Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 7.1856

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wiederum sehr glänzend und kamen, wenn auch nicht in der Zahl der Bilder,
doch in der dafür wirklich gezahlten Summe, denen der vorigen Ausstellung von
1854 gleich. Sie betrugen im Ganzen 89 zu der bedungenen Gesammtsumme
von 2200 Ld'or. Davon kamen folgende 37 zum Verloosungsankauf:

Ahlhorn in Bremen, Fruchtstück. — Ainmüller in München, Inneres
der St. Lorenzkirche in Nürnberg. — Albr. Adam in München, ein Pferde-
stall. — Bamberger in München, spanische Landschaft. — I. Bergmann in
München, Interieur. — Daiwaille in Brüssel, Gebirgslandschaft. — van
Deventer im Haag, Blick auf das 3) vor Amsterdam. — von Enhuber in
München, der politische Schuster. — Christian Grabau in Bremen, Einsie-
delei bei Brannenburg in Tyrol. — Remy van Haaneu in Wien, Waldpartie
aus den mährischen Karpathen, Sommerlandschaft. — Hi lg ers in Düsseldorf,
Schloß Etgendorf bei Jülich. — Holmberg in Düsseldorf, westfälische Land-
schaft. — Hulk in Amsterdam, bewegtes Wasser. — Derselbe, desgleichen.—
Jacob Jacobs in Antwerpen, der Golf von Smyrna. — Joh. Adam Klein
in München, Roßmarktscene auf der Theresienwiese. — Klombeck in Cleve,
Winterlandschaft. — Will). Linnig in Antwerpen, die Spieler. — Millncr
in München, Hasen in einem Krautacker. — Chr. Morgenstern in München,
Abendlandschaft. — Munter in Bremen, Landschaft aus der Umgegend Bre-
mens. — Nehr in München, die St. Leonhardskirche in Frankfurt a. M. —
Aug. Ortmans in Paris, Landschaft. — G. Queutell in Bremen, zwei
Jagdhunde. — Raven in Düsseldorf, der Chiemsee. — Rosenthal in Mün-
chen, Landschaft bei herannahendem Regen. — van Sch endel in Brüssel,
Flußansicht mit Schiffen, Mondbeleuchtung. — Sch euren in Düsseldorf, ein
Jagdschlößchen im Herbst. —'Schlesinger in Düsseldorf, eine schwäbische
Wittwe. — Adolf Schmidt in Münster, Winterlandschaft mit Staffage. —
Schulten in Düsseldorf, Abendlandschaft. — Cornelis Springer in Am-
sterdam, Stadtansicht (in Amsterdam). — Ed. Steinbrück in Berlin, die Eiche
am Teich. — Thurau in Constanz, Abend am Bodensee. — Friedr. Voltz
in München, Idylle. — G. Wedemeyer in Bremen, der schlecht bewachte
Posten. — Wolfram in Berlin, Waisenkinder auf der Wanderung. — Zu-
sammen zu dem Betrage von 700 Ld'or.

Es bleiben demnach folgende 52 als Privatankäufe übrig: Carl Becker
in Berli», Steinmetzwerkstatt in Venedig. — Bischofs in München, oberfrän-
kisches Gänsemädchen. — van Bommel in Amsterdam, Ansicht zu Delft. —
Adelheid Dietrich in Erfurt, Blumen und Früchte. — Fr. Dürk in Mün-
chen, Violinsolo mit Begleitung. — Duntze in Bremen, der Genfersee mit dem
Montblanc. — August v. d. Embde in Cassel, ein aus dem Garten kommen-
des Mädchen. — Este pp ay in Bremen, Flußansicht. — Fay in Düsseldorf,
der erzählende Pilger. — Derselbe, italienisches Genrebild, Abend. — Chr.
Grabau in Bremen, Gebirgslandschaft, Mondbeleuchtung. — Raphael Grün-
ler in Düsseldorf, ein holländischer Matrose, seinem Kinde die Uhr vor's Ohr
haltend. — Hengsbach in Düsseldorf, der Oerlenbach auf dem Handeck. —
Heunert in Düsseldorf, Landschaft mit einem Kloster. — Hoeffler in Frank-
furt a. M., Bambusdickicht bei Sonnenuntergang. — Emil Jacobs in Gotha,
Esmeralda. — Ja ecke l in Berlin, See mit Fischerdorf. — Derselbe, Unter-
seen mit der Jungfrau. — Koch in München, Viehweide am Fuße des Wen-
delstein. — Korn eck in Berlin, die ermüdeten Kinder. — Kruseman von
Elten in Amsterdam, Haidelandschaft. — LasinSky in Düsseldorf, Fischerhütten
am Rhein. — A. Leu in Düsseldorf, norwegische Hochebene. — Lot in Düssel-
dorf, Waldlandschaft mit Thierstaffage. — Maswiens in Löwen, das Innere
der Kathedrale zu Burgos. — Caesar Metz in München, Gegend bei Civitella
im Sabinergebirge. — Millner in München, Partie aus dem Pinzgau in
Tyrol. — Moritz Müller in München, das Fensterln, Lichtbelenchtung. —
Munter in Bremen, Landschaft aus der Umgegend Bremens. — Elie Niehoff
in Arnheim, der Comersee. — Justin Ouvrie in Paris, der Liebessee bei
Brügge. — Pezenburg in München, die Heimkehr von der Jagd. — Pulian
in Düsseldorf, ein Kanal in Mecheln. — Hanno Rho mb erg in München, der
enge Stiefel. — Derselbe, der beste Schüler. — E. Rieck in Potsdam,
Strand aus der Bretagne. — Rüstige in Stuttgart, vor dem Geburtstage der
Großmutter. — Georg Saal in Baden-Baden, Mondlandschaft aus dem Fan-
nensjord in Norwegen. — Derselbe, Abendlandschaft der Sulitelma in Nor-
wegen. — P. van Schendel in Brüssel, alte Gemüseverkäuferin, Nachtstück.—
Derselbe, kleine Flußansicht, Mondbeleuchtung. — Scherz er in Hamburg,
Lootsenhaus zu Ostende. — Julius Schräder in Berlin, italienische Kinder,
vor einem Votivbilde betend. — Schulten in Düsseldorf, der Gang nach der
Alm. — Guillaume Souchon in Leipzig, Lektion des palermitanischen Fischers.
— Steinicke in Düsseldorf, norwegischer Fjord. — Eugen Verboeckhoven
in Brüssel, Schafe und Lämmer. — Verreyt in Bonn, Partie am Genfer See,

Mondschein. — V erwee in Brüssel, Landschaft, Sonnenuntergang, mit Staffage
von Eng. Verboeckhoven. — Julius Weyde in Berlin, die kleinen Nei-
der. — Ernst Millers in Rom, italienische Landschaft. — Cesar Willich in
Paris, Zigeunerin mit einer Eidechse spielend. — Zusammen zu dem Betrage
von 1500 Ld'or.

Mit diesem durch seine Länge erfreulichen, aber doch trockenen Verzeichniß
der Verläufe kann ich meinen diesmaligen Bericht unmöglich schließen, ohne ei-
nige wenige der hervorragenden Erscheinungen namhaft zu machen und diejeni-
gen kurz zu besprechen, welche meines Wissens im D. Kunstblatt noch keine Er-
wähnung fanden, auch zum Theil wegen ihrer Neuheit nicht finden konnten.

Daß die unbestrittene Krone der Ausstellung Schrader's vielbesprochener
„Leonardo da Vinci" war, werden Sie vielleicht schon ans den politischen Blät-
tern erfahren haben. In seinem Lobe über das Bild und namentlich über die
Zeichnung und die herrliche, venetianische Farbengebung war man vollkommen
einig und hegte, obwohl man in den ihm von Ernst Förster während der
Ausstellung in München gemachten Vorwurf (D. Kunstblatt 1854 S. 341) ein-
stimmen mußte, den lebhaften Wunsch, dem Meisterwerke eine bleibende Stätte
in unserer Knnsthalle zu sichern. Abgesehen von der Nichterfüllung dieses Wun-
sches, fanden fast alle anderen hervorragenden Erscheinungen ihren Käufer; nur
ten Kate's durch charaktervolle Auffassung und meisterhafte Technik ausgezeich-
netes Bild „die gute, alte Zeit Ludwigs XIV." blieb unverkauft. Anders ging
es mit dem „Violinsolo" des auf unseren Ausstellungen nur selten erscheinenden
Dürk, wo sich mit der ergötzlichen Heiterkeit des Geige spielenden Savoyarden,
den das Geheul seines Hundes und das Gackern der Hühnerköpfe begleitet, eine
kräftige, breite Behandlung verband. Durch ihren Humor und die geistreiche
Auffassung der Köpfe fanden auch hier, wie in München, Hanno Rhomberg's
oben genannte Bilder allgemeine Anerkennung, so daß man diese letzteren drei
im wahren Sinne des Wortes mit Rücksicht auf den Gedanken wie auf die
Ausführung für ächte Kunstwerke halten konnte. Das konnte man, ihnen gegen-
über, von manchen Düsseldorfer Genrebildern nicht sagen, die uns in ihrer Ge-
dankenarmuth die erste beste Kindcrstubenscene ohne Inhalt und besondere Ge-
müthliafteit und außerdem noch ohne technische Vorzüge verführten.

Im landschaftlichen Fache war L eu's gleichfalls genannte „norwegische Hoch-
ebene" eins der poetischsten Werke von ganz eigenthümlicher Composition, da es
uns von einer mit Rennthieren staffirten Höhe herab links eine Bergkette nicht
etwa in gewohnter horizontaler, sondern in vertikaler Richtung, und darüber die
wunderbar schönen Gebilde der Wolken mit den sie durchbrechenden Sonnen-
strahlen zeigte. Diesem Leu'schen Bilde schlossen sich, wenn auch in ganz anderen
Tonen, die erwähnten Landschaften Saal's als zwei Meisterwerke an, nament-
lich der vom Monde beschienene Fjord mit seinem Wasserspiegel. Auch unter
den deutschen Stimmungslandschaften, den Alpen- und italienischen Gegenden
hatten wir ausgezeichnete Leistungen aufzuweisen; unter den letzteren nameutlich
die große baumreiche Landschaft von Millers, von dem wir außerdem vor
Kurzem eine Reihe von Kohlenzeichnungen erblickten, die leider in der Kunsthalle
dieses Mal keinen Platz mehr fanden, aber ihn eher verdient hätten, als manche
schwache Oelbilder Anderer. Was die einfache Kohle in der Wiedergabe des
Laubes der italienischen Eichen und Cypresseu, wie der Felsen zu leisten vermag,
wenn sie in die Hand eines Künstlers geräth, der die malerischen Motive zu
finden weiß, davon konnte man sich nicht besser überzeugen, als durch diese un-
ter freiem Himmel in der Gegend von Ariccia und Otevano gemachten Zeich-
nungen. In gleicher Weise waren die Holländer mit ihren flachen oder hügeligen
Land- und Strandpartieu, wie mit ihren Marinebildern so reich und so würdig
vertreten, wie es nach den Katalogen der deutschen Vereinsausstellungen zu
schließen, schwerlich anderswo der Fall ist. Endlich habe ich zum Schlüsse noch
eines, wenn auch schon älteren, doch, wie ich glaube, noch ziemlich unbekannten
„Nordlichtes" von Gudin zu gedenken, also eines reinen Effektbildes, in welchem
des Künstlers bekannte Meisterschaft in den Wasserflächen und in der Perspektive
die der seltsamen Beleuchtung ganz angemessen seltsam barocke Felsenbildung
übertraf. H. A. Müller.

Die Kunstausstellung zu Hannover hat wieder glänzende Resultate.
Es sind von 660 Nummern, 79 Gemälde :c. angekauft, im Ganzen um 9855 Thlr.,
wovon fast 4000 Thlr. aus Werke von Düsseldorfer Künstlern kommen. Die
Einnahme für Eintrittsgelder hat 2018 Thlr. betragen und die Zahl der Aktio-
naire hat sich, zum Theil der beiden zuletzt ausgegebenen Vereinsblätter: Betende
und das Frühstück von Jonanin wegen, um 300 vermehrt, so daß sie sich
jetzt auf 2900 beläuft.

(Dieser Nummer ist eine Steinzeichnnng von C. Arnold beigegeben.)

Verlag von Heinrich Schindler in Berlin. — Truck von Trowitzsch nnd Sohn in Berlin.
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