Fliegende Blätter — 36.1862 (Nr. 861-886)

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Was thut ein guter Hauswirth

Schon seit acht Tagen hatte nun der reiche Herr Schwcn-
kenfelder in Dresden am großen runden Tische gefehlt, um
welchen sich allabendlich die Stammgäste der Aschen Bier-
stube versammeln. Das war ein Ereigniß; noch mehr —
das war ein Wunder! Denn keiner der übrigen Stamm-
gäste wußte sich zu entsinnen, daß Schwcnkenfelder früher auch
nur einen einzigen Abend an der fröhlichen Tafelrunde ver-
mißt worden war. Eben dcßhalb aber siel sein Ausbleiben
jetzt um so mehr auf und verursachte den übrigen Gästen viel
Kopfzerbrechen.

Schwcnkenfelder ist durch Erbschaft ein reicher Mann ge-
worden. Drei schöne Häuser nennt er sein und, wie nian
sagt, soll er überdicß Geld genug haben, um sich auch noch ein
viertes und fünftes Haus zu kaufen, sobald er nur will. Es
ist doch fürwahr eine herrliche Sache, solch ein dreifacher Haus-
besitzer zu sein, und in der That bilden die Hauswirthe un-

nicht Alles für seine Miethleute!

ter den Menschen eine ganz besondere Species, welche eine so
große Menge Eigenthümlichkcitcn besitzt, daß man sic durchaus
nicht kann einer der ihnen eigentlich am meisten verwandten
Gattungen, wie Pcnsionairs, Rentiers, Aktionairs u. s. w.
einverleiben. Der Hausbesitzer ist ein wanderndes Rechcnexcm-
pel, eine unendliche Additionsaufgabe. Wo er geht un^> steht,
drängt sich ihm unabweislich das Bestreben auf, einer gewis-
sen Summe zehn Proceut, und dann wieder zehn Procent und
immer so fort zuzurcchnen, und die etwa sich ergebenden Bruch- !
theile bei dieser Rechnung in angcn- und ohrengefälliger Weise
so zu erhöhen, daß stets eine angenehm klingende, hübsche,
runde Summe sich daraus ergibt.

Schwenkenfelder ist ein Mann, auf den diese Kennzeichen
im höchsten Grade passen. Man würde ihm Unrecht thun,
wollte man ihn für geizig halten, allein er kennt keine höhere
Befriedigung, als die möglichste Steigerung der Rentabilität
seiner Grundstücke; er betrachtet seine Abmicther wie geistreiche
französische Werke, die nicht oft genug übersetzt werden können.

Um jedoch auch von Schwcnkenfelder's übrigen, mehr
menschlichen Eigenschaften zu sprechen, müssen wir wenigstens
erwähnen, daß er sich eines bedeutenden Leibesumfanges er-
freut und den Genüssen der Tafel durchaus nicht abhold ist.
Er findet das größte Vergnügen am Leben, und man kann
ihn durch nichts mehr erfreuen, als wenn man, von ihm zur
Abschätzung seines Alters aufgefordert, absichtlich mindestens
zehn Jahre zu niedrig rathet. Als echter Epikuräer hat er
eine unbeschreibliche Furcht vor dem Tode, und oft kann mau
ihn sehen, wie er beim Gespräche seiner Tischgenossen sich
plötzlich erhebt und fortgcht, blos weil man auf seinen Erz-
feind — den Tod zu reden kam.

Die besorgten Stammgäste haben schon beschlossen, als
auch am nennten Abende Schwcnkenfelder zur gewohnten Zeit

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Was thut ein guter Hauwirth nicht Alles für seine Miethleute!"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mieter <Motiv>
Schrank
Maler <Motiv>
Todesangst
Vermieter
Wohnung <Motiv>
Uhr <Motiv>
Stuhl <Motiv>
Tisch <Motiv>
Mieterhöhung
Gespräch <Motiv>
Aberglaube
Karikatur
Innenraum <Motiv>
Geschichte
Satirische Zeitschrift
Dresden

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 36.1862, Nr. 874, S. 105
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