Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 1.1850

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grund, nichts von Bedeutung darbietet. Ebenso ist die „Bri-
gitten -Au" weniger von allgemeinem als speciellem Interesse,
doch vielleicht gerade deshalb Manchem ein erwünschtes Blatt,
das sich ebenfalls durch zierliche und künstlerische Behandlung
auszeichnet, wie denn auch die sehr kleinen Darstellungen aus
der „Umgegend bei Oedenburg" äusserst niedlich gehalten und
fein und sauber durchgeführt sind.

Schliesslich noch die Bemerkung, dass es stets erfreulich
und dankenswerlh ist, wenn mit besonderem Talent begabte
Künstler danach streben es nach den verschiedenartigsten Rieh-
tungen auszubilden, und so nicht nur dem Einzelnen, reichbe-
güterten das Monopol des Kunstbesitzes überlassen, sondern auch
dem weniger Bemittelten dadurch Gelegenheit wird, sich an
guten und gediegenen Werken zu erfreuen. Möge dies Streben
der Künstler möglichst tief Wurzel fassen, sie würden nicht
nur die Kunst fördern, vielmehr gleichzeitig sich selbst dadurch
nützen. II. Weiss.

Zeitung.

"E öerlttl, im Dec. Wie alljährlich hat auch zum dies-
jährigen Weihnachtsfeste der Künstler - Unterstützungsverein
Transparent-Gemälde in der Akademie der Künste auf-
gestellt, welche Abends unter herrlicher Musikbegleitung des
königl. Domchors gezeigt werden. Es gehört schon seit sie-
ben Jahren zur angenehmen Gewohnheit, diesen ernsten und
erbauenden Genuss unter den Weihnachtsschaustellungen zu
finden, der ausserdem noch das Gute darbietet, die Kenntniss
der Werke klassischer Meister durch treue Nachbildungen mei-
stens in der Grösse des Originals, welche auch nicht wie die
Kupferstiche die Farbe unterschlagen, dem grösseren Publikum
zugänglich zu machen. Wir sehen diesmal „die Verkündigung"
nach Guido Reni aus der Hauskapelle Paul V. auf dem Quirinal,
„die Anbetung der Hirten" nach Rubens aus der Pinakothek
zu München, „Christi Darstellung im Tempel" nach Overbeck's
Zeichnung aus den 40 Darstellungen (bis auf Lebensgrösse ver-
grössert), „die heilige Familie auf der Rückkehr von Aegypten"
nach Rubens, aus der Sammlung des Herzogs v. Marlborough
zu Blenheim, die „Madonna del pesce" nach Rafael und den
oberen Theil seiner „Transfiguration." Die Copieen geben gröss-
tentheils auf eine sehr gelungene Weise den Styl und die Fär-
bung der vorgeführten Meister wieder. — Wir würden es übri-
gens nicht unangemessen finden, wenn unsere Künstler bei die-
ser Gelegenheit eigne tüchtige Original-Compositionen vorfüh-
ren wollten, wozu sie ohnehin bald durch äusserliche Gründe
gezwungen werden dürften. Ohne Zweifel würde das Ganze
dadurch an Einheit und Zusammenhalt gewinnen.

Eine andere Schaustellung lag diesmal ebenfalls in den Hän-
den der Kunst. Die „Kunstgenossenschaft", einer der zahlreichen
hiesigen Künstlervereine, hat die dekorative Ausschmückung des
Mäder'schen Saales übernommen, und denselben in eine Schwei-
zerlandschaft umgeschaffen, deren Felspartieen, Häuser-Vor-
sprünge und Veranden durch die Fernsichten begrenzt werden,
welche man an den Wänden auf die Jungfrau und andere
Punkte hat. Eine Kapelle mit einer Copie der Sixtina und
am Eingange eine Statue Tell's von Drake d. j. modellirt,
sind ebenfalls passend angebracht. Ein Nebensaal enthält eine
Kunstausstellung von Werken hiesiger Maler und Bildhauer.

Noch dürfen wir das berühmte Dioramen-Lokal vonGro-

pius nicht unerwähnt lassen, das sich diesmal mit seinen man-
nigfachen vergrösserten Räumen in den kaiserlichen Prachtpallast
von Cairo, in die Gärten, Hallen und Kiosk's, in Palmen und
Blumen-Boskets und Stalaktiten-Grotten mit kunstvollen Spring-
brunnen umgewandelt hat. Das Alles macht halb im Mondschein,
halb durch Illumination beleuchtet einen zauberhaften Eindruck.
Zweckmässig angebrachte Dioramen und strenge Durchführung
des Styls unterstützen denselben.

Soxdson, 30. Nov. In der alten kleinen Kirche zu Penally
(in der Nähe von Tenby), welche gegenwärtig restaurirt wird,
wurde vor einigen Tagen die Entdeckung gemacht, dass die
inneren Wände in einer merkwürdigen sternförmigen Manier
bemalt gewesen sind. Nachdem man mehrere Kalkschichten
fortgeschafft hatte, fand man alle Oelgemälde, Figuren darstel-
lend, die in Kettenpanzer gekleidet waren, an den Wänden ge-
malt. Sie waren vollkommen gut erhalten und schienen aus
dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert zu sein. Man fand
ferner im Innern des Gebäudes zwei Stücke eines mit dem
Grabstichel bearbeiteten Steines, welche einen Theil eines hüb-
schen, wenngleich verstümmelten Schaftes, von einem jetzt auf
dem Kirchhofe stehenden Kreuzes ausmachten. Die Inschrift
auf dem Stein war vollkommen leserlich. Es sind Kopieen so-
wohl von dem Mauergemälde als von dieser Inschrift gemacht
worden, um der näheren Untersuchung von Alterthumsforschern
überwiesen zu werden.

Die Herren Dr. Barth und Dr. Overweg haben auf
ihrer afrikanischen Expedition eine für die Kunst, wie für
die Alterthums-Wissenschaft wichtige und interessante Ent-
deckung gemacht. Sie fanden nämlich in dem Wadi Telis-
sare — etwa 20 englische Meilen westlich von Wadi Elauwen
(welches, nach ungefährer Schätzung, 110 englische Meilen
westlich von Murzuk liegt) — einige äusserst merkwürdige Fel-
sen-Sculpturen. Eine dieser Sculpturen besteht aus zwei mensch-
lichen Figuren mit einem Vogel- und einem Stierkopfe, welche,
mit Speeren, Schilden . und Pfeilen bewaffnet, um ein Kind
kämpfen. Die andere bildet eine schöne, geschickt ausgeführte
Gruppe Ochsen, die im Begriff sind, nach einem Wasserplatze
zu gehen. Nach der Meinung beider Reisenden tragen die bei-
den Kunstwerke eine überraschende und unverkennbare Aehn-
lichkeit mit den ägyptischen Sculpturen. Sie sind offenbar sehr
alt und stehen höher als viele andere neuerdings von Reisen-
den gefundene Sculpturen, auf welchen gewöhnlich Kameele
dargestellt sind. Sie beziehen sich höchst wahrscheinlich auf
jene Periode der alten Libyschen Geschichte, als Kameele in
jenem Theilo Afrikas unbekannt und Ochsen an deren Stelle
gebräuchlich waren. (Athen.)

Novltsttenschau.

Umrisse zu Göthe's Iphigenie auf Tauris, gezeich-
net von Hermann Heide]. In Kupfer gestochen von H. Sa-
gen. 8 Tafeln mit Text. Queer-Fol. Preis:4Thlr. Berlin
1850, bei Franz Duncker.

Beriehtlgiing.

Seite 400 Spalte 2 Zeile 2 von oben ist statt: an dem Schlüsse, zu lesen:
vor dem Schlüsse.

Der heutigen Nummer liegt eine Beilage von Geiger in Nürnberg bei.

Verlag von Rudolph und Theodor Oswald Weigel in Leipzig — Druck von Gebr. Unger in Berlin.
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