Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

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wahre Freyheit unterdrücken. Habt ihr einmal eure
eigene Haushaltungen und es wird Krieg, so fragt
vernünftige Lern, ob er wohl auch unser Land tref-
fen und wir Einquatierung bekommen könnten? Hält
man dieses für wahrscheinlich, so eilet mit dem An-
bauen so viel ihr könnt, und bauet besonders recht
viel Gemüs. Heu und Stroh sammelt so viel als
möglich ist, und schneidet es meist ju Futter oder He-
ckerling zusammen, weil sich dieser nicht so leicht weg-
fouraschiren läßt und weniger Raum einnimmt.
Schlachtet mehr ins Haus, als sonst, damit ihr et-
was habt den Feind zu begütigen. Kommt er nun
wirklich ms Land, so seyd nicht mürrisch, sondern
recht freundlich gegen die Soldaten. Gebt ihnen mit
Willen alles was ihr habt; sucht ihnen, wo möglich
in allen Stücken zu Gefallen zu leben; wartet und
pflegt ihrer, wenn sie verwundet sind, fo werden sie
aus Fernden Freunde, und schonen euch, wo sie kön-
nen- Seyd dabey vorsichtig im Reden und Thun,
Daß sie keinen Argwohn gegen euch schöpfen. Vor
allen Dingen aber laßt euch weder vom Feind noch
vom Freund zu Verrärhern oder Spionen gebrau-
chen , weil es unrecht und lebensgefährlich ist. Laßt
euch auch niemalen von verwegenen Leuten anreißen,
euch gegen die Feinde zur Wehre zu stellen, oder ih-
nen heimliche Tücke zu beweisen. Darüber werden
oft ganze Dörfer ruinirt und die Bewohner gräulich
mißhandelt ober qar umgebracht. Eurer Obrigkeit
gebt in Kriegsreiten willig, und was ihr nur immer
geben könnt; sie sorgt nach dem Krieg auch väterlich
Dafür, damit euch wieder aufgeholsen werde. "
So und dergleichen mehr sprach der alte erfahr-
ne Mann mit seinen Söhnen von Krieg. Hernach
kam er auf die Prozesse zu reden, und sagte: so gs-
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