Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1893

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Pontifex: o faustum diem — -—- — —

Quo convenire nos in unum contigit(!)

Utinam interesset populus omnis foederi
Applauderetque — — — — — •— —

Karl: — — In Treue fest Hab' ich

Verbunden mich mit Dir und bind' mich jetzt aufs neu',

Papst: O Tag des Glückes — — — —

Da wir uns eiu'gen konnten! Wenn doch alles Volk
Könnt' Zeuge sein und jubelnd Beifall rief'

Dcni Bunde — — — — — — —

Diese Freude des Papstes teilt sogar der Himmel und
sendet seinen Engel, den Beifall des ganzen himmlisches Hofes
zu überbringen. Klemens verspricht dem Kaiser Hilfe und
dieser läßt sich zu den Worten hinreißen:

Promissione hac roboratus spondeo
Quodcunque ab armis pendet auxilium — —

Gestärkt durch dies Versprechen nun gelobe ich,

So weit es von den Waffen abhangt, Hilfe —

Doch der Papst fällt ihm warnend in die Rede:

nisi

Necessitas extrema te tili urgeat(,)

Non suaserim arma ; si tarnen fieri secus
OportetQ haud deerit tibi unquam Ecclesia.

Sohn!

Picht möchte ich, wenn nicht die höchste Not Dich drängt.

Die Waffen angeraten haben; muß jedoch
Es anders sein, läßt Dich die Kirche nie im Stich.

Die Bischöfe Augsburgs, Otto von Truchseß uud Hein-
rich von Knöringen hielten denselben Standpunkt fest. Sie
sorgten zunächst, dem liebet des Irrglaubens durch bessere
Bildung des Klerus abzuhelfen und so die Krankheit an der
Wurzel zn fassen. In den freventlich provozierten Kriegen
standen sie treu auf des Kaisers Seite.

Die Beratungen zwischen Kaiser und Papst werden indes
abstrakt fortgeführt in der folgenden Scene und zugleich auf
den Kardinal übergeleitet.

2. Die Catholische Religion klagt der Weiß heit
die Verwüstung des Teutschlands durch die
Ketzeret) / vund begehret raht vnd hülff. Die
W e i ß h e i t ermahnet sie/ solche Hohe Schulen z u
erbawen I darinnen die Jugend nicht allein in
weltlichen Künsten / sondern auch / vnd vil mehr
in guten Sittenvnd Tugenden / v uderw iesen werde.
Raht jhr ein solche Hohe Schul von Otkoire Lar-
clinule zu begehren. Welcher anß begierd seinem
lieben Vaterland z n h e l f f e n / sich d a r z u willig
crzaigt.

Rel.: — nemo resistit, nemo serpentem impedit(.)

Sapientia: Quid agunt sacerdotes.

, Rel.: Canes muti hiscere

Verentur — — -— — — — — —

Religion: — und niemand widersteht und hemmt der

Schlange Lauf.

Weisheit: Was thun die Priester?

Rel.: Stumme Hunde, hüten sie

Sich wohl, zu bellen — — — — — —
also a clero! daher der Rat, (tridentinische) Seminarien an-
zulcgen:

Rel.: Fac ergo excitentur o Sapientia.

Musaea passim, ut sit studendi occasio

— — Sapientia: rarior cygno nigro

Patronus est huiusmodi in Germania

— — Rel.: — •—• nescio

Cur Cardinalis Otlio se ferat obvium

Rel.: So laß, o Weisheit, Musenstätten da und dort
Erstehen, daß Gelegenheit zum Studium
Gegeben sei! — — — — -r- — •— —

— — Weisheit: Es ist so selten nicht ein schwarzer

Schwan,

Als ein Patron von solcher Art in deutschem Land.

— — Rel.: — — ich wüßte nicht,

Warum der Kardinal dagegeit sollte sein?

Jetzt tritt Otto im Gespräch mit „dem Pfalzgrafen" auf.
Ma» kann wohl nur an Friedrich, nachmals Friedrich II.
Kurfürst von der Pfalz 1544—56 denken. H

Otbo: Palatine graves infestant tumultus bellici
Germaniam. Pal.: audivi praesul maxime.

Otho: Timeo. Pal.: quod anxius times ? ego
Non abieci animum, miserebitur Deus — —

Otho: Mein Pfalzgraf, schwerer Kriegessturm Germanien
Bedräut. Pfalz graf: Ich hörte es, v großer Kirchenfürst!
Otho: Ich fürchte —

Psa lzgras.: Ei, was fürchtest Du so ängstlich? — Ich
Hab' noch den Mut, nicht fahren lassen, Gott wird sich
Erbarmen — — — — — — — —

Er hofft — und hoffte bis an sein Lebensende, die große
Frage friedlich beilegen zu können. Er täuschte sich, wie
viele andere.

Unterdessen kommen Sapientia und Religio auf Otto
zu und ergreifen die Gelegenheit, ihre Bitte anzubringen:

Sap. et Rel.: — ■— ignoscimus

Otho lubentes, si lubentem te quoque
Praebueris ad Germaniae justas preces.

Otho: Egon’ preces Germaniae contemnerem
Qui natus in Germania — — — — —

') Er war vor seinem Regierungsantritt gilt katholisch gesinnt.
In seiner Jugend „den österreichischen Prinzen eng verbunden" (Häußer,
Geschichte der rheinischen Pfalz, II. S. 509), war er dem antihabs-
burgischcn Getriebe der Bnndler nie Freund; brachte auch Ludwig V.
(1508—44) von solche» Wegen, namentlich Verbindungen mit Frank-
reich, wiederholt ab und dem Kaiser näher. Vorübergehend schloß er
sich den Schmalkaldeucrn an, nachdem er 1546 durch die Kommunion
unter beiden Gestalten sich offen als Protestant bekannt halte. Doch
war er „für den Protestantismus nie begeistert" (l. c. S. 600). Das
Interim bewirkte bei ihm sogar eine Reaktion, „wenn auch keine päpst-
liche", so doch so, „daß die Blüte des Protestantismus litt" (!). Häußer
ist schlecht auf ihn zn sprechen, besonders da er nicht radikal verfuhr
wie Moriz (! vgl. 1. c. S. 605 ff.). Er war ja schon alt und „wer
ivollte von einem fast siebenzigjährigen Greis fordern, noch einmal ohne
Erfolg Freiheit und Gut zu gefährden" (sie! S. 604). Seiner Ver-
mittlung verdankt besonders der Heidelberger Fürstenbnnd seine Ent-
stehnng. (E. März 1553.) Interessant >väre ein Vergleich mit Otto,
der von Anfang an den streng kirchlichen Standpunkt festhielt, und
Albrecht V., der seine Vermittlungsversuche nach Erkenntnis ihrer Nutz-
losigkeit aufgab. Sicher finden sich bei seinen Biographen ähnliche Miß-
griffe vor, wie bei denen Albrecht V. Es wäre dankenswert, auch seine
Geschichte neuerdings eingehend zu behandeln. Er hatte ein warmes
Herz für die Leiden Deutschlands. Der Kaiser schätzte und liebte ihn
(vgl. das «et tu Brüte!« Jansscn, G. d. D. B. Bd. III S. 596). Papst
Julius III. behandelte ihn und die Pfalz mit besonderer Aufmerksamkeit
(Häußer l. c. S. 605). lieber seine vielseitige Thätigkeit siche Janssen,
besonders Band II und III. In unserem Stück tritt er als Freund
einer wahren Reform und besonders als Freund der Universitäten auf.
Er that viel für die Universität Heidelberg (Häußer h c. S. 608 ff.).
Otto hatte weitreichende Verbindungen, schon durch seine Studien an
verschiedenen Hochschulen Mitteleuropas, noch mehr als Kardinal, er
hatte viele persönliche Freunde, warum sollte nicht der Pfalzgraf dazu
gehören, der in seiner Weise ebenso für das Land besorgt war, wie Alb-
recht V. von Bayern und der Kardinal Karl von Lothringen, beide
Ottos Freunde. Vergleiche übrigens noch Braun, Gesch. der Bischöfe
v. Augsburg, Band III. S. 450, 490, 491, 492. Umsomehr ließe sich
Häußers verbissene Schlußbemerknng erklären: Friedrich habe „jeden
anderen Beinamen eher verdient, als den des Weisen, den ihm elende
Schmeichelei taktlos und wie aus Ironie bcigelegt hat" (I. c. S. 629).
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