Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1892

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* Juxta antiquujn Calend. Litt. Dom. Anno 1529. fuit .C. Au-
reus Numerus 10. consequenter Pascha tune incidit in 28. Martij.
Ascensio in 6. Maij: & Feria 4. Rogat. in 5. Maij. Idaec littera
Signatur N. 9.

Der andere Briefs de Anno 1546. den 14.tcn Inn. ist
folgendes Jnnhalts:

Ehrwürdiger gnädiger Herr, ans die Creütz Mitwoch,
sind von allen Orthen die Ereütz kommen gen Wingarten, wie
von Alther her, on allein die von Ravenspnrg, sy haben auch
um das um das heilig Blntt durch ir Statt wie von Alther
her zc ficrcn nit gebetten, ans das sind wir Frytags hin gegen
der Stadt, zu dem Bild in der holen Gassen geritten, und
darnach gegen dem Kamer-Briel und das gantz Feld nmb wie
von Alther her, es ist auch kain Mensch von Ravenspnrg,
mit geritten noch gangen, der Landtrichter ist sclbs mit uns
geritten, und sonst gar vil Vvlck, das wyr der von Raven-
spurg nit bednrffen haben, der Landtrichter hat nur bis; auf
die Kuppele» renttcn wollen, hat es aber mein Herr Groß-
Keller und wyr all nit thun wollen, sey hotten villicht gedacht
inan (ä) tratzitz, da mit bedcrften sey wol die Wcrru nach
uns zu thvn haben.

Gnediger Herr auf heut Dato. diß Brieffs haben die von
Ravenspnrg allen den Bürgeren und Jnnwoneren Frowen
Znngfr. und Alten gebotteu bey eines (b) Gantz Straff, daß
taincr Man noch Frowen hinder kaiir Meß mer Stand noch
Gang gen Wingarten in die Ow, gen Sant Christinen noch
andere Ortt, da mit will ich mich E- Gn. alls M. Gn. Herren
bevclchcn, Dat. Wingarten am Pfingst Montag Anno * 1546.
E. Gn.

Underthäniger williger
Diener Hans Kain.

(a) Alan trotzte sie, wodurch sie Ivol ein Geivaltthätigkeit gegen
uns hätten niiderfangcn därffeu.

(b) Bey einer Raths-Stiaff, daß Niemand mehr auf Weingarten,
in die Olv, daß ist, Weissenau, noch St. Christina, einer nächst Jtavcn-
spurg gelegenen, und Weissenau zugehörigen Pfarr-Kirchen, gehen solle,
alldvrten ein H. Meß zu hören.

* 1346. Juxta antiq. Lat. tune usitatarn Litt. Dom. fuit C.
Aureus Numerus 8. Consequeuter Pascha illo Anno incidit in
25. April. Ascensio 3. Junij. Pentecoste in 13. Junij, & proxima
Feria 2. da in 14. Junij.

Zn mercken, daß man discn zweyen Briefstil desto siche-
re,l Glauben beymcssen könne, je gewiser es ist,-daß deren
Originalien in unserem Weingartischen Archiv fleissigist anf-
behalte» werde», welche mit der Zeit eiwann nützlich dienen
mögen, daß Alterthnm nnsers H. Blut-Ritts, und den glück-
seligen Wohlstand der einstens gantzen Gut-Römisch-Ehatho-
lischcn Löbl. Reichs-Stadt Ravenspnrg nnlaugbar zu probieren,
und zu erweisen.

Und diseö solle nun der Schluß scyn des; Ersten Theils
von gegenwärtigem Büchlein. Hoffe anbey aber, daß die all-
da gewiß treulich-gegebene gründliche. Ülachricht Von unserem
Weingartischen heiligisten Blut dem günstigen Leser nit unan-
genehm vorfallen werde, weilen bißhero, so vil bekannt, so
anßführliche nit zum Vorschein gekommen.

Miszellen.

Seltene alle Biüuzen aus Oberschlvaben. Die drei
Reichsstädte Ulm, Uebcrliugeu und Ravensburg hatten nach H. v. Fabers
numismatischer Kenntnis der europäischen Staaten eine gemeinschaftliche
Münze. Die erste Seile (Avers) derselben zeigt den Ritter St. Georg
zu Pferd, das bloße Schwert gegen den Drachen au fhebend, mit der
Umschrift! dl I nova : tri um : Civitat : Sueviae; die zweite Seite

(Revers): in einer Einfassung den einfachen Adler, mit den Wappen-
schildern dieser drei Städte, darüber die Jahrzahl 1502. Umschrift in
Mönchsschrift: Ulm. . Ueberling. . Ravenspnrg. Das Reichsstädtchen
Isny i. A. ließ nach derselben Quelle (S. 704) eine Münze prägen,
deren Vorderseite einen einköpfigen Adler mit der Umschrift: None . no .
Civitatis . Isni . 28. und bereit Rückseite das Stadtwappen zeigt, wor-
über ein einfacher Adler mit der Umschrift schwebt: Gra. Caroli . Rom.
Rex. — Weiter kennt man (nach dem Thalerkabinett, p. m. 756, Ham-
burg. Remarqu. 1707, S. 33) einen ungemein seltenen reichsstädtisch
Jsnyschen Thaler ans den Jahren 1536 und 1538, dessen Avers einen
Adler weist, in dessen Brust ein Hufeisen ist mit der Umschrift: No.
Civitatis Isnensis, 1536. Aeußere Umschrift: Lab umbra alarum tuarum
absconde me. Der Revers zeigt ein geharnischtes Brustbild mit der
Umschrift: Karolus V. Ro. Imp. Au. Aeußere Umschrift: Reddite,
quae sunt Caesaris, Caesari, et quae Dei, Deo. — Der gleiche Thaler
findet sich mit der Jahrzahl 1538. — Bei der Ende März und anfangs
April d. Js. von Adolf Heß in Frankfurt a. M. abgehaltencn Ver-
steigerung der bekannten R eimann scheu Münzsammlung kamen
von Städt cthalern n. a. zum Aufgebot zwei Thaler von Jsny,
welche 600 M. und 505 M. erzielten und ein Thaler von Kempten
ans dem Jahr 1537, welch letzterer 300 M. brachte. Das höchste
Interesse dieser interessanten Mllnzanktion erregte eine Thaler-
klippe von Rottweil aus dem Jahr 1623, die Perle der ge-
nannten Sannnlnng, welche nach einer dramatisch belebten Scene
für den hohen Preis von 2550 M. zugeschlagen wurde. Der Gesamt-
erlös aus der zweiten Abteilung dieser Münzauktion, deren Rest diesen
Herbst noch unter den Hammer kommen soll, betrug 150 000 M. Bck.

Danneckers „Schiller" und der „dicke Friederich" dazu!
Die Schillerbiiste bildete Dannecker dreimal. Zuerst lebensgroß, zu
der ihm Schiller selbst in Ludwigsburg saß. Schiller schreibt d. d.
Stuttgart, 17. März 1794: „Er modelliert jetzt meine Büste, die ganz
vortrefflich wird." Göthe meldet dem Freunde ck. d. Stuttgart, 30.
August 1797, daß er in Dnnneckers Werkstätte gewesen. „Was mich
besonders frappierte", schreibt er, „war der Originalansguß von Ihrer
Büste, der eine solche Wabrheit und Ausführlichkeit hat, daß es wirklich
Staunen erregt. Der Marmor ist darnach angelegt und wenn die
Ausführung so gerät, so giebt es ein sehr bedeutendes Werk." Als
Schiller starb, schritt Daunecker zur Kotossalbüste, willens, dem
gr0ßen Jugendfreunde in Württemberg ein Denkmal 5it
fetze n. Dem Götterhaupt wurde schon in der Werkstätte vielfache Ver-
ehrung gezollt. Die Witwe Schillers betrachtete lange schweigend und
sinnend die edlen Züge; dann rief sie ihren Söhnen mit den rührenden
Worten: „Kinder küßt dem Manne die Hand, der eure» Vater s 0 fort-
leben läßt!" Der Großherzog von Weimar, dem der Meister die Büste
nicht abtreten mochte, heftete »achdcnkeud den unverwandten Blick auf
sie und empfing dankbar die Huldigung, die ihm in ein paar Rosen
beschert wurde — sie waren für ihn vor das Marmorbild gelegt. Kur-
fürst — nachmals König — Friedrich von Württemberg nahm gleichfalls
das Kunstwerk in Augenschein und ans die zürnende Falte in der Stirn
deutend, bemerkte er:' „Da sitzen die Räuber!" „llnd hier (um den
Mund) die Elisabeth", entgegnetc Dannecker, nämlich die Elisabeth in
„Don Carlos". Die Büste befindet sich nun in der Großherzoglichen
Bibliothek in Weimar, ebenso wie das Originalmodell; ein zweites Ex-
emplar besaß Graf v. Schönborn zu Wiesentheid in Bayern auf seinem
Gute Gaybach. Eine Kopie in karrnrischcm Marmor ziert das Schiller-
zimmer im Schloß in Weimar. — Dannecker lieferte weiter für die
Walhalla bei Regensburg eine Büste Schillers von mittlerer Größe und
eine von Gluck. —ck.

Propst Burkhard von S chuss eur ied-U rs berg. — lieber
diesen ans der Stadt Biberach a. Riß stammenden Prämonstratenser-
propst, den Verfasser des bekannten Cronicon Urspergense, und seine
Chronik enthält das „Neue Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche
Geschichtskunde" im 16. Band, 1890, Heft 1, S. 115—1'34 einen be-
achtenswerten Aufsatz „zum Chronicon Urspergense" von Th. Liudncr,
in welchem tvir übrigens etwas Neues nicht zu finden vermochten.

—ck.

I g naz Stahl, geb. zu Schwäbisch-Gmüud, wurde am 4. No-
vember 1743 von der katholische» Universität zu Dillingen a. D. zum
Doktor deS kanonischen Rechts kreiert und bald darauf als Professor
desselben augestellt.

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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