Boisserée, Sulpiz
Denkmale der Baukunst vom 7. bis zum 13. Jahrhundert am Nieder-Rhein — München, 1833

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die Berathuiig der ICIosterangelcgenheiten, oder bei eintretendem Fall die Aufnahme von Novizen und die
Walil eines Abts oder Priors.1' Dieser Bestimmung; des KapitelsaaTs gemäss erbaute man denselben stets
niil besondenn Aufwand; man errichtete ilm gewöhnlich in der Nähe der Kirche an der Ostseile des Kreuz-
ganges. In seinem Innern brachte man rund herum Bänke und an der mittlem Wand einen ausgezeichneten
Sitz für den Abt. oder Prior, bei den .Stiften für den Probst oder Dechanten ah, auch schmückte man den
Saal mit Gemälden, stellte ein Kreuz und ein Lesepult dann auf.

Der Kaui!eisaal der Abtei Rommersdorf bei Neuwied und der Kreuzgang, womit er zusammenhängt
nehmen, wie man ans den vorliegenden Abbildungen sieht, eine bedeutende Stelle unter den Denkmalen
dieser Art ein. Die Abtei, den Norbertinern gehörig, welche man nach dem Muttörkloster IYämonstrc bei
Laon auch Präiiionslratcnscr nennt, war ursprünglich ein Benedicüncrkloster, in welches Albero, Erzbisehof
von Trier im Jahre 1135 eine Kolonie von Norbertiucrn aus dein niederländischen Kloster Florelt beiNamür
verlegte. In den Jahren 1181 bis 11S5 wurden neue Klostergebäude aufgeführt, und 1210 wurde die Kirche
geweiht; auch errichtete Bruno von Braunsberg, welcher von 1211 bis 1236 Abt war, verschiedene Gebäude.;)
Der Bauart nach ist zu schliessen, dass das Kapitelllaus und der Kreuzgang mit der Kirche oder kurz
nachher erbaut worden.

Die mit vielem Leistenwerk geschmückten Bogen der Tliürc und Gewölbe", die Wicderlagpfeiler an
der Ausscnseite des Kapitelsaals, vorzüglich aber die kreuzblattartigen Durchbrechungen der Spitzbogen im
Kreuzgange zeigen eine noch entschiedenere Annäherung zu dem Spitzbogenslyl, als wir an den bisher
beschriebenen Denkmalen zu bemerken hatten. Das Kapitelhaus ist mit Säulen von edler Steinart ausgestattet,
die zwei mittleren sind von Granit. Man muss sich über die Gunst des Schicksals freuen, dass dieses
ausgezeichnete Gebäude in den Besitz eines Privatmannes gekommen ist, welcher dasselbe zu schätzen weiss.

£trf. LIX. ©nutiirieoc; LX. ^iifrtas «trt £>u?d)öd)mU.

Diese,Cistcrzicnserabtci, im Jahr 1133 von Eberhard, Grafen vonBcrg, in der Burg dieses Fürsten-
hauses auf dem Altenberg errichtet, dann 1115 an den Fuss desselben in das waldbewachsene Thal des
kleinen Flusses Dhiin verlegt, wurde von den Grafen von Berg stets mit grosser Vorliebe behandelt und
gefördert. Sie wählten dort ihre Grabstätte, und Hessen daher auch im Jahre 1255 die Kirche31 in der
Bauart des Kolner Doms, wahrscheinlich von dem Baumeister desselben aufführen. Im Jahr 1193 zog
sich der fromme Graf Bruno von Berg von dein erzbischöfüchen Stuhl zu Köln nach diesem Kloster zurück,
und besehloss dort sein Leben im Jahre 1200. Theodcrich von Heinsberg, welcher mit den Grafen von
Berg verschwägert, und von 1208 bis 121-1 Erzbischof von Köln war, Hess sich auch in Altenberg begraben;
er hatte während seinem Leben dem Kloster grosse Wohlihaten erzeigt.:*1 Aus diesen Nachrichten, so wie
aus der Bauart der Klostergebäude, ziehe ich die Vermuthung, dass dieselben von Bruno und Theuderich,
oder von einem dieser beiden Erzbischöfe errichtet worden.

Die Klostergebäude zu Altenberg gehen, wie man aus den Grundrissen sieht, der Hauptsache nach
einen vollständigen Begriff von einer grossartigen alten Klostcreinrichümg. Sie schliessen sich an die
Südseite der Kirche an, so dass diese gegen Norden Schutz gewährt und die Gebäude eine sonnige Lage
haben; mit der Kirche sind sie eines Theils durch den Kreuzgang und andern Theils durch eine Treppe

" Martern, <lc nntiq, «d. riiib. IV. p. IS u. f.
s> Airnid. l'rricmoiistr., II. p, GSS — DO.

•> JoiigcH/tut, Noiiiin nlbiit. onl. Cisleri. p. 13 — 17. In dorn Augenblicke, wo Gegenwärtiges zum Druck gefördert wird, oVhnllc ich
Kcuntniss von dciii omplthlcnnrortlien Werk: ttic CisUrcie/uer.Altei Abenberg, herausgegebon von Schimmel', Münster 1S32, Btl.

« Mwrdem, n, u. 0. p. 113 u. 123.
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