Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1893

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Llieben und erst im Jahre 1648 sandte der Bischof von Kon-
stanz einige Geistliche zur Aushilfe.

1648.. In diesem Jahre, am 24. Oktober, ward endlich
der von allen Deutschen so heiß ersehnte Friede zu Münster
in Westfalen unterschrieben und mit größter Feierlichkeit ans-
gerufen. — Aber mit diesem Friedensjahr kehrte noch lange
nicht Ruhe, Ordnung und Wohlstand im Kloster zurück. Noch
sind überall nur leere Wände, und diese zerrissen und mit
MooS bedeckt. Wenige Geistliche, und selbst für diese kein
Geld, kein Brot, keine Geräte, keine Dienstleute, weil Mangel
an Menschen überhaupt; das ganze Kloster baufällig, nirgends-
wo er unverstümmelte Zehnten und Zinse;, herber Druck von
Gläubigern, bei den Schuldnern kein Gehör; nötige, aber
nur durch neue Schulden mögliche Herstellung der überall
umher niedergebrannten Gebäude. Der 1650 erwählte Propst
Johannes Weser verlebte unter diesen traurigen Umständen
seine Tage. Er starb 1660. Seine Nachfolger hatten mehr
denn 50 Jahre zu thnn, bis die Schuldenlast getilgt und alle
Schäden des langen Krieges nur einigermaßen wieder gut ge-
macht waren. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts mußte mit
dem gänzlichen Umbau des Klosters begonnen werden, da es
700 Jahre schon stand und überall einzustürzen drohte. Die
Kirche wurde ebenfalls neu anfgebant und erst im Jahre 1738
vollendet.

Vom siebenjährigen Krieg wurde Deutschland nicht be-
rührt und genoß die Segnungen des Friedens. Als aber im
Jahre 1796 die Franzosen in Deutschland einfielen und die
Rheinarmee mit General Moreau an der Spitze innerhalb
drei Wochen ganz Schwaben überschwemmte, wurde Kloster
Beuron durch enorme Kriegsstenern, Erpressungen und Schaden-
feuer entsetzlich heimgesucht. Nicht nur die Kasse des Stiftes,
auch Kredit und Mnndvorräte waren völlig erschöpft; viele
Lehenhöfe, die Sennerei und zahlreiche Scheunen waren durch
das Kriegsvolk niedergebrannt, und die Klosterbrücke über die
Donau hatte daS Hochwasser zerstört.

Im Jahre 1802 entschied daS Säkularisationsedikt Beu-
rons Schicksal. Nach einem mehr als tausendjährigen Bestände
wurde das Kloster dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen über-
geben. Dir Augustiner-Chorherren starben anö, der Prälat
als letzter lebte bis zum Jahre, 1823. Das Stift war teils
leer gelassen, teils zu profanen Zwecken verwendet, bis es
durch Vermittlung einer edlen Fürstin ans dem Hause Hohen-
zollern den Benediktinermönchen Maurus und Placidus
Wolter angeboten wurde, welche zuvor schon am Rhein
versucht hatten, den Benediktinerorden in Deutschland wieder
neu zu beleben. Man fing an, die zum Teil verfallenen
Gebäude herzustellen und zu Pfingsten 1863 konnte der Gottes-
dienst in der großen Klosterkirche feierlich eröffnet werden.
Beuron wurde das, was es. in früherer Zeit solange gewesen,
eine Stätte des Segens für die ganze Umgegend. Leider ver-
trieb der preußische Kulturkampf die friedlichen Mönche schon
in den siebenziger Jahren aus dem kaum gegründeten Asyl
in alle Welt hinaus. Doch der Segen Gottes haftete sich
buchstäblich an ihre Ferse, „die Benroner Kongregation" ist
seither wunderbar erstarkt und gewachsen und hat in Oester-'
reich, Belgien und England weiteste Verbreitung gefunden.
Durch die veränderten politischen Verhältnisse in Preußen
wurde es den Mönchen in neuerer Zeit ermöglicht, die ver-
ödete Abtei Beuron wieder zu beziehen — zur Freude der
katholischen Bevölkerung nicht bloß Hohenzollerns, sondern auch
der Nachbarländer. Dem Erzabte Or. Maurus Wolter war
es noch vergönnt, die Rückkehr seines Ordens zum Mutter-
kloster zu erheben; aber bald darauf ereilte ihn nach kurzem

Krankenlager der Tod. Er verschied am 9. Juli 1890, aufs
tiefste betrauert von der ganzen großen Ordensgenossenschaft,
die in ihm ihren Begründer und Vater, ihr Haupt verlor
Die Fürstin Katharina von Hohenzollern (geborene Prinzess!»
von Hohenlohe-Waldenburg, Witwe des 1853 verstorbenen,
ehemals noch souveränen Fürsten Karl von Hohenzollern),
die Mitbegründerin und hohe.Protektorin der Benroner Bene-
diktiner, gab ihren eigenen, längst fertiggestellten Sarg zw
Beisetzung des Erzabtes, welcher im Chor der Abteikirche zu»
ewigen Ruhe gebettet wurde. — Die Fürstin starb am letzte»
Januar in hohem Greisenalter zu Freiburg im Breisgau, wo
sie die letzten Jahre zugebracht. Vorher bewohnte sie lange ji
Zeit ihre nahe bei Beuron gelegene Einsiedelei St. Maurus.
Doch als die ncnerbante strategische Eisenbahn das bis dahi»
weltabgeschiedene Donanthal nach Tuttlingen hin durchzog und
auch Beuron berührte, siedelte sie dorthin über und lebte i»
größter Zurückgezogenheit. Ihre irdische Hülle wurde in die
Hohenzollernsche Heimat überführt und nun ruht sie, angetha»
mit dem Gewände der Benediktinerinnen des dritten Ordens,
in dem fürstlichen Mausoleum zu Sigmaringen.

(Beil. „Angsb. Postz.".)

NrchivaliLir dos xhenr. CisterrrLnftr-Norrrren-
klosters Daindt bei Weingarten.

Geordnet und bearbeitet von Renz in Regensbnrg.

(Schluß aus deni Hauptblatt.).

1700. Novbr. 9. Altdorf. Quittung des Johan»
Christoph Hofer, Landwaibels in Schwaben über von Georg
Bücher einpfangene 100 Gulden gebührenden Abzug von de»
1000 Gulden Kaufssumme für das Gut und die Reben, des
Barons Reichlin in Haldenberg. Pap. 657.

Line die et anno. (ca. 1700.) Beschreibung des
Waldes Nonnenbnch, mit Vermerk auf der Rückseite, „ist
gegen den Homberg Weyher a. 1715 vertauschet worden"

(s. unten). 658.

1713. April 4. Wolfegg. Schreiben der gräflich
Wolfeggischen Oberamtleute an den Kloster Baindtischen Amt'
mann Johann Michael Tanner, in welchem Wolfegg nach
Baindt rektifiziert, daß dieses die Feldmessung vornehmen z»
lassen verpflichtet sei. Pap. m. Oblatensiegel. 659.

1715. Juli 5. Tauschvertrag zwischen der Herrschaft

Wolfegg und dem Reichsgotteshaus Baindt, nach welche!»
letzteres das Holz Nonnenbuch gegen den Humberger Weihe»
vertauscht. Pap. Kopie. 660.

1716. Aug. 18. Wolf egg. Schreiben der gräflich

Wolfeggischen Oberamtlente an den Kloster Baindtischen Amb
mann Johann Michael Tanner, die Ausmarkung einige»
Baindtischen Hölzer zu Engelweiler betreffend. Pap. ii»
Oblatensiegel. 661.

1717. Mai 15. Wolfegg. Tauschbriefskonzept des
oben verzeichneten Vertrages zwischen Wolfegg und Baindt.

(s. 1715. Juli 5.) ‘ 662.

1719. Novbr. 15. itiib 1722. März 11. Wei w
garten. Zwei Briefe des Abtes Sebastian von Weingarte»
an die Aebtissin Maria Anna von Baindt, deren nachgesuchte
Moderation der Matriknlarbeiträge betreffend. Pap. m. Lack- jj
siegel. 663.

1723. Oft. 2. H er sch b erg. Schreiben des Pate»
Colnmban Schwärz, Großkellers zu Ochsenhansen, zurzeit i» i
Herschberg bei Jmmenstad an den Kloster Baindtischen Ober-M
amtmann, betreffend eine von der Aebtissin von Baindt an das ,
Kloster Ochsenhausen gestellte Bitte um ein Anlehen von 1000,:
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