Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1894

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von Schwaben.


Nus einem schivästischen Meichsstifte im vorigen
Jahrhundert.

Bon Amtsrichter n. D. Beck.

(Fortsetzung.)

In, Bnchaner adeligen Damenstifte, das seit einigen Jahr-
hunderten schon oerwelllicht war (Aebtissin wie Stiflsdamen
durften wieder austreten n»d in den heiligen Ehestand treten;
diese verweltlichten Damcnstiftc waren in Wahrheit eigentlich nur
standesgemäße Versorgnngsanstalten für adelige nicht in den Hafen
der Ehe gelangte Töchter und der geistlichen Behörde ein Greuel),
herrschte im 18.Jahrh. ein sehr weltliches Lebe»; ein Fest und eine
Herrlichkeit jagte die andere; der größte Jubel herrschte aber,
wenn eine der namentlich von adeligen Witwern gesuchten und
begehrten Stiftsdamen, ivelche ein anderer Zeitgenosse (aber
ein Laie) mit den, Titel „Jungfern im ziveiten Saft" be-
legte, Braut wurde, wobei freilich die zurückbleibenden im
Innerste» ihres Herzens oft weniger gut sahen. Die Folgen
einer solchen Wirtschaft konnten nicht ansblciben. Buchau
war trotz seiner schönen Einkünfte und Besitzungen wenigstens
schon fünf Jahre vor der Mediatisierung gantmäßig und hatte
die Zinszahlung sistiert. Mit dem Gotteshaus Schussenried
stand daö Damenstift schon von längerer Zeit her nicht ans
dem besten Fuß; im 18. Jahrhundert lhat „des heiligen rö-
mischen Reichs Deutscher Nation Fürstin und Aebtissin des
kaiserlich gefürsteten sreiweltlichen Stiftes Buchau, Erbfrau
zu Strasberg rc." mit ihren Damen den, Nachbarkloster allen
möglichen Schabernack an, weshalb der Annalist dieselben mit
folgender Satire geißelt:

„Weiberzorn wer wird wohl dämmen?

Wer wi d deren Wiilc» hemmen?

Die als Feind sich ungesagt!

Willst was von der Rcgnl sage»,

Deren sie sich längst cntschlagcn.

Und vom Stift hinausgejagt?

Würdest Ocl ins Feuer gießen,

Wan» schon der Nonnen Brot sie g'nießen.

Wvllcns doch nit Nonnen sein,

(sic!) Warten mir mit bitl'ren Schmerzen
Bis die Wünsche ihrer Herzen
p'aden sic ins Brantbctt ein!"

Das üble Verhältnis steigerte sich bis zur Säkularisation
immer mehr; ja eine der letzten Fürstäbtissinnen konnte sich
gar nicht enthalten, sich einigemale gegenüber dem Prälaten
von Schussenried zu unterzeichnen: „Ihre stets feind nach-
barliche", statt „fre und nachbarliche"! Die letzte Fürst-

äblissin, Gräfin Maximilian» v. Stadion, welche Schubart
(in seiner D. Chronik, II. Jahrgg., 13. St. vom 13. Febr. 1775,
S. 104) als eine Dame „voll Verstand, Geisteshoheit und Her-
zensgüte" schildert, war eine der vorzüglichsten Vorsteherinnen
dieses Damenstifls. — Um nochmals ans Abt Ivo v. Waldsee
znrückzttkommen, so ließ sich derselbe durch diesen immerhin
recht unangenehmen Zwischenfall nicht anfechten; im Gegenteil
unternahm er noch in hohen Jahren einen Klosterncnban und
war dabei überall hinten und vorne; leider sollte ihm derselbe
zum unerwarteten Tode werden. „Dieser unvergeßliche, liebe
alte 82jährige Herr wollte am 17. Mai 1754 beit Neubau
i» Augenschein nehmen; er stieg hinauf und wollte zu einer

Thür hinaus, vor welcher vorher ein Gerüst angebracht war;
weilen aber dieses eben zuvor weggethan worden, er aber
solches nicht wußte, mithin seinen alten Weg zu den Ar-
beitern nehmen wollte, riß er ersagte Thüre schnell ans, schritt
hinaus und stürzte so elendiglich bei 5 oder 6 Klafter Tiefe
hinunter, so daß er wenige Tage darauf in Gott selig ver-
schieden. Dieser war auch wahrhaftig ein trefflicher, frommer,
wvhlhansender Prälat, und wegen seiner angeborenen Faceticn
und seines lnstigen Humors von jedermännigliche» geliebt und
veneriert. Bei ihm mußte jedermann wegen seiner kuriosen
und ingeniösen Einfälle lachen; auch Hcraclit selber. Dabei
der modus proponendi das gratioseste war; sogar nach
seinem schrecklichen, tödlichen Fall sagte er scherzweise, er
habe so hoch hcrnntcrfallcii müsse», daß cs ihn recht „gc-
blanget", bis er wieder hinunter gekommen. Er war Jubilar
und von männiglich als ein L rev. Vater gehalten, R. i.
sancta pace!“

Sein Nachfolger wurde P. Anton Jolcr von Gebraz-
hofen, zuvor ebenfalls Beichtvater zu Haböthal; „es wollte zwar
bei dieser electkm einige Differenzen absetzen, maßen die z»
Konstanz nenanfgestellte kaiserliche Repräsentation dabei daS
praesidium nebst dem voto prätendieren, ja, wie man ge-
sagt , sogar der Konstanzsche RepräscntationS-Kommissarins
die Einnahme- und AuSgabsrodel des Gotteshauses samt de»
Schlüsseln vorgelegt habe» wollte; eS ist aber die Sach' endlich
dahin vermittelt worden, daß ersagter Kommissär im Nanien
der Kaiserin allein verlangt, daß wenn unter den wählenden
Kapitnlaren ein österreichischer Vasall vorhanden, der su-
biectum capax ad abbatiam wäre, sie denselben zum Prä-
laten erwählen möchten, welches dann auch ohne weitere
Schwierigkeiten den 24. Juni 1754 geschehen; den 26. darauf
wurde Prälat Anton durch den Weihbischof Grafen v. Fugger
benediziert, wozu Abt Dominikus Schnitzer von Weingarten
(geb. zu Kempten), welcher den großartigen Neubau seines
Stiftes begonnen und weit voran gebracht hatte, und unser
Abt Magnus Kleber zum Assistieren erbeten worden." Im
Jahre 1788 verfiel das Stift, dessen Archiv — nebenbei
bemerkt — spurlos verschwunden und bis jetzt nirgends zu
entdecken ist, nach' über 600 jährigem Bestände unter 22
Pröbsten und 10 Acbten der josephinischen sog. kleinen Sä-
kularisation, z» welcher die im 18. Jahrhundert nicht
selten in dessen Innerem ansgebrochencn Mißhelligkeiten und
die darüber bei der fürstbischöflichen Kurie zu Konstanz hcr-
vorgernfene Mißstimmung die Handhabe geboten haben mögen;
dem religiösen Bedürfnisse sei durch die Weltgeistlichkeit, das
seit 1649 errichtete Franziskanermannskloster und durch die
in der Nachbarschaft befindlichen vielen Gotteshäuser vollauf
gedient; — so lautete der Machtspruch; und die vielen schönen
Besitzungen dieses Gotteshauses, welche mit Gebäuden und
Fahrnis nackt damaliger Schätzung einen Wert von circa
600 000 st. repräsentierten, waren auch nicht zu verachten.
Demselben gehörten namentlich in früheren Zeiten viele
Adeligen, wie die von Waldsee, von Thann, von Snlge», von
Wolfurt rc. rc., von bedeutenden Männern und Vorstehern
u. a. Heinrich III. Graf v. Beringen (1344—1364), aus-
gezeichnet durch die Heiligkeit seines Lebens; Jakob III.
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