Borchardt, Ludwig ; Deutsche Orient-Gesellschaft [Editor]
Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Abusir: 1902 - 1904 (Band 1): Das Grabdenkmal des Königs Ne-User-Re' — Leipzig, 1907

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II.

Allgemeine Anlage.

Die im folgenden gegebene Beschreibung des Grabdenkmals des Ne-user-re' und des
zu ihm gehörigen Totenfeldes soll den Zustand der Anlage schildern, wie er zur Zeit der
fünften Dynastie, etwa 2600 v. Chrd war, d. h. wie wir ihn uns als Resultat der Grabungen
der Deutschen Orient-Gesellschaft vor unserem geistigen Auge wieder hersteilen können. Es
braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß wir bei dieser ideellen Rekonstruktion mit
aller Vorsicht zu Werke gehen, uns streng an das Gefundene halten und nur da ergänzen
werden, wo Analoga an anderen bekannten Bauten die Möglichkeit dazu bieten.
Was ohne besonderen Hinweis auf die Unsicherheit der Rekonstruktion geschildert
werden wird, kann als sicheres Resultat betrachtet werden. Wie diese Ergebnisse gewonnen
sind, auf welchen Funden und Bauresten sie beruhen, das wird in dem Abschnitt „Die
einzelnen Bauten" genau angegeben werden. In dem vorliegenden Teile soll es sich nur
darum handeln, eine allgemeine Beschreibung der Gesamtanlage ohne eingehende Begründung
zu geben. Wer diese sucht, mag an der entsprechenden Stelle des nächsten Abschnittes nach-
schlagen, und, wenn ihm unsere Rekonstruktion unwahrscheinlich erscheint, auf Grund des dort
gegebenen Materials eine andere versuchen.
Der beigegebene Lageplan des Pyramidenfeldes bei Abusir (Blatt 2) wird das in diesem
Abschnitt gegebene in fast allen Fällen zur Genüge erläutern. Für Einzelheiten sehe man
die Detailaufnahmen des Totentempels, der Pyramide und der Gräber ein.
Der gesamte hier zu schildernde Gebäudekomplex zerfällt nämlich in die Begräbnisstätte
des Königs einerseits und in den sich an diese anbauenden Friedhof der Großen seines
Hofes. Das königliche Grabdenkmal, das in seiner Gesamtheit im Altertum den Namen

(* 1^ jj j /\ Men esowet Ne-weser-re' „Es bleiben die Stätten Königs Ne-user-re'

trug, besteht aus mindestens zwei gesonderten Baulichkeiten, aus dem eigentlichen Grabe,
der Pyramide, und aus dem davorliegenden Totentempel nebst Aulgang und Torbau im
Tale 3. Wir wollen auch noch die Pyramide der Königin zu diesem Gebäudekomplex hinzu-
rechnen, trotzdem wohl anzunehmen ist, daß diese ihren besonderen Pyramidennamen im
Altertum gehabt haben wird, also wohl als besonderer selbständiger Bau betrachtet wurde.
Das Totenfeld von Abusir wird sich dem von Memphis her Ankommenden etwa so
gezeigt haben, wie es die Rekonstruktion (Blatt 1) darstellt. Da wo sonst üppige Felder und

1) Diese Zahl nach E. Meyer, Ägypt. Chronol. S. 178, der rund 2680—2540 v. Chr. für die 5^ Dyn. annimmt.
2) Zitate s. z. B. Ä.Z. 1894, S. 8p.
3) Der Totentempel dürfte auch einen besonderen Namen gehabt haben, nämlich
(die Götter oder vielleicht schon Osiris?) lieben (bezw. liebt) den König Ne-user-re (S. unten.)

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