Becker, Hanna Luise; Altdorfer, Albrecht [Ill.]
Die Handzeichnungen Albrecht Altdorfers — München, 1938

Page: 93
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clruck ist ausgesprochen zeichnerisch, und das ganze Blattbild
ist auch am Himmel von Strichfolgen bedeckt. Spuren einer wei-
ßen Höhung sprechen kaum im Bildganzen. Darin unterscheidet
sich die Zeichnung grundsätzlich von der des Johannes auf Pat-
mos, vergleichbar sind nur die herunterhängenden biegsamen
Äste der Bäume und in etwa die Landschaft des Hintergrundes.

Als dritte Zeichnung wurde diesen beiden das große Blatt in
Kopenhagen: Die Landschaft mit der Fichte angeschlossen.
Fast am vorderen Rand, wenig aus der Mitte verschoben, steigt
ein breiter Stamm auf und verspannt seine reichen Astgebilde
weit über der Fläche. Auch hier steht zu Füßen des Baumes wie
auf der Dresdener Zeichnung reiches Blätterwerk, gleichsam als
Gegengewicht für die überreiche Krone. Die Zweige wachsen nicht
organisch aus dem Stamm hervor, sondern sind in ihren Ansätzen
von krausen Strichbüscheln verschleiert. Der Bildgrund, auf dem
sie sich ausbreiten, ist mit waagerechten Linien zugedeckt, sodaß
dadurch der Einch-uck einer größeren Dichte und Geschlossen-
heit entsteht. Nach rechts steigt eine Berglandschaft mit einer
Stadtarchitektur an. Üherall sind die Strichlagen parallel oder
kreuzweise gehäuft; das Blätterwerk wird von unzähligen klei-
nen krausen Häkchenformen gebildet, durchlaufende Linienzüge
sind nur an den Stellen der weißen Höhurig gegeben, die hier in-
tensiver ist als auf der Dresdener Zeichnung.

Von der Frankfurter-Zeichnung zur Kopenhagener ist nicht
ohne weiteres eine unmittelbare stilistische Übereinstimmung zu
sehen, und man wird die beiden Blätter nicht gleichzeitig ent-
standen denken können; vor allen Dingen können die letzten keine
Frühwerke des Künstlers sein. Thorlacius-Ussing, 64 der die Land-
schaft mit der großen Fichte eingehend besprach, glaubt in be-
zug auf Erhard Altdorfer eher in einem Holzschnitt der Lü-
becker Bibel als in der Zeichnung des Johannes auf Patmos ver-
wandtes zu sehen, in seiner Bestimmung beschränkt er sich auf die
allgemeine Benennung „Süddeutsch, löaö—3o“. — Bock spricht

64 Thorlacius-Ussing, Nogle Aeldre Tyske Haandtegningen i/Kobber-
stiksamligen. Kunstmuseets Aarskrift 1924/25, S. 265.

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