Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Zeitung für Einsiedler: Zeitung für Einsiedler — Heidelberg: Mohr u. Zimmer, 1808

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.1493#0129
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
immer mehr geworbeu, das um Rache schrie, hat der
Himmel sich erbarmt, und es ist groß Wunder zu sehen
gewesen. Alle die zu Stücke gehauenen Sonette, sind
wieder lebendig worden, als Epigramme, ein einzig
Klingding hat oft tausend Stechdingcr gegeben, und die
crboßt und erbittert im Herzen, sind nun alle auf den
grausamen Fetzer losgefahren, und haben ihn dermaßen
mit ihren Stacheln accomodirt, daß er seinem Moloßus
nachgefahren ist. Haben sich dann auf die saphischen
Oden geworfen, und sind lästerlich mit ihnen umgegan-
gcn, und nehmen die Bestien nun gar keine Raison an,
und wiithen fort unter den Feinden, und ist zu besor-
gen, daß nun der all zu vielen Leichen von beyden Sei-
ten wegen, eine PMenz entstehen möge. Aber die
Nation der Sonette ist ein für allemal ausgerottct. Nur
ein Einziges ist davon gekommen, ein armes Waysen-
kind, dessen Vater ein Grieche vor zwcytauscnd Jahre»
gestorben ist, während die Mutter glorreich io der
Schlacht sich verblutet hat. Das arme Kind, die wun-
dersame Creatur, ist ganz nackt und erfroren, und zit-
ternd vom Schlachtfeld weggelaufen, und ist in einer
Guitarre oder Korset glücklich durch die Vorposten gekom-
men.

Der Ein si edler und daS Klingding,
nach der Schlacht bei Eichstädt.

Ein Clairobskür slir die Lcscwelt/ Scitenstück z« Fritzchens Reise
durchs ABC.
Der Schauplatz ist bey Eichstädt in Thüringen.
( Inneres einer Einsiedlerzelle, deren Architektur
nach der Ballenschnur arrs Makulatur, seine Kutte
bestehl aus Korrectur, sein Betstuhl aus Litteratur,
und er selbst auS Natur, man hat die Aussicht durch
sein Fenster auf ein entferntes Schlachtfeld, und
hört das Getöse einer Schlacht, welches jedoch
ganz wie das regelmäßige Geräusch einer mä-
henden Sense (alt Zense eeneso rccensiren) klingt,
dann und wann wird die Sense gedengelt, während
dem hört man unsäglich viel zerbröckelte Zam-
merstimmen von lauter sterbenden Vierlingen und
Drillingen, meistens Mädchen, sie reimen sich alle
unter einander, und klingt das ganze wie ein kun-
terbunder Wunder-Zunder, der in einer Dunstkünst
Brunst zerzischet, dann erhebt sich wieder der Sen-
senstrich mit Juchhei und Heiderlei, Schwärme von
Klmding Singer Solchen ziehen durch die Luft,
die Sonne neigt sich zmu Untergang, Has Ganze

ist alles von Stuckatur, und wer am letzten lacht,
der lacht am besten.)
sDcr Einsiedler tritt von seinem Fenster.)
Sonnet.
Klingdinger Seelchen seh ich gleich ägyptschen Plagen
In Mückenwolken, die er scheut, die Sonn umspielen,
Als wollten sie schon todt, den Punschwunsch doch er-
zielen,
Die Morgenröthlichkett der Zukunft anzusagen.
Zu viele fraß der Feind für seinen schwachen Magen
Die Seelen zwicken ihn von tausend Gänsekielen,
Die am HcuschrcckenStag durch seine Sense sielen,
Sich sieifling geistlos mat der Heiden Schach wird
schlagen.
Last das GypSkrokodill still am Jdyllennile
Hcrodisch schlummer steif im Mückenmord erstarren,
Beim Heumondneumond schleicht Ichneumon ihm in Na»
chen.
Zu den perplexsten Aexten finden sich anch Stiele,
Wir stilisiren sie aus Knarrer Pfarrer Sparren
Und wachen, lachen ob dem schwachen zachen Drachen.
Sonnet.
Aber ich will noch nicht ganz verzagen
Es werden die kleinen Reimdinger,
Die süßzuckcrichten Gedankenzwinger,
Diese Karfunkel mit Honigseim Schlinger,
Wohl nicht all rwn einem Krankensinger,
In einem Tage seyn erschlagen.
Ich will ein Siegesliedlein ins Hackbrett schlagen
Damit die winzigen Martyrkronenringer,
Die Reimgcleimten drei KönigSbobnenfinger
Die Glaubtraubschraubenden Kreuzthyr'uSschwinger, .
Wie ächte Kreuzluftsvögeleinsluftspringer,
Sich dre Klingdinger in dem Tod betragen.
Kein klein Gebein soll unbegraben ragen.
Daß wenn ein Fabelknochen pochen wollt und fragen:
Welch Sönnlein hat dich Froschleichleichenbein gebleichet?
Solch Klingding nie schamröthüch Antwort reichet:
,Lch war Sonnet, und sonnte mich so nette
„Weil ich ein Sonnensohn und so ohn Bette."
sEr spielt das Hackbrett und singt:)
Auf Triumph es kömmt die Stund-
Da sich Zion die Geliebte,
Die Betrübte hoch erfreut,
Babel aber gehr zu Grunde
 
Annotationen