Becker, Hanna Luise; Altdorfer, Albrecht [Ill.]
Die Handzeichnungen Albrecht Altdorfers — München, 1938

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1512

Im zeichnerischen Werk Altdorfers hedeutet das Jahr iöia
einen Höhepunkt für die Zeichnung auf farbigem Grund. Nicht
nur die große Anzahl der Blätter bestimmt die Wichtigkeit die-
ses Jahres für die Zeichnung, sondern viel mehr die besondere
Auswertung dieser Technik nach den ihr eigenen verschiedenen
Möglichkeiten. Der Themenkreis ist vielfältig wie in den früheren
Blättern, aber die Darstellung einer Szene oder einer Einzelfigur
unterliegt einer stärkeren Bildgestaltung, sodaß in besonderem
Maße von einer bildhaften, d. h. in sich abgeschlossenen und auf
sich beruhenden Komposition die Rede sein kann. Bei DarstelSun-
gen in architektonischer oder landschaftlicher Umrahmung tritt
der Vorgang stärker in den Mittelpunkt und zwar ideell und tat-
sächlich. Auf vielen Zeichnungen der vorhergehenden Jahre — es
sei z.B. an den Hieronymus (London), den Simsonkampf (Ber-
lin) oder das Liebespaar (Basel, Slg. Burckhardt) erinnert — steht
die Ausgestaltung in einer landschaftlichen Umgebung im Vor-
dergrund, die Darstellung wird dieser ein- oder untergeordnet.

Mit der stärkeren Betonung der eigentlichen Komposition ist das
Bestreben zu einer Bildräumlichkeit eng verbunden. — Die Linie
spricht eindeutiger im Bildganzen, sie ist wichtiger bei der Füh-
rung eines Konturs und wird außerdem im Ornament in sich ver-
selbständigt. Schließlich werden dunkler Grund und weiße Hö-
hung intensiver für eine Lichtwirkung ausgenützt.

In der schon erwähnten Zeichnung der Sebastiansmarter
(Braunschweig) 1511, ist die oben angedeutete Vereinfachung und
Beschränkung der Komposition schon sichtbar, aber in der Form-
gestaltung des Figürlichen herrscht eine auflösende Tendenz. Der
Heilige Georg (Berlin) gibt in der Konzentrierung auf den T.18
Kampf das neue in der zeichnerischen Geschlossenheit. Zwar
zeigt der Baum rechts im Hintergrund noch gewisse Verwandt-
schaft mit dem auf der Braunschweiger-Zeichnung des heiligen
Sebastian, aber er hat im Bildganzen nicht eine so entscheidende
Rolle; die Kampfszene ist ringsum von hellen Strichfolgen um-
rahmt und der Kämpfer wie der Drache sind von festen weißen

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