Fliegende Blätter — 36.1862 (Nr. 861-886)

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Zum gra

gewahr wurde, verwundert aus: „Aber Bruder, wo hast du
nur das einzig prächtige Pferd her? das könnte ja ein Fürst
reiten!"

„Ein Fürst hat es auch bisher geritten, Dortchen," er-
widerte der Förster, behaglich schmunzelnd, „und was mehr sa-
gen will, Einer, der ein eben so guter und wackerer Reiters-
mann ist, als er ein tüchtiger Waidmann ist, und das kann
kein Andrer sein als mein durchlauchtigster Fürst und Herr."

„O, das ist ein Prachtpferd, Bruder," erwiderte sie leb-
haft, „du weißt, daß ich mich etwas darauf verstehe. Aber
wie bist du in aller Welt dazu gekommen?"

„Ach, das ist zu weitläufig, das will ich dir bei Tisch
erzählen", entgegnete der Förster. „Nun komm aber endlich!
der Braten wird ja seinen ganzen Duft verlieren."

Rasch ertheilte sie noch einige Befehle an den Knecht
hinsichtlich der Abwartung ihrer Stuten und daß sie durch
einen tüchtigen Standbaum von dem Hengste getrennt würden,
und ging dann Arm in Arm mit dem Förster in's Haus.
Bald saßen sie am Tische und ließen sich den Rehbraten
schmecken. „Aber du wolltest mir ja erzählen, Bruder, wie
du zu dem Schimmelhengst gekommen bist?" fragte, nachdem
der erste Hunger gestillt war, die Schwester.

„Ja!" lachte der Förster vergnügt schmunzelnd, „ich
Hab ihn eben halb gewonnen, halb geschenkt erhalten, wie du's
willst."

„Von deinem Fürsten?" fragte Dortchen.

„Von meinem durchlauchtigsten Fürsten, ja! so ist's",
erwiderte der Gefragte.

„Siehst du, ich ritt neulich mit ihm auf die Jagd hin-
aus. Ich wußte nämlich einen starken Feisthirsch stehen, et-
was weit oben im Gebirge, den wollt' ich ihm vortreiben.
Unterwegs ging's immer in scharfem Tempo; denn der Fürst
ist ein guter Reiter, und könnt es überdem nicht erwarten,
an den Hirsch zu kommen. Er schont die Pferde nicht.

Ging's so eben hin, blieb ich an seiner Seite; ging's
aber gegen den Berg, blieb ich oft auf meinem al-
ten Rappen, den ich bereits zwölf Jahre geritten,
zurück. Konnt's freilich auch in seinen besten Jahren
nicht mit diesem Schimmclhengst, den der Fürst gerade
ritt, aufnehmcn und jetzt um so weniger. „Lip-
polt, reit doch zu!" rief der Fürst ungeduldig, wenn
ich zurück blieb. Na! ich that mein Möglichstes und
hieb und prickelte den alten Rappen, daß mir's in
der Seele weh that. Denn das Thier hatte den be-
sten Willen, aber, weißt du, Dortchen, das Alter
nimmt die Kräfte und die Dauer weg. Eine Weile
ging's dann wieder gut, besonders wenn der Weg
eben war. Aber kam wieder ein Berg oder ging's
gar quer durch's dichte Unterholz ohne Weg und Steg,
dann blieb ich wieder zurück und dann rief der Fürst
wieder: „Was mährst du denn heute, Lippolt!

reit' doch zu!" Na, ich trieb meinen Rappen auf's
Neue an, daß mich's dauerte. Aber bald war ich
wieder zwölf bis zwanzig Schritte zurück. „Lippolt!

en Esel.

in des drei Deibels Namen! reit' zu auf der alten Mähre, sag'
ich!" rief der Fürst wieder. Da lief mir aber die Galle in's
Blut und ich platzte heraus: „Ja Durchlaucht, wer so einen
Schimmelhengst unter sich hat, der hat gut rufen: reit'zu Lippolt,
auf der alten Mähre! das ist keine Kunst. Aber auf solchem
alten ausgedienten Klepper Strich halten sollen, das ist eine
andere Sache!"

„Aber Bruder!" fiel ihm hier Dortchen in die Rede,
„wie konntest du's nur wagen, so mit deinem Fürsten zu
reden?"

„O!" crwiedcrte der Förster lachend, „der gicbt aus
und nimmt ein und bleibt dabei immer der allergnädigste
Herr. Doch weiter im Text. „Larifari!" brummte Seine Durch-
laucht, „cs liegt am Reiter, nicht am Roß. Du wirst pum-
pelig, Lippolt," fügte er dann ruhig hinzu.

„Na! Durchlaucht werden auch nicht jünger!" erwicderte ich.

„Wir sind Beide wohl ziemlich von einem Alter, Lip-
polt?"

„Durchlaucht sind zwei Jahre jünger, aber zwanzig Jahre
klüger und verständiger wie ich," denn ich schämte mich mei-
ner Hitze.

„Na! nun sehe ich, daß du wieder gescheidt wirst," lachte
der Fürst, und sah mich dabei freundlich an. „Aber ich
wette doch, daß ich auf dem Rappen an deiner Seite bleibe,
wenn du auch zehnmal auf meinem Schimmel reitest."

„Top! cs gilt!" rief ich, „ich halte die Wette!" und
sprang im Umsehen von meinem Rappen herunter. Wohl
oder übel, mußte sich nun der Fürst bequemen/ abzusteigen und
sich auf meinen Rappen setzen. Ich aber sprang wie ein
Jüngling auf den Hengst, stach ihm eins zwischen die Rippen,
gab ihm einen Hieb über die Keule und rief: „Na, nu man
tan!" und dahin flog ich wie ein Vogel. Der Hengst machte
Sätze wie ein Hase auf der Flucht und es fehlte nicht viel.

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Zum grauen Esel"
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Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

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Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Reiter <Motiv>
Wald <Motiv>
Wette
Pferd <Motiv>
Fürst <Motiv>
Karikatur
Reiten <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 36.1862, Nr. 883, S. 178
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