Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1892

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rir. 22.

von Schwaben.

1892.

Zur Geschichte des Klrkkgsues.

(AnS dem Nachlaß des rastlosen Lokalgeschichtsforschcrs Pfarrer
Joh. Ev. Schüttle in Seckirch.)

(Fortsetzung.)

Es sei hier »och eines Mannes erwähnt, von dem alte
OrtSchrvniken und Sagen manches zn erzählen wissen. Im
Jahre 1657 kam ein fremder vornehmer Mann, der sich
Philipp v. Emmerich von Stoll in Sachsen nannte, dessen
eigentlicher Name aber ein Geheimnis blieb und nur dem
Abte von St. Blasien bekannt war. Vor seiner An-
kunft hatte er sich von einem andere» Glaubensbekenntnisse,
man weiß nicht, von welchem, zur katholischen Kirche ge-
wendet und erhielt die Priesterwürde. Er baute, eine Viertel-
stunde von der Propstei entfernt, eine Kapelle nebst Wohnung
und Laboratorium und ließ einen großen Garten dabei an-
legen. Hier lebte er einsam und nur von einem einzigen
Jungen bedient, brachte seine Zeit mit Gebet und religiösen
Verrichtungen zu, machte chemische Experimente und richtete
sein Augenmerk hauptsächlich dahin, wie er den sog. Stein
des Weisen finden- oder Gold machen könne. Bei wichtigen
Angelegenheilen wurde er von den Aebten zu St Blasien zu
Rate gezogen und verweilte oft mehrere Tage daselbst. Als
kr am 19. Januar 1669 von St. Blasien zurnckkam, siel er
vor seiner Klause ohnmächtig nieder und starb kurze Zeit
darauf. Etliche Jahre darauf wurden Kapelle und Wohnung
auf den Abbruch verkauft und zuletzt noch die Fundamente aus-
gegraben, so daß jede Spur davon vertilgt ist und man nicht
einmal mehr weiß, wo sie gestanden.

Vor Aufhebung der Zehnten bestund hier auch eine sog.
Kastenvogtei.

Gen.-Lexik. S. 96 und 97. Auch Abt Gerbert bringt
diese Erzählung.

Nachtrag: a. 1157 nimmt Papst Adrian 1V. St.Blasien
in seinen apostolischen Schutz mit allen dessen Zellen, darunter
Beran mit den dazu gehörigen Kirchen, nämlich Berau, dann
Nuchilka (Ncukirch in Schafhausen). In Berau ist hier die
Pfarrkirche gemeint; Ominge» und Hochmcnmnugcn im Land-
kapitel Wurmlingen, das früher auch zn Berau gehört hatte,
»lid Schwerzin.

Wittnau

>st ein Pfarrdorf 1 st- Stunden südwestlich von Freiburg, ge-
hört den Freiherrn v. Berstett. Es kommt schon a. 786 vor.
. 873 besaß St. Gallen hier Güter; später gehörte der Ort
en Herren v. Schncwlin-Bollschwcil und nach deren Aus-
jierben kam es an obige Grundherren. Gen.-Lex. S. 1157.

Nach Gerbert war Wittnau eine sog. St. Blasianische
Felle. Gleich anfangs des 12. Jahrhunderts haben vor zwei
Bertholdeu, nämlich dem Herzog von Zähringen und dem
Grafen v. Neuburg (in der Schweiz) die drei Brüder Arnold,
Heinrich und Erchinbvldns, Edle v. Warth, die Kirche und
^üter in Wittnau an St. Blasien gegeben. Nachher aber
hat Abt llto von St. Blasien daselbst eine Klause gebaut
Und zu Ehren des hl. Gangolfs geweiht, welcher Haupt-
1'atron war. Eine Urkunde aus dem Jahre 1168 besagt, daß
Berthold, Abt von Staine, das Gut Gupho dcu Brüdern

von St. Blasien und dem hl. Gangolf zur Nutznießung an-
gewiesen habe. Von den Schenkern v. Warth wurden Erchen-
bald und Heinrich Mönche in St. Blasien und ersterer hat
im Aufträge des Abtes erstmals die Probstei der neuen
Pflanzung geleitet. I, 408. Im Jahre 1178 gehörten zn
Weitenau (Wittnau) die Kirchen in Wisilet und Ettenniberg.
III, 103.

Sitzenkirch,

Dorf und Filial von Obereggeneu, Amts Mühlheim, liegt in
einem Seitenthale des Kauderthals. Werner v. Kaltenbach
stiftete hier im Jahre 1125 ein Frauenkloster vom Benedik-
tinerorden, worin seine Gemahlin und Tochter den Schleier
nahmen. Abt Günther von St. Blasien überließ a. 1151
das ihm a. 1125 von Heribord geschenkte Gut zu Sitzenkirch
diesem Stifte. Im Jahre 1240 den 14. Dezember vertauschte
dieses Kloster an Burkard v. Eschechon, seine Gemahlin und
Söhne, die Bürger in Rheinfelden waren, seine Besitzungen
im Dorfe Wilen gegen Güter in Schalbach. Der Vertrag
geschah in Susenberg. Anwesend waren der Prior Otto,
Probst Hermann, Heinrich, genannt Bruling von Bürgten;
unter den Rittern: Konrad, Ministerial von Sizenkirch, Hein-
rich v. Rheinfelden , Eselin genannt. 111,142. Im Jahre 1151
war Sitzeukirch immerhin schon St. Blasien unterworfen.

- Später verließen die Nonnen das Kloster und zogen
nach Gnttuau; als aber Rudolph v. Wilcr die Güter von
Sitzeukirch an sich ziehen wollte, mußten die Nonnen a. 1261
wieder hieher znrückkehren. Der nämliche Rudolph verbrannte
nun Sitzeukirch im Jahre 1272; es wurde jedoch bald wieder
aufgebaut. Gen.-Lex. S. 1028.

Im Jahre 1277, 16. Januar, hat Frater Jncelerius,
Augustinermönch, Bischof Budnensis, zwei Altäre in dieser
Klosterkirche geweiht; den oberen zn Ehren Jesu Christi und
seiner hl. Mutter, der Heiligen Hilarius, Nikolaus und Cä-
cilia; den unteren zu Ehren des hl. Kreuzes, der hl. Bcne-
diktus und Blasius. Auf die Kirchweihe und Oktav, welche
am Sonntag nach Christi Himmelfahrt gehalten wurde, wie
auf die Feste der obigen Heiligen und die vier Marienfeste hat
er 80 Tage Jndnlgcnz verliehen.

Schon vor 1305 wurde durch St. Blasianer Herren da-
hier Gottesdienst gehalten. In diesem Jahre hat Königin
Agnes für ihren Gemahl, König Andreas sel. von Ungarn, eine
tägliche Messe mit 40 Malter Beesen zu Bürgten gestiftet.
Unter dem 13. November 1305 verordnete nun Abt Bert-
hold, daß diese hl. tägliche Messe auf dem von besagter Agnes
neu errichteten Altäre gelesen werde. Die Meisterin in Bürglin
hatte diese 40 Maller Beesen, Breiögaucr Meß, in vier Raten,
a 10 Modii per Quartal, an den Probst zu Bürglen zu
reichen und bei schlechter Witterung dem cclcbricrenden Priester
ein Pferd nach Sitzeukirch zn geben. III, 245.

a. 1306 den 15. November wurde den Frauen von Sitzen-
kirch vorgesckrieben, daß jeden Tag eine hl. Messe gesungen
oder — gelesen werde — in liturgischen Gebeten durch sie
und daß der Gottesdienst nie unterlassen werden dürfe. An
Festen, wo die Frauen die 12 Lektionen zu beten haben, sei
durch St. Blasianer ein feierliches Amt zn halten. Gezeichnet
'in St. Blasien am Tage des hl. Ottmar 1306. Ill, 247/48.
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