Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

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3 Befunde und Fundkomplexe

A. Bammer und W. Oberleitner vertreten wurde498, die Mehrzahl der Vorschläge sich jedoch
zwischen den Jahren 50 und 20 v. Chr. bewegt. Bezüglich der Deutung des Oktogons schlägt
H. Thür vor, dass es sich um den Grabbau der 41 v. Chr. in Ephesos ermordeten Schwester
Kleopatras VII. - Arsinoe IV.499 - handelt, wohingegen C. Berns es als ein Ehrenmonument
allgemeineren Charakters sieht, welches der Profilierung seines Erbauers im Sinne des Konkur-
renzverhaltens späthellenistischer Munifizienten und Stifter diente500.
3.3.1 Die Grabung im Ostteil des Raumes 45c: Sondage B9/99
Die unter der Leitung von S. Ladstätter 1999 durchgeführte stratigrafische Grabung in der Ost-
hälfte des Raumes 45c (Sondage B9/99) brachte Strukturen und Schichten zutage, die u. a. eine
Datierung des Oktogons erlauben501.
Die Grabung umfasste eine Fläche von etwa 2,80 x 2,00 m. Die nördliche Grabungsgrenze
stellten der dreistufige Unterbau des Oktogonsockels und die östlich daran anschließende Mau-
erecke des byzantinischen Einbaus im Süden des sog. Nymphäums (= Hexagon) dar. Die Nord-
mauer eines wohl als Taberna anzusprechenden Quaderbaus (Raum 45) schloss die Fläche im
Süden ab. Im Südwesten bildete ein mittelkaiserzeitliches Wasserbecken die Grabungsgrenze
(Abb. 19 a. b).
3.3.1.1 Nach-oktogonzeitliche Befunde und Fundkomplexe
Die Baugrube des Wasserbeckens enthielt mit K 600 u. a. ein ESB-Fragment der Form Atlante 70502
mit durch sekundäre Beeinträchtigung ausgebleichtem weißlichen Überzug sowie einen nied-
rigen, abgesetzten ESB-Standring, der möglicherweise der Form Atlante 13A zuzuordnen ist
(K 601 )503 und den flachen Boden eines ESB-Tellers Atlante 37504 oder 60505 (K 602). Außerdem
wurde darin der bauchige Feinwarebecher K 603 mit trichterförmigem Rand geborgen, der Par-
allelen in ephesischen Fundkomplexen des 2. und 3. Jahrhunderts findet506. Das Becken wurde
also anscheinend in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts errichtet und - nach Ausweis des
keramischen Fundmaterials - in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. verfällt. Die Ver-
füllung enthielt u. a. flavische ESB-Schalen der Formen Atlante 5 8507 (K 606) und 70508 (K 605.
K 606) sowie mit K 607 ein abgebrochenes ESC-Bodenfragment, das möglicherweise der Form
Atlante L 19/H3509 zuzuordnen ist. Vertreten ist außerdem ein nicht genauer zuzuweisendes,
aus zwei Wandfragmenten zusammengesetztes Stück eines italischen Sigillatagefäßes (K 608),
dessen Form allerdings nicht mehr bestimmt werden kann und das vermutlich ein Altstück dar-

1970, 79 f. datiert den Bau aufgrund des figürlich gestalteten (Greifen, Akanthus-Palmettenfries) Peristasisgebälks
in die Mitte 1. Jh. v. Chr., ebenso von Hesberg 1980, 56 f. 62. 64 f. Keil 1930, 44 ordnet das Oktogon dem 1. Jli. v.
Chr. oder 1. Jh. n. Chr. zu. Zusammenfassung der Datierungsansätze bei Thür 1990, 50; Thür 2009, 16 f; Plattner
2009, 101; Waldner 2009, 294.
498 Zur Datierung in die 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. s. A. Bammer in: Oberleitner u. a. 1978, 96. Ebenso W. Oberleit-
ner in: Lessing - Oberleitner 1978, 136 f.
499 Uiür 1990, 52. Bei los. ant. lud. 15, 89; App. civ. 5, 9, 34 und Cass. Dio 43, 19, 2 wird die Ennordung Arsinoes IV.
im Jahre 41 v. Chr. in Ephesos überliefert; s. ausführlich Uiür 2009.
500 Berns 2003, 45 f. mit Anm. 247; s. Thür 2009.
501 Die Ausgräberin S. Ladstätter verfasste ein detailliertes Tagebuch, anhand dessen sämtliche hier besprochene
Strukturen nachvollziehbar waren, s. Tagebuch 1999a, Sondage B9. Hiermit sei S. Ladstätter auch herzlich für die
Diskussion des Befundes gedankt.
502 Hayes 1985, 66 f.
503 Hayes 1985, 55 f.
504 Hayes 1985, 60.
505 Hayes 1985, 64.
506 Vgl. z. B. Ladstätter 2005a, 470-472; Ladstätter 2010b, 534.
507 Hayes 1985, 63.
508 Hayes 1985, 66 f.
509 Vgl. Ladstätter 2008, 254 Kat. TS 103.
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