Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1894

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des Alois üou Nenmüller-Burgstall und der Maria Anna,
geb. Majcr. Ein weiterer Sohn des Franz Jos. von Frey,
P. Ambros Frey (geb. 1754 in Schussenried, f im Jahre
1826), widmete sich dem geistlichen Stande und wurde Be»e-
diktinermönch im Kloster Weingarten und war u. a. von 1786
Professor der Philosophie an der Benediktineruniversität zu
Salzburg, nachmals Gymnasialrektor in Ellwangen (v. „Schim-
melesherrle"). Ein Franz Jos. Frey (vielleicht ein Sohn
oder Vetter zu dem Schussenrieder Faktotum?) war um das
Jahr 1763 Rat und Kanzleiverwalter bei dem Grafen von
Königseck-Rothenfels. Eine Tochter deö Schussenrieder Fak-
totums, Anna Maria Klara Elisabetha Rosalia Frey (geb.
den 27. August 1738 in Schnssenried, ch ebendaselbst den
17. Januar 1833, alias 1832), bekam den späteren Schussen-
rieder Oberamtmann und ersten Rat deö Reichsstiftcs Al-
phons Maria v. Belli de Pino (geb. den 14. Mai 1737,
f in Schnssenried den 4. Januar 1800) zum Gatten. Auch
Belli war ein sehr angesehener und beliebter Oberbeamter;
leider starb er zu früh für die Herrschaft und seine Familie
in ernster schwerer Zeit, in welcher man seiner so dringend
bedurft hätte; ein wahrscheinlich von einem Klostergeistlichen,
vielleich P. Alex. Kirchmayer, gedichteter Nachruf „der Asche
des edlen lieben unvergeßlichen Belli de Pino" lautet:

„Herrschaft, Väter, Mütter, Söhne,

Trauern hier bei; diesem Grad.

Und der Seinen Schnierzens Thräne
Fließt so häufig ach! hinab!

Als Gatte treu, als Vater gut,

Als Christ voll Christen Muth,

Diensteifrig früh und spat,

Gerecht in Wort und Thal:

So schützt' Er mehr denn dreyßig Jahr
Bey herber Nolh und in Gefahr-
Des Bürgers Wohl, des Landmann's Habe
Mit schöner, selt'ner Richter Gabe.

Doch ach! der Edle sank ins Grab!

Und unsre Thräne fließt hinab."

Ans dcr Ehe Bellis mit Rosalia, geb. Frey, gingen
mehrere Kinder hervor, von welchen zwei Maria Anna Josepha
(in Schnssenried geb. 1767, f 1768) und Maria Elisabeth
(in Schnssenried geb. 1773, f 1776) laut dem zu ihrem
Gedächtnis in der Gottesackerkapelle zu St. Martin ange-
brachten Marmorplättchen schon in zartem Alter starben. Die
(den 15. November 1773 geb.) Tochter Maria Karolina
Belli de Pino ehelichte den Oberamtsarzt Dr. Jos. Ant. Fricker
(geb. in Wolfegg 1765, f 1833) von Laupheim und starb
daselbst am 6. Oktober 1825. Ihr Grabdenkmal ziert fol-
gende Inschrift:

„Selt'ner Verein von männlichem Geist und weiblichem Zartsinn,
Edler Humanität, christlicher Liebe und Treu'.

Reinen Herzens und heiter in Gott im Wohlsein und Leiden,
Wardst Du geliebt und verehrst, wirst Du nun schmerzlich vermißt.
Doch — im Laude, das uns auf ewig wieder vereinet,

Keimt aus der Thränen Saat Frucht des Ersatzes uns auf."

Ein Sohn Joseph Anton v. Belli de Pino trat in den
kgl. bayerischen Staatsdienst und wurde später Ministerialrat
im Ministerium des kgl. Hauses und des Aeußern in Mün-
chen und starb daselbst in einem Alter von 68 Jahren den
22. Februar 1833 (ebendaselbst am 24. ejsdem beerdigt)
mit Hinterlassung von drei Söhnen: Karl Alphons, damals
kgl. bayerischer Oberförster; Jos. Ant. und Max, beide kgl.
bayerische Offiziere; sowie von zwei Töchtern: Luise, Witwe
des sürstl. Wallersteinschen Hofkammerrats Grüner und So-
phie, Gattin deö kgl. -bayerischen Oberappellationsgerichtsrates
Haller in München. Eine Tochter dcr Bellischen Ehegatten

in Schnssenried, Maria Therese Thekla Kreszentia v. Belli
de Pino (geb. 24. September 1771 in Schussenried, f eben-
daselbst 7. Mai 1838), verheiratete sich mit dem letzten Schussen-
rieder Kloster-Oberamtmann und ersten Rat Anton Hyazinth
Gebel ans Rottweil, nachmaligem Notare, Ortsvorsteher
und Kanzleirat in Schussenried (1' daselbst 1834), welcher
Ehe drei Kinder entsproßten: Jos. Anton Gebel (geb. 1807
in Schussenried, H in Biberach 1886) Rechtskonsulent und
Stadtschultheiß daselbst; M. Rosalia Johanna Crescentia
Gebel (geb. 1801 in Schnssenried, f 1864 in Saulgau),
welche sich mit dem Obcramtsarzte Dr. Ferdinand Martini
in Sanlgau verehelichte, und M. Antonia Gebel (geb. 1808,
f in Schnssenried 1851), nachmalige Gattin des Apothekers
Karl Zeiler in Laupheim. Die Alphons Bellischen Ehegatten,
sowie Theodora v. Frey und Oberamtmann Gebel liegen auf
dem Gottesacker in St. Martin bei Schussenried begraben, wo-
selbst deren Grab- bezw. Gedenksteine noch erhalten sind.
Ein zu Weingarten im Jahre 1739 geborener Bened. Jakob
Maria v. Belli de Pino war vom Jahre 1771 ab Kaplan in Ra-
vensburg und starb daselbst im Jahre 1804; sein Gedenkstein ist
noch an der südlichen Mauer der dortigen Jodokskirche eingelassen
zu sehen. Die ans Oberitalien stammende Bellische Familie war im
17. Jahrhundert nach Deutschland gekommen und gab den kleinen
Herrschaften und Potentaten eine Reihe von Oberbeamten,
wie überhaupt die höheren Stellen an den kleinen Höfen,
Abteien re. meist in der Familie, sei es direkt, sei es durch
Heirat blieben. So war um das Jahr 1763 ein Alphons
Maria v. Belli de Pino Rat und Kanzleiverwalter im Stift
Weingarten (vielleicht der Vater des Schussenrieder Oberamt-
manns ?). Zn den bekanntesten Persönlichkeiten dieses Geschlechtes
zählte der über 6 Fuß große, vom Ritter K. H. v. Lang in seinen
Memoiren (Braunschweig, 1842) so köstlich verewigte Geheim-
rat, sog. „lange Belli", in Dienste des Fürsten v. Oettingen-
Wallerstein, welchen sein Herr, als Belli changierte, nur mit
Schmerz scheiden ließ und „ohne einen so himmellangen Hof-
rath, wie der Belli war, mehr zu bekommen". Das Bellische
Geschlecht blüht heute noch im bayerischen Staats- und Mili-
tärdienst fort. Ebenso existiert das Freysche Geschlecht noch
in Oberschwaben; aus der Ehe des Kanzleiverwalterö Fried.
Marquart v. Frey mit Theodora v. Nenmüller-Burgstall waren
vier Söhne: Franz Xaver (geb. 1774, verehelicht im Jahre
1808 wohin?), Jos. Friedrich (geb. 1777, f in Wolfegg
wann?), Anton (geb. 1782, f 6. Dezember 1812 wo?) so-
wie drei Töchter: M. Rosalia (geb. 1775, verehelicht nach
Weiterdingcn bei Wallerstein und daselbst f am 16. März
1862), Kreszenz (geb. im Jahre 1780, f 1827), M. Anna
(geb. 1785, f am 27. Mai 1816 zu Aulendorf) hervvrge-
gangen. Der jüngste Sohn Alvis v. Frey (geb. in Schussen-
ried 1789, verehelicht 1817, f im Jahre 1867 zu Ellwangen)
machte als württembergischer Generalstabsoffizier den russischen
Feldzug (1812) und die Freiheitskriege mit und wurde her-
nach Kreisbaurat in Ellwangen; dessen Söhne sind: der leider
viel zu früh f Professor Eugen Frey am Gymnasium zu
Ehingen, ein hoffnungsvoller Komponist (». a. von: »O esca
viatorum«) und dcr prakt. Arzt Frey in Munderkingen; auch
leben noch einige Töchter des Alois Frey.

Spezieller Vertreter der schwäbischen Reichsprälaten auf
dem Reichstage von Regensburg war im vorigen Jahrhundert
längere Zeit Thad. v. Kolb (vielleicht identisch mit dem Rother
Kloster-Oberamtmann und Rat Jos. Thad. v. Kolb?). Schns-
senriedscher Bevollmächtigter beim Reichshofrat in Wie» war-
um daö Jahr 1750 der Reichshofratsagent Alois Edler
v. Gay, des hl. römischen Reiches Ritter; beim Reichs-
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