Becker, Hanna Luise; Altdorfer, Albrecht [Ill.]
Die Handzeichnungen Albrecht Altdorfers — München, 1938

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die innere Konzentration; der Bildgrund ist zersplittert in einzelne
Teile von Hügeln und Bäumen und die Verbindung zu den fast
weißen Bergen des Hintergrundes ist weder in der Zeichnung noch
in der Farbe gegeben. Der farbige Grundklang ist schwerer und
die Möglichkeit einer Gestaltung durch das Licht und die Farbe
ist nicht ausgewertet und zu einer inneren Einheit geworden. Bei
Huber liegt die Stärke in der Zeichnung, in dem unmittelbaren
Verhältnis zur geschauten Landschaft, die schon in seiner ersten
reinen Landschaftszeichnung von i5io — der Ansicht des Mond-
sees mit dem Blick auf den Schafberg — eine vollendete Gestal-
tung findet.

Für die Landschaftsform der 1824 datierten Dresdener-Zeich-
nung können am ehesten die Badierungen und von diesen vor
allem die große Landschaft einer Stadtansicht mit gebrrgiger
Ferne (Schm. in) 21 als Parallele gelten. In dünner aber be-
stimmter Federzeichnung ist eine weite Hügellandschaft a usge-
breitet ohne betonten seitlichen Abschluß. An der linken Seite
führt ein Weg hinauf zur Burg auf der Höhe, an Gehöften und
Häusern vorbei und durch einen Torturm hindurch. In dem An-
stieg zur Höhe kann man den Pfad genau verfolgen, bis er nach
oben schmal geworden ist und an der Burgmauer aufhört. Nach
rechts schließt sich ein welliges Hügelland an mit vielen Häu-
sern und einer Kirche, und am vorderen Bildrand liegt hell und
freundlich ein kleiner Weiher. Für die ganze rechte Bildseite ist
der Blick wenig in Aufsicht gegeben, der Standpunkt des Be-
schauers ist etwa links in der Höhe des Fachwerkhauses zu den-
ken. Leichte Farbtöne in hellbraun, rosa und blau bestimmen den
lichten Eindruck des Blattes. In einem feinen Strich sind die Ein-
zelheiten liebevoll gezeichnet: ein Karren auf dem Hof, dasFach-
werk an den Häusern, die Schindeldächer und die Fugen des
Mauerwerks. Wichtig die große Einfachheit und Anspruchslosig-
keit der Darstellung einer wahrscheinlich geschauten Landschaft.
Auf die Nähe zur Radierung wurde bereits hingewiesen und da-

21 Vgl. L. Grote: Zur Datierung der Landschaftsradierungen A.Altdor-
fers. Monatshefte für Bücherfreunde und Graphiksammler 1925, S. 229.

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