Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Ebers, Georg [Editor]
Papyros Ebers: Das Hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift (Band 1): Einleitung und Text — Leipzig, 1875

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.3#0003
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
VORWORT.

Aiwei Jahre sind verrannen seit dem Tage, an dem ich vor Theben diesen Papyros als mein Eigenthum
mit mir an Bord meiner Dahabiah nehmen durfte; im Juli L873 war die Conservirung des zerbrechlichen
Manuscripts --ιι weil vorgeschritten, dass ich mit den Publicationsarbeiten beginnen konnte; tm Herbsi 1874
sehrieb ii li das imprimatur unto- die llOte und letzte lithographische Tafel, und im November desselben Jahres
konnte ich mit dem Druck des Textes beginnen. Die Fachgenossen werden die Schwierigkerl der von mir
ganz allein besorgten < lorrecturen, bei denen es keineswegs nur auf mechanische \\ tedergabe des < higinals
ankam, zu schätzen « issen und sich mit mir freuen, dass eine nachträgliche \ ergleichung der Publication mil
dem < Originaltexte die absolute ' lenauigkeit dei' vorliegenden Tafeln lieraiisgrstellt hat; sie werden auch die
Bedenken gerechtfertigl finden, welche mieli bestimml haben keine fortlaufende üebersetzung des Papyros diesem
Werke beizugeben. Wie viel bleibt noch gegenüber den Realien, welche in lateinischen, griechischen, hebräi-
schen, indischen und altarabischen Autoren vorkommen, zweifelhaft und um wie viel Längerund intensiver sind
jene Sprachen dun-IifniM-lii worden wie das alt ägyptische, dem erst seit dem Anfang dieses Jahrhunderts ein
kleiner Kreis von begeisterten Gelehrten .seine Kräfte widmet. Dabei möge man sich in die Lage des Nicht-
medieiiHTs versetzen, dem die Aufgabe gestellt ¡st, die Version eine- ärztlichen Werkes herzustellen. I eberall
um] iiliei.ill beengt ihn der Mangel an Ληι wichtigsten medicinischen und naturhistorischen Vorbegriffen, die sich
doch nur langsam erwerben lassen. Ausserdem war meine Kraft getheilt, denn ich habe mich der Verpflichtung
nicht eut ziehen dürfen zugleich mit dem vorliegenden Werke die eingehende Beschreibung der meisten Denk-
mäler am Nil (die Ptolemäertempel und die Heih'gthümer zwischen dem ersten und zweiten Katarakt «erden von
Prof. Dümichen behandelt) iür das bald erscheinende deutsehe Handbuch fur iegypten zu vollenden. Besonders
gegenüber den Namen der Medicamente und der inneren Theile des menschlichen Körpers fehlt noch die Erklä-
rung für eine grosse Anzahl von Gruppen, und ich würde gezwungen gewesen sein die yon vielen Seiten ersehnte
Veröffentlichung des vorliegenden hochwichtigen Documents noch Jahre lau» /u wivourni, wenn ich, ohne mei-
nem Grundsatze, nirgend aber die Schranken philologischer Genauigkeit hinauszutreten, untreu zu werden zu-
gleich mit dem hieratischen einen deutschen Text des hermetischen Buches über die Arzeneimittel hätte ver-
öffentlichen wollen.

Wenige Jahrzehnte ist es her. seitdem die junge Wissenschaft der ägyptischen Sprachforschung mit derselben
Strenge der Kritik zu operiren begonnen hat, welche die classische Philologie schon tange von ihren Jüngern for-
dert. Diese Strenge gegen mich selbst zu ¡dien schien mir mein Lehramt inni die Achtung vor nieiuei Wissen-
schaft1 als Pflicht aufzuerlegen. So lie-- ich manchen im Ganzen wohlverstandenen Satz, manche in ihrer Bedeu-
tung kaum zweifelhafte Vocabel unübersetzt, um nicht den Vorwurf auf mich zu laden, von der kritischen Methode
<\ι•ν Aegyptologie, für die ich in Wort und Schrifl mil allen mir zu foliote stehenden Mitteln einzutreten be-
strebt bin, abgewichen zu sein. — Der Charakter des vorliegenden Werkes hat ausserdem etwas so monumentales,
 
Annotationen