,5 m hoch erhal-
ten, ihr Oberrand muß bei der Einebnung in Höhe von etwa 0,5 m abgestoßen worden
sein. Die ursprüngliche Tiefe betrug also etwa 3 m. Er konnte demnach etwa 12 bis 15
Kubikmeter Brenngut aufnehmen. Die Ofengrube war oben offen, muß also von einem
freistehenden Dach überdeckt gewesen sein. Einzelne, in der Füllung gefundene Hohl-
ziegel belegen dies. Dieser Ofengrube war nach Osten, an einer Schmalseite einmündend,
ein stollenförmiger, also minierter Zugkanal (sog. Fuchs) von mindestens 4 m Länge vor-
geschaltet, von dem bei Beginn der Untersuchung noch 1 m erhalten war. Er hatte hoch-
rechteckigen Querschnitt von 1,4 X 0,6 m. Eine seichte, mit gebranntem Kalk gefüllte
Rinne am Boden des Stollens zeigt, daß dieser auch zum Ausscharren des gebrannten
Kalkes benutzt wurde. Die verhältnismäßig gute Erhaltung des Ofens war vor allem
bedingt durch die Verhärtung der Wände infolge lang anhaltender, starker Feuerein-
wirkung. Die Wände der Ofengrube, die Wände und die Decke des Zugstollens waren
durch die Hitze nicht nur gehärtet, sondern bis zu einer trübgrünen Glasur gesintert,
die auf Salzsäure nicht mehr reagiert. Sie hatte eine Dicke bis zu 4 cm. Steinartige Ver-
härtung bewirkte das Feuer darüber hinaus noch 10—20 cm tief in die Wand hinein.
Diese Zone ließ sich plattenartig von der Wand abstoßen. Erst danach begann die dritte,
nochmals bis zu 30 cm tief reichende Zone ziegelroter Verfärbung, bei der indes keine
Materialverhärtung mehr eintrat.
Die ungewöhnliche, wenn auch sicher nicht vereinzelt dastehende Form des Kalkofens
(vgl. Mauer), sowie die nahe Verwandtschaft seines Erscheinungsbildes zu prähistori-
schen Fundstellen, rechtfertigen die ausführlichere Bekanntgabe des Befundes, der im
übrigen zeigt, daß einzelne Elemente mittelalterlicher Handwerksübung nur den Mitteln
der Vorgeschichtsforschung zugänglich sind (5516).
Mtbl. 33/6619 Epfenbach. — Verbleib: Archiv Karlsruhe. (Dauber)

Mauer (Heidelberg) „Hüttenklinge“, östl. Ortsrand.
Beim Legen der Wasserleitung zwischen dem Ort und dem 0,5 km NO gelegenen Hoch-
behälter schnitt der Leitungsgraben am Steilhang hinter den Häusern die Reste eines
verstürzten Kalkofens, der ohne Steinmauern in den anstehenden Löß eingestochen
gewesen sein muß. Es fanden sich verziegelte Wandstücke mit einer Glashaut von
gesintertem Quarz. Über die Bauart des Ofens konnte nichts ermittelt werden. Seine
Reste waren an dem Steilhang auf eine Strecke von mehr als 40 m verstürzt. Die Beob-
achtung wird Studienassessor Schottmüller, Karlsruhe, verdankt.
Mtbl. 32/6618 Neckargemünd. —

(Dauber)
 
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