Becker, Hanna Luise; Altdorfer, Albrecht [Ill.]
Die Handzeichnungen Albrecht Altdorfers — München, 1938

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im Zeichnerischen Altdorfer in dieser Zeit um i5io fähig ist.
Gegenüber der strengen Geschlossenheit in der Frankfurter Zeich-
nung ist eine freie rhythmische Gliederung der Fläche gegeben.

Auf seichtem Wasser steht der Riese mit: dem ängstlich sich fest-
haltenden Kind auf den Schultern, sein Schritt geht nach rechts
und in weitem Schwung nimmt der wehende Mantel den Weg vor-
aus. Dieser ist in der Innenseite in langen gleichmäßigen Strich-
folgen schraffiert, an den Rändern kurvig bewegt und am äußer-
sten Ende mit weichem Weiß gerundet. Luft und Leben erfül-
len den Rildraum, die Schärpenenden des Christkindes fliegen
leicht bewegt davon. Eine aufsteigende Rerglandschaft am linken
Rand gibt einen Ausgleich in der Diagonale zum Christophorus-
Mantel. Nach hinten zu fällt sie ab und verschwindet am Horizont.
im Wasserspiegel. Der feste Stab des Riesen festigt als betonte
Senkrechte das Bildganze. Ein ruhiger Federstrich, der nur in den
Konturen gelockert wird, sonst aber in der Häufung gleichmäßi-
ger Folgen formschaffend ist, läßt einen wesentlichen Unter-
schied zu allen früheren Zeichnungen erkennen. Das nur spar-
sam aufgesetzte Weiß folgt der großen Schrägrichtung von der
linken Schulter zum weit wegflatternden rechten Mantelsaum; der
Kopf des bärtigen Heiligen und auch das Kind werden nur flüch-
tig gestreift, am Ende verdichtet sich die helle Bahn zu engen
Kreuzlagen. Bei aller Sparsamkeit der weißen Höhung ist sie in
starkem Maße bildkompositionell ausgewertet, dabei bleibt der
graugrüne Grund in einer fast passiven Haltung, obwohl er in
ganz anderer Weise als bei der Anna Selbdritt eine Bildräumlich-
keit schafft.

Im zeichnerischen Stil der beiden datierten Blätter von i5o9
aus dem Berliner Kupferstichkabinett: dem Stehenden Mäd-
chen in einer Landschaft und der Ölberg-Zeichnung ist ein
deutlicher Übergang zu sehen von der eigentlichen Frühzeit um
i5o8 zum stärker ausgeprägten Stil der Zeichnung auf farbigem
Grund von i5io/n.

Das stehende Mädchen in einer Landschaft ist in der Art des
Strichs und in seinem Verhältnis zur Landschaft noch dem Wil-
den Mann verwandt; die Ölberg-Zeichnung dagegen gibt ein ganz T. 10

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