Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1894

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dem Bruder Willibald Maurer bis auf weiteres als Franzis-
kauer bleiben. Als Quardiau hat Laug durch sich selbst und
den P. Elzer iit den katholischen Orten der Oberämter Gmünd
und Göppingen den Termin fortzusetzen und zu besorge». So-
wohl der Quardiau P. Lang als der P. Elzer Arnold haben
sich nach allen Kräften in der Pastorat besser
z n befähigen (!), insbesondere durch Aushilfe in den um-
liegenden Landpfarreien sich zn üben und nach längstens einem
Vierteljahr eine diesfallsigc Prüfung vor dem Dekan und den
beiden Kooperatoren Vogt und Ade zu erstehen, wovon das
Resultat mit den Zeugnissen über ihre Dienstleistung und per-
sönliche Fähigkeit an den g e i st l i ch e n Rat eingeschickt werde»
soll. Das Direktorium an der lateinischen Schulanstalt und
der Kirche, zweite Stadtkirche zn St. Ludwig genannt, hat
provisorisch der erste Präzeptor Ferdinand Messerschmid unter
der Aufsicht des Dekans zn führen. Die lateinische Schnl-
anstalt ist im Franziskaner Klostergebäude, Kollegium genannt,
unterzubringen. An der Pforte und im Kollegium
darf kein Almosen mehr ausgeteilt werden und
in der Rechnung passiert dieser bisherige Aus-
gabePosten nicht mehr. Die Bettler sind ganz
von dem Collegio ab zu treiben. Das bisher am
Samstag angezündete Licht soll unterbleiben und zn den Al-
tarlichtern verwendet werden. Die Knltkosten in der Kirche
sollen von allem Ueberfluß und Mißbrauch gereinigt werden.
Die eigentlichen KlosterstiftnngSmessen müssen von den drei
übrigen Franziskanerpatres, solange dieselben leben, gelesen
werden. Diejenigen gestifteten Jahrtäge und Messen dagegen,
wofür die Gebühren ans einer andern Kasse bezahlt werden,
z. B. der Westernachsche Jahrtag, müssen von den drei Prä-
zeptoren fortan übernommen werde». Die willkürlichen Meß-
stipendien bleiben demjenigen Präzeptor, dem sie gegeben werde»,
die den drei Franziskanerpatres zukommenden müssen von ihnen
zu ihrem Unterhalt in die gemeinsame Administration abgegeben
werden. Ebenso fällt der Ertrag von ihrem Termin und
ihrer Pastoralaushilfe in die gemeinsame Klvsterökonomie.

14 Jahre nachdem der Quardiau Lang von der Leitung
der Gmünder Lateinschule entfernt worden war, stand an ihrer
Spitze der spätere Bischof Li pp von Rottenbnrg. Derselbe
giebt in seinem Schulbericht vom September 1824 über seine
persönlichen Verhältnisse folgendes an: „Lehrer dieser (obersten)
Klasse ist Joseph Lipp, geboren zu Holzhausen, OA. Gail-
dorf, den 24. März 1795, wurde den 18. September 1819
zum Priester geweiht. Hierauf diente er 3U Jahre als Pfarr-
verweser zu Unterböbingen, OA. Gmünd, und dann ebenfalls
3U Jahre als Vikar zu Ulm, von wo ans er den 31. März
1821 als Repetent in den K. Konvikt, nunmehriges Wilhelms-
stift, berufen wurde. In Tübingen wurde er den 13. Januar
1824 zum Oberpräzeptor an der lateinischen Schule zn Gmünd
ernaimt und ist nun auf seiner gegenwärtigen Stelle seit
Ostern dieses Jahres."

Unter der Rubrik „Wünsche des Lehrers" bringt
Oberpräzeptor Lipp folgendes vor: „Der Unterzeichnete wünscht
für das Beste der hiesigen lateinischen Schule nichts dringen-
der, als daß der Lehrer der französischen Sprache Honig in
Ruhestand versetzt würde. Wenn auch kein Unterricht in der
französischen Sprache gegeben würde, so würden die Schüler
dennoch nichts verlieren, sondern vielmehr gewinnen. Sie
würden nichts verlieren, weil sie dann nichts weniger lernen
würden, als eben die französische Sprache nicht, wie sie
selbe auch bei dem gegenwärtigen Lehrer nicht lernen, sondern

vielmehr eine Abneigung gegen dieselbe bekommen müssen.
Auf der andern Seite aber würden sie gewinnen, einmal an
Zeit, und was besonders zn berücksichtigen ist, sie würden vor
manchen Unarten bewahrt bleiben, zu denen sie jetzt durch
die Flüche, rohen Ausdrücke, durch unzeitigeö Toben und
Schlagen des Hönig verleitet werden."

Die Erbitterung der Schüler gegen den genannten fran-
zösischen Sprachlehrer Hönig muß groß gewesen sein, da nach
einer Resolution des K. Studienrats vom 27. November 1820
eine Reihe von Schülern (darunter auch der spätere Dom-
kapitular Thaddäus Ritz imb der nachmalige Dogmatikpro-
fessor Johannes Kuhn) mit je vier Stunden Karzer bestraft
wurden, „da sie sich erfrechten, ohne Auftrag von ihren Eltern
den Namen derselben in einer gegen ihren Lehrer (Hönig) ge-
richteten Schrift zu unterzeichnen."

Die beiden eben genannten ehemaligen Gmünder Latein-
schüler Ritz und Kuhn erhalten am 1. Mai 1821 folgende
Zeugnisse: Johannes Kuhn, Sohn des Gastgebers in Wäschen-
beuren, OA. Welzheim, 15 Jahre alt, Gaben: sehr gut, Sitten:
gut, Kenntnisse: sehr gut. Das gleiche Zeugnis erhielt Thaddäus
Ritz, Sohn des Gastgebers in Gmünd, 15lls Jahre alt.

Der spätere Oberregiernngsrat Anton Kaufmann,
Sohn des ch Goldschmieds und Handelsmanns, geb. den 30.
August 1811 zu Gmünd, erhält unter dem 25. Juni 1825
folgendes Zeugnis: Fähigkeilen sehr gut, sehr leicht und
schnell und für die Dauer fassend, Fleiß: sehr groß, Fortgang:
sehr gut, Charakter und Sitten: sehr gut, offen, ganz lenksam.

lieber den nachmaligen Generalvikar Anton Oehler,
der von Weilderstadt nach Gmünd kam, heißt es in der Schü-
lertabelle von 1825/26: „Nach dem bestehenden allgemeinen
Stildienplan hat jeder Schüler zwei Jahre in der dritten
Klasse zu bleibe». Oehler befindet sich in dieser Klasse im
ersten Jahre; es wäre ihm aber zu gönnen, daß sein Alter
(16 Jahre zurückgelegt), sei» Talent, Fleiß und Fortgang
gnädigst berücksichtigt werden und er die Erlaubnis erhalten
möge, mit dem Anfang des nächsten Wintersemesters in das
obere Gymnasium ülstrzntreten."

Von dem späteren Prälaten Schwarz wird im Jahre
1836 zum Zweck Les Landcpamens folgende Charakteristik
gegeben: „Schwarz/" Franz Joseph, hat sehr gute Geistes-
gaben, mit welchen (er einen unermüdlichen Fleiß verbindet.
Sein umfassendes nüd treues Gedächtnis, seine richtige Ur-
teilskraft beweist er "besonders in Behandlung der Realgegen-
stände, aber auch mit ebenso großer Sicherheit in Behandlung
der alten Sprachen. Er komponiert mit ebenso großer Leichtig-
keit als Sicherheit, wenn er sich gleich erst im dritten Jahre
damit beschäftigt. Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß
Schwarz, wenn er die Prüfung mit Erfolg besteht, sich am
Ende des nächsten Jahres unter den ersten seiner Mitschüler
befinden werde. Für das Zeichnen und die Musik beweist
er ebenso viel Liebe als Geschick und macht im ersteren auch
große Fortschritte. Er ist sehr gutmütig und weichherzig,
bescheiden und lenksam. Sein Aeußeres ist ernst und ein-
nehmend.

Manchem Leser dieser Zeilen steigt vielleicht die Erin-
nerung an die Zeiten auf, die er einst an der Gmünder La-
teinschule zubrachte. Dieselbe hat sich zum letzten Fronleich-
namsfest eine neue Fahne angeschafft, auf der noch viele
Schulden haften. Wenn der eine oder andere ehemalige Schüler
sich bewogen fühlt, zn Ehren des Gottes, der seine Jugend
erfreute, ein Scherflein beizutragen, wird es den Schreiber
freuen. " (Beil. „Deutsch. Volksblatt".)

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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