Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

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Eßen anzurichten. An den Löffeln und Messern
konnte man oft noch sehen und schmecken , was den
Tag zuvor war gegessen worden. Die kleinen Kin-
der nahm sie mit an den Tisch, und blieb daran si-
tzen, wenn sie sich auch verunreinigten, daß der Ge-
stank allen die Lust zum Essen benahm. Sie wollte
gern den Nuhm einer guten Wirthmn haben, und
ließ daher nicht leicht etwas mnkommen. Nun Har-
ken sie einmal zum Krrrag (Kirchweih) ein Schaaf
geschlachtet, davon waren die Kaldaunen ( Einge-
weide, Fleckes den dritten Tag schon ziemlich faul,
Und stinkend worden. Sie kochte sie aber doch, und
weil ihre Leute nichts anders hatten, schluckten sie den
Unrakh hinunter, und hoben die Zahne dabey so hoch
sie konnten. Was geschah ? Ein böses Faulfieber
überfiel sie alle nach einander, und zwey Kinder star-
ben daran.
Der Käs mochte noch so sehr verfault, scharf und
stinkend, oder voller Würmer seyn; so schmierte des
Andreas Weib doch die garstige Schmiere davon
ihren Kindern aufs Brod. Da sie das Backen auch
oft bis auf die letzte Stunde verschob; so fielen die
Kinder hernach hungrig über das frische Brod her,
und schlangen es ganz heiß hinunter; — wovon drey
auf einmal krank wurden, daß sie den Doktor brau-
chen mußten. Sie war auch wohl im Stand, But-
termilch und Sauerkraut zusammen auf den Tisch
zu bringen, und einer Magd, die eben vom kalten
Fieber aufgestanden war, Erbsen, Knödeln, oder
andere harte Kost vorzusetzen, oder säuern Salat,
wenn die Leute den Durchlauf hatten. Der Brandt-
wein sollte dann das schlechte Essen gut machen und
die Flasche gieng alle Tag. am Tisch herum, wenn
sie auch fettes Fleisch, Milch, Käs, Sauerkraut,
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