Oheim, Gallus; Brandi, Karl [Oth.]
Quellen und Forschungen zur Geschichte der Abtei Reichenau (Band 2): Die Chronik des Gallus Öhem: mit 27 Tafeln — Heidelberg, 1893

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Vorwort.

Der vorliegende Band der Quellen und Forschungen soll das chronikalische Material zur
Geschichte der Abtei Reichenau in ähnlicher Weise zusammenfassen, wie das bezüglich der älteren
Urkunden der erste Band versucht hat, während in Ergänzung zu beiden ein dritter Band die
Bearbeitung der jüngeren Urkunden und Lehnsbücher bringen wird.1)

Die Chronik des Gallus Öhem ist bereits im Jahre 1866 von Barack in genauem Text-
abdruck herausgegeben worden2); allein abgesehen von dem nach meiner Uberzeugung unrichtigen
Urteil über die Handschriften und von dem Fehlen des Wappenbuchs ermangelt die Ausgabe
jeder quellenkritischen Bearbeitung; ohne eine solche ist aber die Chronik Ohems schlechterdings nicht
zu benutzen. Wohl bot in dieser Hinsicht bisher die Untersuchung von Breitenbach über die
Quellen des Öhem ein dankenswertes Hülfsmittel; da aber Breitenbach für seine Arbeit keinerlei
archivalische Studien gemacht hatte, waren seine Angaben über die von Öhem benutzten Urkunden
ganz erheblich zu ergänzen; auch seine Forschungen über die anderen Quellen erforderten eine
gründliche Nachprüfung und Berichtigung; unter allen Umständen war es mißlich, daß jede Be-
nutzung des Öhem an die gleichzeitige Verwertung der genannten Abhandlung gebunden war.

Bedarf also die Neuausgabe keiner weiteren Rechtfertigung, so habe ich über ihre Einrichtung
einiges zu bemerken. Maßgebend für dieselbe ist die Erwägung gewesen, daß die Chronik des
Gallus Öhem weniger für die zusammenhängende Lektüre, als für die Einzelforschung in Betracht
kommt. Ich bin deswegen bei Angabe der Quellen mit der größten Peinlichkeit verfahren, und,
obwohl es sich fast durchweg um Ubersetzungen handelt, habe ich doch versucht, die Ent-
lehnungen überall durch den Druck kenntlich zu machen. Petitdruck habe ich zunächst für alle
diejenigen Abschnitte gewählt, deren Quelle uns noch jetzt vollständig vorliegt; er ist aber auch
da angewandt, wo wir den mit Öhem übereinstimmenden Wortlaut einer älteren Quelle besitzen,
ohne daß feststeht, ob Öhem gerade die betreffende Handschrift, Redaktion oder Quellenableitung
unmittelbar benutzt hat; die Anmerkungen geben in jedem Falle die nötigen Erläuterungen; zu
Anfang derselben habe ich stets die Seite angegeben, auf welcher die betreffende Quelle zusammen-
fassend besprochen ist; wo Öhem umschreibt oder den Ausdruck erweitert, oder wo er seine Quelle
mißverstanden hat, habe ich den Benutzer durch Kursivdruck aufmerksam gemacht; ist die Ab-
weichung sachlich von Belang, so findet sich die betreffende Quellenstelle in der Anmerkung.
Alles, was nur bei Öhem überliefert ist, wird durch Cicerödruck gekennzeichnet, sei es, daß Öhem
verlorenen Quellen oder mündlicher Überlieferung folgt, sei es, daß er eigene Vermutungen oder
Betrachtungen niederschreibt; die nähere Bestimmung habe ich auch hier in den Anmerkungen
zu geben versucht. Besondere Beachtung habe ich den verlorenen Quellen geschenkt; ich glaube
nachgewiesen zu haben, daß viele der vereinzelten Stellen als Teile größerer zusammenhängender
Quellen [Bücherverzeichnis, Fortsetzung des Hermann, Deutscher Martin] angesehen werden müssen.

J) Der Gesamtplan des Unternehmens ist in dem Vorwort der historischen Kommission zu Band I: «Die
Eeichenauer Urkundenfälschungen» (1890) dargelegt.

2) Bibl. d. litt. Vereins, 84. — Die Seitenzahlen dieser Ausgabe habe ich als innere Kolumnenziffern in [ ]
jeder Seite meines Textes beigefügt.
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