Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 10.1868

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Durch die Gründung des evangelischen Bisthums in Jerusalem, welche
König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in Verbindung mit England unter-
nahm, wurde den bisher sehr vereinzelten missionarischen Bestrebungen der
deutsch-protestantischen Kirche in den östlichen Ländern des Mittelmeers ein
fester Anhalt gegeben. Die Folge davon war, daß bald darauf nicht nur in
Jerusalem selbst, sondern auch in andern Städten Palästinas, Syriens, Klein-
asiens und Aegyptens eine Anzahl
wohlthätiger Institute emporwuchs,
die nicht nur eine kleine dauernde
Bevölkerung deutscherZunge, sondern
auch einen lebhafteren Verkehr mit
dem Vaterlande herbeiführten. Die-
ser Verkehr wurde außerdem durch
den Aufschwung gesteigert, welchen
der Handel Deutschlands und der
Schweiz mit dem Orient seit der
Gründung einer preußischen Flotte
nahm und der gleichfalls, vorzüglich
in den größeren Seestädten, wo sich
Generalconsulate befanden, zu festen
Ansiedelungen protestantischer Kaufleute Veranlassung gab. So entstanden denn
an verschiedenen Orten kleine evangelische Gemeinschaften, in denen sich gar
bald das Bewußtsein religiöser Zu-
sammengehörigkeit geltend machte.
Man fühlte das Bedürfniß gemein-
samer und regelmäßigerGottesdienste.
Aber nicht so sehr dieß, als der im-
mer häufiger empfundene Uebelstand,
daß alle facramentlichen Functionen
nur von dem Bischöfe in Jerusalem
oder dem daselbst angestellten deut-
schen Geistlichen gelegentlich ihrer,
alljährlich höchstens einmal vorge-
nommenen Districtsbereisungen voll-
zogen werden konnten, ließ in ihnen
den Wunsch nach dem Besitz eigner
Geistlichen lebhaft hervortreten. Preu-
ßen entsprach diesen Wünschen mit
großer Bereitwilligkeit. Außer einem
Eesandtschaftsprediger, der in Con-
stantinopel fungirte, wurden nach
Veyrut, nach Alexandrien und nach
Smyrna deutsch-evangelische Geist-
liche gesandt, denen es zugleich oblag, für die an diesen Orten befindlichen
französisch redenden Schweizer Gottesdienst in französischer Sprache abzuhalten.
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